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Nicht enden möchte sie, die Love-Riots-Tour. Bereits im letzten Sommer tourten Blumfeld, die Liebesaufständigen, 12 Jahre nach ihrer offiziellen Trennung und zwei kleineren Reunions durch die Republik, um Songs über Hass, Aufstand, Liebe, Utopien und nicht zuletzt die Frage, was all das miteinander zu tun hat, zu spielen.

Erwartungsgemäß war die Resonanz überwältigend. Dabei ist es nicht so, dass es im deutschsprachigen Bereich nicht eine Reihe von Künstler_innen gegeben hätte, die in der Blumfeld’schen Tradition, also im Bereich des sogenannten „Diskurs Rock“ tätig gewesen wären. Doch haftete so manchen von ihnen doch das Laster des Epigonenhaften an, sodass man am Ende doch das Original bevorzugte und im Zweifel die Ich-Maschine von 1992 auf den Plattenteller legte.

Nachdem die Band um Sänger und Songschreiber Jochen Distelmeyer Leipzig bereits im Juni 2018 im Conne Island einen Besuch abgestattet hatte, kamen sie dieses Mal in das deutlich gediegenere Geyserhaus. Rein oberflächlich sollte also dazu – im Gegensatz zum letzten Mal – „love“ und nicht „riot“ großgeschrieben werden, lädt doch die kleine, gemütliche Freilichtbühne mit ihren ca. 300 Sitzplätzen an diesem lauen Sommerabend eher zum gemütlich Schunkeln als zum exzessiven Aufstand ein. Dass Blumfeld indes beides können, haben sie oft genug bewiesen, und tun es – zum Glück – auch heute.

Beginnen tun sie – wie im letzten Jahr – mit einem Song aus Distelmeyers Solokarriere, dem stampfenden Einfach so, in dem sich die Kunst des Songwriters widerspiegelt, Der Trennung zwischen Persönlichem und Gesellschaftlichem ein Ende zu bereiten: „Ich seh die alten Lügen triumphieren/ Einfach so/ Ihre Lakeien unser Leid regieren/ Einfach so“. Mehrmals im Laufe des Abends wird er noch auf die kommende Landtagswahl in Sachsen Bezug nehmen, wozu der Song als einer von vielen sozusagen die musikalische Umrandung bietet.

Weiter geht es mit einer Reihe von Songs, die hauptsächlich der Frühphase der Band entstammen, also den ersten beiden Alben, darunter etwa Von der Unmöglichkeit, Nein zu sagen, ohne sich umzubringen, Viel zu früh und immer wieder; Liebeslieder und Pickelface ist back in town. Distelmeyer ist, wie man es von ihm kennt, überaus gut gelaunt, manche würden sagen, hysterisch gut gelaunt. Das kann man mögen oder nicht, und sicherlich sind seine Publikumsschmeicheleien schon an der ein oder anderen Stelle halbautomatisiert worden, aber unterhaltsam ist er dabei trotzdem. In der zweiten Hälfte der offiziellen Setlist nehmen dann langsam die Stücke überhand, die um die Jahrtausendwende erschienen sind und die dazu führten, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der Blumfeld-Fanschar sich entnervt von der Band abwandte. Wenngleich es aus dieser Phase sehr grenzwertige Songs wie Weil es Liebe ist mit Zeilen wie „und wie geil es ist/ wenn man sich dann küsst/ Liebe ist Freundschaft, Sex und Zärtlichkeit“ gibt, gab es doch auch eine Reihe von sehr mutigen wie auch kunstvollen Stücken. Mutig deshalb, weil sie, wie etwa Old Nobody im Jahr 1999, sehr brachial mit mit ihrem bisherigen Sound brachen und sich damit nicht selbst zum Spielball ewig gleicher, äußerer Erwartungshaltungen degradierten. Und kunstvoll deshalb, weil sie in ihren besten Momenten eine klare Sprache fanden, die dennoch vor Assoziationsfähigkeit und Offenheit nur so strotzte, wie etwa das großartige So lebe ich aus dem Jahr 1999, das sie an diesem Abend leider nicht spielen. Dafür aber zum Beispiel das schöne, wenn auch arg pathetische Wir sind frei vom 2003er-Album Jenseits von Jedem, das zugleich den offiziellen Teil des Sets beendet.

Insgesamt kommt die Band noch drei Mal zurück auf die Bühne und spielt noch 7 Songs, darunter Draußen auf Kaution, Die Diktatur der Angepassten (das live besonders zu überzeugen weiß), 1000 Tränen tief und Verstärker. Mit ihrem Jetzt!-Cover Kommst du mit in den Alltag beendet die Band dann schließlich das Konzert und entlässt das Publikum – halb beschwingt, halb in Sehnsucht schwelgend, ganz Blumfeld.

Titelbild: Blumfeld | (c) Luca Glenzer

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