jetzt vorbestellen: Turbostaat – Uthlande (LP+CD)

Bohren und der Club of Gore
oder das finsterste Moshpit ist dein Herz.

Bohren sind sentimental. Und langsam. Sentimental langsam. Wie eine Geschichte an die du dich zu erinnern versuchst, um in allen schmerzlichen Details darin zu baden – an ein Mädchen, eine vertane Gelegenheit. Bohren spielen diese Sentimentalität ohne den Hauch von Ironie. Das macht sie edel, macht sie zu Brüdern.

Das Grammatikoff in Duisburg ist ausverkauft.Wir sitzen in Reihen. Keine Vorband. Wer will schon eine hören. Alles ist dunkel. Auch die Bühne. Zuerst ist da nur eine Fläche, dann das Schlagzeug, Bass und irgendwann schneidet das Tenorsaxophon ins Fleisch. Schwer. Tief. Das Publikum: Metaller aller Alterklassen. Slayer Shirts und Kutten. In der Reihe vor mir headbangen sie. Ich wiederhole: Sie headbangen. Zu 40 schlägen die Minute. Ich schließe die Augen: Ich höre Bohren und der Club of Gore: Jetzt ist da ein Rauschen, ganz leicht bewegen sich die Blätter in der Oktobersonne. Und in weiter ferne, schwer atmend das Meer.

Nah, immer näher kommen die Erinnerungen an ein Lächeln, eine Berührung, beiläufig, vertraut. Inmitten des Birkenwaldes. Die Sonne. Sinkt. Und dann ist sie da: So blond, So blau, So kalt. So unerbittlich, mich, mit dem Ansatz eines Lächelns in stille Euphorie versetzend.

Komödie heißt es, sei Drama plus Zeit. Bohren dehnen die Zeit bis an den Rand des Erträglichen. Das Drama bleibt Drama. Kein Platz für Verrat.

Schreibfehler gefunden? Sag uns bescheid, indem Du den Fehler markierst und Strg + Enter drückst.

Lade mehr ähnliche Artikel
Lade mehr von Marc Michael Mays
Lade mehr in Konzerte
Bitte Anmelden um zu kommentieren

Kommentar verfassen

  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei

Auch Interessant

BERICHT: Cult Leader, Coilguns und Lifetaker @ Die Trompete Bochum 13.06.19

Shôgun Konzerte aus Dortmund haben sich erneut nicht lumpen lassen und ein hochkarätig bes…