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Beschäftigt man sich mit Post- oder Doom Metal, führt an den Belgiern von Amenra absolut kein Weg vorbei. Und das nicht erst seit ihren letzten beiden Veröffentlichungen auf dem legendären Label Neurot Recordings der Genre-Titanen Neurosis.

Schon lange vorher hatte sich die Band Amenra aus Kortrijk, die sich als Teil des Künstlerkollektivs Church of Ra versteht, in der Szene durch ihr brachiales Soundgewand und ihre messeartigen Live-Shows einen einschlägigen Namen gemacht. Im Konzept von Amenra geht es um die Dualität von Licht und Dunkelheit, von Gut und Böse, um Katharsis und um die Frage, wie man ein besserer Mensch werden kann. Aber welch emotionale Destruktivität in dieser Band steckt, wird insbesondere in den Live- Ritualen der Belgier deutlich, denn ihre Songs entwickeln sich in Verbindung mit der monochromen Bühnenatmosphäre, den Bildprojektionen, der brachialen Lautstärke und der eindringlichen Performance von Sänger Colin H. van Eeckhout, der sich, überwiegend vom Publikum abgewandt, scheinbar alle Dämonen aus dem Leib zu schreien schien, zu einem wahren Exorzismus. Auch die mehr oder minder in wahnsinnige Abgründe starrenden Mitmusiker machten im ausverkauften Junkyard bereits bei den ersten Tönen von Opener De Dodenakker deutlich, dass hier heute abend keine Gefangenen gemacht werden. Bereits beim Einsetzen des zerstörerisch groovenden Dodenakker-Riffs waren die versammelten Church of Ra Jünger wie in einen Bann gezogen, der bis zum großen Finale anhielt, zu dem die beiden Supports Lingua Ignota und E-L-R mit auf die Bühne geholt wurden, um dem Ganzen ein spektakuläres Ende zu bereiten.

Amenra beherrschen die Balance zwischen Licht und Dunkelheit in Perfektion und bohren sich dabei tief in deine Seele vor.

Ob im Opener De Dodenakker, Diaken vom letzten Album oder auch dem Doom- Monolith TerZiele.Tottedood, wenn die geballte Riffgewalt der Band einsetzt, hat dieses immer eine durchdringende Kraft, die zerstörend und befreiend zugleich ist.

Und ganz abgesehen davon, sind Amenra einfach eine absolut perfekt aufeinander eingespielte Einheit, der es einfach Spass macht zuzuschauen, wie sie sich immer weiter in ihr Live-Set hineinarbeitet. Nach dem bereits erwähnten, grandiosen Finale „Aorte/Ritual“ war der Ritus dann vorüber. Entweder bist du bei diesem erbarmungslosen Riff- Exorzismus wahnsinnig geworden oder du fühlst dich danach wie ein besserer Mensch. Beides super!

Leider habe ich aus verkehrs- und zeittechnischen Gründen den Auftritt von Kristin Hayter a.k.a. Lingua Ignota nicht erlebt, was sehr schade war, da ich mir ihren Mix aus Noise, Neoklassik und Death Industrial gerne angetan hätte. Noch auf der Hinfahrt hatte ich in ihr aktuelles Album „All Bitches Die“ reingehört, und war mitunter sehr angetan, wenngleich ich ihren teils klassischen, teils folkigen Gesang doch auch stark gewöhnungsbedürftig fand. Wenn ihre Songs sich im Noise- Irrsinn verwickeln, war ich durchaus an das letzte Bruce Lamont Album erinnert, bei dem die Stücke ähnlich konstruiert sind.

Vom schweizer Trio E-L-R (Ex Sum of R) habe ich noch die letzten 2 Songs mitbekommen. Lange, zumeist instrumentale Kompositionen, in denen viel mit Tremolo-Wiederholungen gearbeitet wird und die durch diese Art der Monotonie durchaus erheblichen Druck aufbauen. Die Band selbst bezeichnet ihren Sound als „hypnotic rhythms suspended in a haze of eternal reverberation“, was die Sache ganz gut trifft. Als Einstimmung auf die nachfolgenden Amenra eigentlich genau das Richtige.

Warum ich den Junkyard in Dortmund bisher nicht wirklich auf dem Schirm hatte, ist mir echt ein Rätsel. Die in 2016 auf dem Gelände eines früheren Schrottplatzes errichtete, noch junge Location hat für Konzerte dieser Art einfach eine hervorragende Atmosphäre und auch am Sound gibt’s hier nichts zu meckern. Ein sehr empfehlenswerter Club und noch empfehlenswerter die Veranstaltungen von Shôgun Konzerte, die in den kommenden Wochen und Monaten noch so manchen Leckerbissen (Sumac, Baptistis, Ufomammut) im Junkyard parat halten werden.

I’ll be back, definitely.

Titelbild: Amenra | (c) Jens Broxtermann

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