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Am 3. und 4. August dieses Jahres fand im belgischen Duffel das Brakrock Ecofest statt.


Die Stadt ist vor allem für den Duffelcoat bekannt und inzwischen auch bei Liebhaber*innen des gepflegten Punkrocks in diesem Sommermonat en vogue. Das Line-Up war schon Grund genug dem Festival einen Besuchen abzustatten, hinzu kommt der zumindest in der Theorie sehr vernünftig klingende ökologische Ansatz, der, erlebt man die praktische Umsetzung, noch an der einen oder anderen Stelle ausbaufähig ist. Dazu später noch mal mehr.

In der brennenden August-Hitze packen wir unsere Sachen in das Auto und machen uns mit einigen kühlen Getränken auf den Weg in Richtung Duffel. Gute zwei Stunden Fahrt ohne Klimaanlage, dafür aber mit warmem Fahrtwind. Standardausstattungen in den heutigen Fahrzeugklassen sind total überbewertet und als Luxus abzuwerten. Niemand braucht das und so kommen wir nach wenigen Zwischenstopps auf dem kleinen Campingplatz in der belgischen Kleinstadt an.

Zeltaufbau in weniger als 60 Sekunden, Sonnencreme auf die schon gerötete Haut und schnell weiter Richtung Festivalgelände bzw. Schatten. Die Bequemlichkeit lässt uns zurück in das Auto steigen. Wir verzichten auf den 2 Kilometer langen Fußmarsch. Wieso unnötig mit Sport belasten?

Wir finden einen Parkplatz direkt an einem Park und nur ungefähr 200 Meter vom Festival entfernt. So ein Glück. Bis das Festival eröffnet, es gibt ein paar kleinere Probleme, hängen wir ein wenig am See im Park ab und entspannen im Schatten. Zum Glück sind wir sehr weit vorne in der ohnehin überschaubaren Schlange und so können wir uns ganz gemütlich einen Überblick von dem Gelände verschaffen.

Zunächst allerdings müssen Token (Wertchips) gekauft werden. Mit diesen kleinen Plastikchips muss in den nächsten eineinhalb Tagen bezahlt werden. Plastikchips bei einem Ecofest? Erste Fragen schwirren durch den Kopf. Direkt neben den Chipshändler*innen befindet sich der Pfandbecher-Verkaufsstand. Ein Token (2,50€) kostet der Becher, den jeder Person, die etwas trinken möchte, kaufen muss und quasi nicht mehr zurückgeben kann. Übrigens ein Plastikmehrwegbecher. Na ja, aller Anfang ist schwer. Das Gelände ist wunderschön. Eigentlich eine Art Stadtpark mit Burgruine „Merchcastle“ inklusive Burggraben. Drei Bühnen, kalte Getränke (wenig Flüssigkeit für einen Token) und eine Menge gute Bands. Lassen wir die Musik erklingen.

Die erste Kapelle des Tages, die wir uns zu Gemüte ziehen, sind die eher umstrittenen The Queers aus Portsmouth (New Hampshire) auf der großen Riverstage. Auf der zweiten größeren Bühne, der Woodstage, spielen im Anschluss Voodoo Glow Skulls. Hektischer Ska-Punk, der inzwischen 30 Jahre alten Band aus Kalifornien, der mir nach ein paar Liedern leider schon zu anstrengend wird. Also mit ein bisschen Abstand lieber Bier trinken am Burggraben und warten auf ein erstes Highlight des ersten Abends. D.R.I., über die es bezüglich ihrer Live-Auftritte sehr konträre Aussagen gibt, überzeugen mich persönlich von Anfang bis Ende. Sicher hätten 45 Minuten auch völlig ausgereicht, aber die Herren aus Texas machen ihre Sache wirklich sehr gut. Kein Punk, kein Metal, kein Hardcore, sondern Dirty Rotten Imbeciles.

Die letzten beiden Bands des Abends Mad Caddies und Clowns könnten sich von ihrer Musik kaum mehr unterscheiden. Nachdem wir uns für wenige Minuten erstgenannte Band anschauen, zieht es uns doch sehr schnell zu den Kanadier*innen Clowns, die auf der kleinen Ruinstage ein Feuerwerk vom Feinsten abliefern. Ein großartiger Abschluss eines ersten Tages, der um 23 Uhr leider viel zu früh endet.

Die Nacht ist sehr kalt, die Tag dafür umso heißer. Lange halten wir es in unseren Zelten nicht aus und so bauen wir schon sehr früh alles ab, packen das Auto voll mit den Sachen und fahren wieder Richtung Park, um den Morgen mit einem schönen, gemütlichen Frühstück zu beginnen. Herz, was willst du mehr. Am zweiten Tag spielen insgesamt 26 Bands. Zu den Highlights gehören gleich zu Beginn March aus den Niederlanden und The Bombpops aus San Diego. Zwei Mal Female-Fronted Punkrock. Ein wahrer Hörgenuss. So geht der Samstag gut los und man kann auch mal die große Hitze etwas ausblenden.

Das angekündigte Longboard-Pushrace suchen wir vergeblich, genau wie der aufgebaute Photo-Pavillon, der dass ganze Festival über leersteht und theoretisch nur als Schattenplatz genutzt werden kann. Musikalisch geht es mit Union 13 (Skatepunk) und Bad Cop/Bad Cop weiter. Ins Besondere die zweitgenannte Band waren eines der vielen kleinen und großen Highlights des Brakrock Ecofests. Super Stimmung und eine überzeugende Show. Sollte man im Augen behalten.

T.S.O.L, Satanic Surfers und Lillingtons folgten mit ihren Auftritten und alleine diese drei Shows waren es schon wert, die Reise nach Duffel auf sich zu nehmen. Bevor es für uns wieder in Richtung Köln ging, schauten wir uns noch das Wahnsinns-Set von Nothington an, die gerade auf Abschiedstournee sind. Nur Hits und ab der ersten Sekunde absolut mitreißend. Ich werde sie vermissen. Zum Schluss dann noch etwas Anarcho-Folk von Dayz N Daze und dann nichts wie nach Hause.

Das Brakrock Ecofest war aus Festival in einem wunderschönen Ambiente mit einigen kleinen organisatorischen Schwächen und einem Line Up, dass seinesgleichen sucht. Ich komme gerne wieder.

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