Diese Energie, diese subtile Elektrizität in der Musik – Bosnian Rainbows überzeugen mit lautem Sound, unglaublicher Spielfreude, aber vor allem mit Teri Gender Bender. Das Knust knisterte.

Eine Reise nach Hamburg sollte es sein: Exklusives Clubkonzert der Bosnian Rainbows. Nach fünf Stunden und einem aufwühlenden Interview waren die Erwartungen groß, doch das Knust leer. Nicht traurig genug, denn vor der Tür wurden sogar noch Tickets feilgeboten. Einmal vernahm ich sogar ein: „Hauptsache kurz und schmerzlos.“

Es lässt sich nunmal nicht leugnen. Denn trotz der Umstände, der großen Ansage einer neuen Band und der Bescheidenheit des At The Drive-In-Hirns Omar Rodriguez-Lopez standen hier viele gebrochene Mars Volta-Fans, denen das Prädikat ’neu‘ nicht reichte, um ihren Schmerz dergestalt loszuwerden. Also halt noch exklusiver.

The Building aus Hamburg, eine neue Band des Hamburger Labels Clouds Hill, hatte die Ehre den Abend zu eröffnen und wirkte zunächst souverän – mit Simplizität, Minimalismus und einem in weißem Anzug und Mantel gekleidetem Frontmann. Nichtsdestotrotz war es dann doch, wie sie selber sagten, „not a band to fall in love with“. Oder vielmehr sangen. Denn gesagt wurde rein gar nichts.

Zu guter Stunde füllte sich auch endlich das Knust, Bosnian Rainbows stolzierten um die Bühne und per Knopfdruck eröffnete sich ein Druckfeld, ein Sog aus Spannung und Okkultismus. Gott sei dank.

Teri Gender Bender stach sofort ins Auge, denn: Wer Ausdruckstanz auf der Bühne macht, sich vollends gehen lässt und sich trotzdem im Nachhinein beim Publikum bedankt, ist groß. Ja, sie hat es geschafft, das Publikum zu beschwören und es dann mit ihren Blicken in Stein zu verwandeln. Einmal konnte ich mich von ihrer Hypnose lösen und sah offene Münder, große Augen und Schockstarre im ganzen Saal. Das ist ein Gefühl, dass man nicht auf Platte haben kann. Oder zumindest nicht hier. Schade.

Während Omar Rodriguez-Lopez und Deantoni Parks natürlich mit ihrer doch zurückhaltenden Virtuosität bestachen und uns auch das ein oder andere Mal zum Lachen bringen konnten, überzeugte vor allem Nicci Kasper, der quasi-unbekannte Keyboarder. Eine Flächendichte aus Synthesizern und eine breite Masse an Bässen überzeugten auf ganzer Ebene. Er komplettiert erst den Bandsound und bringt alles in eine Form. Ein großes Lob an den Mann, der Bosnian Rainbows zu diesem Bermuda Dreieck macht. Sie verschlingen alles.

Beim Rausgehen habe ich dann den Nörgler von Beginn der Show wiedergetroffen – am Raucherstand. Laut und deutlich, damit er ich mich hören konnte, räusperte ich mich, drehte mich um und schaute ihn an. Dann sah ich ihm in seine Augen, atmete noch einmal tief durch und sagte zu meinem Kollegen: „Who the fuck is The Mars Volta?“

Außerdem noch ein großes Dankeschön an Nicole von Clouds Hill für die großartige Gastfreundlichkeit und den netten Empfang, wie das Interview und den netten Abend.

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