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Nachdem sich Schauspiel und Centraltheater in letzter Zeit durch immer bessere Konzerte hervortun, kann der gestrige Abend als vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung betrachtet werden.

Den gediegenen Saal füllten Bohren und der Club of Gore, welche auf ihrer kleinen Tour durch Europa (Oslo, St. Petersburg, Moskau, Lausanne, Krefeld (!!!) ) auch Zeit für einen Gig in Leipzig fanden.

Den Anfang machten die Wahlberliner von Ruin, die mit Drones, Growls, Bassgewittern und Macbook-Elektronik für rege Betriebsamkeit an den Ausgängen sorgten und auf die hier nicht weiter eingegangen werden soll. Nach der üblichen Umbaupause klingelte die Glocke dreimal (rückblickend erscheint es fast gespenstisch, wie gut diese Band an diesen Ort passt) und schemenhaft wurden das Fender Rhodes und andere Utensilien auf der Bühne sichtbar. Die Scheinwerfer verloschen – und blieben aus. Die Band bahnte sich mit Taschenlampen ihren Weg, aus der Dunkelheit erklangen die ersten Takte. Nun folgten mehrere Stücke (von Saxophonist Christoph Clöser immer als „Lieder“ angekündigt), die den Zuhörer entweder in ihren Bann zogen oder einschläferten, teilweise auch beides. Ein so bedächtiges Publikum ist jedenfalls nicht oft anzutreffen. Überhaupt, die Ansagen. Mit seinen jovial-trockenen Zwischenmeldungen verhinderte Clöser die sonst in Deutschland typische Todeskünstler-Dunkelstimmung, ruhig und kräftig floss der Bohrensche Sound dahin.

Die anderthalb Stunden (genau vermag ich das nicht mehr zu sagen) vergingen rasant, das Zeit-Raum-Kontinuum schien zwischen Mellotron und Rhodes wie ausgehebelt, monolithische Basstöne erschütterten das Bewusstsein.

Mit „Midnight Black Earth“ entließ einen die Band in die tiefe Nacht, ein durchaus stilsicherer Abschluss, man nimmt auch dies mit Humor.

Bohren und der Club of Gore zeigten auch an diesem Abend, dass begeisternde und eigenständige Musik nicht viel benötigt und gingen ihren Weg konsequent. Erfrischend, Erhaben, Selten.

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