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MTC Köln 07.11.2015 mit Bane, Wolf Down und Code Orange!


Bane – eines der letzten Konzerte einer Hardcore-Legende. Als ich mir das aktuelle Album „Don’t wait up“ zum ersten Mal anhörte war ich überrascht, wie abwechslungsreich Punk-Hardcore sein kann. Man findet in einigen Songs minimalen melodische Abweichungen von diesem harten „auf die Fresse“ Sound und wirken dabei überhaupt nicht aufgesetzt, aufgezwungen oder gar unpassend. – Ganz im Gegenteil. Die fünf Herren aus Worcester/Massachusetts sind derzeit auf Abschiedstour. Nach fast zwanzig Jahren auf der Bühne und einem wichtigen Platz in der Hardcore Szene löst sich die Band auf. Es wirkt auf mich ein bißchen so, als würden sie den Weg frei machen für den Nachwuchs in der Szene. Deswegen war es mir natürlich eine Ehre mein zwar einziges, aber dieses letzte Konzert erleben zu dürfen und meine Eindrücke niederzuschreiben und in Bildern festzuhalten.

Begleitet wurden Bane von zwei weiteren Bands: Die erste Band war „Wolf Down“, eine deutsche Hardcore-Punk Band aus dem Ruhrgebiet und jüngst 2011 gegründet wurde. Zum zweiten Showdown kamen dann „Code Orange“ aus Pittsburgh/Pennsylvania, die seit 2008 bestehen. Beide Bands haben das MTC richtig eingeheizt.

Ich bin nicht oft auf Hardcore Konzerten, aber es ist immer wieder erstaunlich wie nah die Bands dem Publikum sind. Gemäß der DIY Attitüde ist natürlich der musikalische Erfolg im Sinne von „große Hallen“ füllen und dem Drang nach monetären Erfolgen dadurch außer Kraft gesetzt. „Wolf Down“ haben zu diesem Thema einmal gegenüber Stageload gesagt: „Wie auch anderswo ist die HC-Szene geteilt, oder sagen wir ruhig gespalten, in einen „Mainstream“-Teil, von Leuten, die nur zu Großevents rennen und sich „cool anziehen“, in einen Beatdown-Teil mit diversen Männerbünden, öh „Crews“, und eine punknahe, politisch interessierte D.I.Y-Oldschoolszene.[…]Allerdings ist der „kommerzielle“ Hardcore dank „professionellen“ Bookingagenturen, welche versuchen, sich ein großes Stück vom HC-Kuchen abzuschneiden, leider im Vormarsch.“ Diese Haltung verkörperten alle drei Bands. Ihre liebe zur Szene, zur Musik waren authentisch, und die Nähe zu ihren Zuhörern mit denen sie Verbündete im Kampf gegen Homophonie, Tierquälerei, Menschenrechtsverletzungen, politische Unterdrückung u.v.m. gefunden hatten, All das brauchte man nicht erahnen, das war selbstverständlich. Einen Wermutstropfen hatte es für mich jedenfalls doch. Eine gewisse Brutalität im Tanzstil ist jetzt wirklich nichts neues, aber in so einem kleinen Club macht sich das sehr negativ bemerkbar. Da bleibt es nun mal nicht aus das „Violent Dancing“ einem prügelnden Pulk nahe kommt, dass sich dann doch körperlich trifft. Dennoch war es erstaunlich und das macht es eben auch wieder aus, dass es ein Tanzstil ist und nicht mehr. Grundsätzlich hat man als Frau wenig Chancen da vorne, auch wenn „Wolf Down“ Sänger Dave die Ladies dazu aufforderte sich näher heran zu trauen, blieb die Meute in Frontnähe durchaus männlich.

Musikalisch gesehen waren „Wolf Down“ deutlich härter und wenig virtuos bzw. in irgendeiner Art und Weise abwechslungsreich. Aber die Message und die Ernsthaftigkeit der wichtigen Themen, die uns alle betreffen, kamen an und das ist vermutlich auch das, was ihnen am wichtigsten in ihrer Musik ist als Straight Edge Band. „Code Orange“ sind durchaus offener und virtuoser, sie bezeichnen ihren Stil selbst als rauen, doomigen Hardcore Punk.

Interessant war der vollbepackte „Loop-Koffer“, den der Bassist Joe Goldman mitbrachte und fügte so manchen Soundeffekte in die Show ein. Nach diesen beiden großartigen Bands und ihren kurzen Darbietungen war es soweit und „Bane“ betraten die Bühne. „Bane“ ist eine hoch professionelle Band mit einem Sänger, der die Feinfühligkeit eines weisen, alten Herren besitzt in bester Hardcore – Punk Manier. Diese Mischung aus Klugheit und Ernsthaftigkeit verbunden mit einem großartigen rauen, aber versöhnlichen Hardcore-Punk Sound, der einem die Birne wegpustet, und einer grundsätzlichen Gelassenheit, und dem großen Spaß an der Musik, macht diese großartige Band dermaßen sympathisch und authentisch. Und genau das ist es was einen furchtbar traurig macht, das Bane nun die Bühne verlassen. Für immer. Aber dieses Konzert wurde dermaßen gefeiert und mit Pauken und Trompeten gehuldigt, dass einem die Spucke weg bleibt. Was aber bleibt sind die Datenträger ihrer Musik. Diese Hinterlassenschaft ist eine Bereicherung jeder Plattensammlung. Wer sie jetzt noch nicht kennt, sollte sich schleunigst eine begehrte Platte sichern. Vergesst diese Band nicht!

Bane

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