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Am 11.11 nach Köln zu fahren mit einer anderen Intention als an den Feierlichkeiten zum Karnevalsstart teilzunehmen klingt zuerst einmal nach einem Unternehmen, was zum Scheitern verurteilt ist. In der Realität verlaufen Hin- und später auch Rückweg nach Köln eigentlich wie immer: Viele Baustellen, eine sich schwierig gestaltende Parkplatzsuche und, als endlich eine freie Parklücke gefunden wurde, ist die viel zu teuer (20 Minuten für 1 Euro, are you serious?). Doch genug davon. Das Bürgerhaus Stollwerck, auf jeden Fall eine der schöneren Locations in der Domstadt, ist heute ausverkauft. Vereinzelt sieht man noch Personen in Verkleidungen, doch der Großteil scheint heute Abstand vom Treiben der Jecken genommen zu haben.

Laut Homepage des Stollwercks startet das Konzert um 21:00 Uhr. Reichlich spät für einen Termin unter der Woche. Vielleicht ist dies dem Veranstalter auch aufgefallen, denn die Vorband Mother’s Cake aus Österreich betritt eine Viertelstunde vor dem eigentlich Beginn die Bühne. Geboten wird Progressive Rock, der sich allerdings großzügig im Funk bedient. Der Sänger hat eine sehr markante Stimme, die gut gefällt und bei den hohen Tönen ungewöhnlicherweise ein Bisschen an Michael Jackson erinnert – was aber auch keinesfalls schlecht ist. Der Großteil der 45 Minuten Spielzeit wird jedoch von instrumentellen Abschnitten eingenommen. Hier wird ein abwechslungsreicher Mix aus ruhigen Parts und wildem Gejamme geboten. Sowohl Giatrren- als auch ein Bassolo werden eingestreut. Das Publikum hat die Band auf jeden Fall fest auf ihrer Seite und bietet einen guten Start in Abend.

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Während der Umbaupause füllt sich der Raum bis auf den letzten Platz. Anathema werden bereits begeistert empfangen und starten ihr Set mit The Lost Song, Part 1 vom aktuellen Album Distant Satellites. Wo andere Bands in der Regel mit einem eher härteren Stück beginnen, werden hier zu Beginn sanfte Töne angestimmt. Die Stimmen von Daniel Cavanagh und Lee Douglas harmonieren prächtig. Hier wird große Gesangskunst geboten. Der Sound im Stollwerck lässt dies zum Glück zu. Ein Lob gebührt deshalb an dieser Stelle dem Soundmann. Als Nächstes folgt The Lost Song, Part 2, welches die Stimmung im Publikum deutlich steigert. Die Band hat den gesamten Laden im Griff und animiert die Leute vielfach zum Klatschen. Ob das allerdings in dieser ausufernden Form in fast jedem Song notwendig ist, sollte jeder selbst für sich entscheiden. Der zweite Teil des Sets wird größtenteils ohne Lee Douglas zum Besten gegeben. Der Sound bleibt gut, der Gesang ebenfalls. Also sollte es eigentlich nichts zu meckern geben – oder doch? Die Antwort liegt im Auge des Betrachters, denn die Setlist ist gelinde gesagt etwas unausgewogen – oder eher sogar zu ausgewogen: Insgesamt werden sieben Songs vom aktuellen Album gespielt. Obwohl das Werk erst dieses Jahr erschienen ist, ist es doch ein wenig zu viel. Darüber hinaus sind auch die beiden Vorgängeralben auch mit einigen Songs in der Setlist vertreten. Fans der älteren Alben und Stücke werden wohl etwas enttäuscht den Raum verlassen wollen. Für sie fehlt sicherlich an der einen oder anderen Stelle die Härte, während der seichte Alternative Rock ein Bisschen dahinplätschert. Früher war halt mehr Metal, bis auf die knappe Zugabe bekommt man wenig mit von Anathema vor ihrer Neuausrichtung. Gerade diese Stücke feiern dafür die Fans der neueren Alben umso mehr, was bei der hohen Qualität dieses Auftritts auch kein Wunder ist. Worüber sich allerdings niemand beklagen kann ist die Spielzeit: Nach 80 Minuten und dem vorerst letzten Song Closer verlassen Anathema begleitet von einem Effektgewitter erster Güte die Bühne.

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Die Zugabe lässt natürlich nicht lange auf sich warten. Es werden weitere 4 Songs geboten, wobei auch Lee Douglas wieder zum Einsatz kommt. Nach viel Lob für das Publikum und die Crew verabschiedet sich die Band endgültig für diesen Abend mit Fragile Dreams, dem übrigens nach wie vor besten Anathema-Stück, und der Ankündigung, dass auf der folgenden Tour, einer Art Reunion-Tour mit ehemaligen Mitgliedern, auch die gesamte Discographie abgedeckt werden soll. Ein entsprechender Termin auf dem Roadburn Festival wurde bereits bestätigt. Somit geht also letztendlich doch der Großteil glücklich nach Hause oder in die nächste Kneipe, wo die letzten Jecken immer noch Kölsche Lieder trällern.

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