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Der kleine und feine Club SchonSchön in der Mainzer Innenstadt ist bekannt für einen ausgesucht guten Mix an Bands, Sounds und Stimmungen, so dass es kaum verwundert, wenn die ausgebildete Cellistin Marie-Claire Schlameus aka McChaos, die bereits mit  Thundercat, The Cinematic Orchestra und Tricky zusammengespielt hat, als Vorgruppe von Charlotte Brandi klassische Stücke von Olivier Messiaen oder Anna Meredith mit Loops und Effekten verziert vorträgt.

Kontemplative Musik im allerbesten Sinne, welche die ZuhörerInnen nachdenlich und besinnlich lauschen lässt. Intim und berührend und gleichzeitig geheimnisvoll und inspirierend. An den Reaktionen des Publikums konnte man deutlich ablesen, dass die 30-minütige Darbietung vielen zu kurz war. Gerne mehr davon.   

Nach kurzer Pause kommt Charlotte Brandi auf die Bühne. Nun wird den Besuchern bewusst, dass Charlotte Brandi und Marie-Claire Schlameus an Cello und Backing-Vocals den Kern der Tour-Band repräsentieren. Die über den ganzen Abend präzise und unauffällig funktionierende Rhythmus-Gruppe mit dem Jazz-Drummer Hanno Stick, der bereits Judith Holofernes von Wir sind Helden begleitet hat und Alexander Binder vom Trio Schmetterling am Bass ist schon lange kein Insider-Tipp mehr. Das heimliche Sternchen in der Band, die bis auf Marie-Claire Schlameus nicht identisch ist mit der Band, die das Album The Magician eingespielt hat, ist sicherlich Isabel Ment an den Backing-Vocals und an der E-Gitarre, die 2015 im Finale von „The Voice of Germany“ den vierten Platz erreichte und sich seitdem insbesondere in Berlin regionale Bekanntheit erspielt hat. Ihr sehr zurückhaltendes aber immer präzises Gitarrenspiel hebt so manchen Song auf ein nächstes Level. Die Zusammensetzung der Band ist exakt abgestimmt auf den verträumten Synthi-Pop, den Charlotte Brandi vom ersten Ton an präsentiert.

Die Eröffnung mit dem intimen Two rows offenbart die Stärke der feingliedrigen Sängerin: Ihre federleichte Drei-Oktaven-Stimme zieht den Hörer sofort in den Bann. Man hat den Eindruck, die Texte seien autobiographische, ambivalente Stimmungsbilder einer Liebe oder der großen Welt, in der man sich verlieren kann oder in der man Abenteuer erlebt. Brandi, die neben dem Keyboard auch E-Gitarre und Ukulele spielt, schafft es alles um sich herum zu vergessen und lebt ihre Songs. Ihre warme Stimme schwebt bei Defenseless schwerelos durch den Raum und hypnotisiert die Anwesenden. Die punktuell eingesetzten Cello-Sätze veredeln die Stücke nachhaltig. Engelsgleiche Chöre prägen danach den Calypso-Rhythmus des desillusionierten Beziehungsdramas My days in the cell gefolgt von dem herzzerreißenden Aliferous mit Gitarrenchorus als langsamer Walzer. Das gospelartige Where the wind blows erklingt nur mit Piano und den schönen Backgroundchören von Isabel Ment und Marie-Claire Schlameus. Neben kurzen Ansagen verzichtet Charlotte Brandi auf die Ansprache des Publikums, die Musik spricht für sich selbst. Einzig ein bisher unveröffentlichtes Lied mit dem Titel Lucky Bitch, das Sie als einen kleinen „wütenden und gleichzeitig dankbaren“ Song bezeichnet, wird vorgestellt. Nach dem heiteren New linen beschließt sie das Konzert mit dem flotten, mit frechen gesanglichen Schlenkern versehenen Single-Track A sting. Als hartnäckig geforderte Zugabe folgen Veins, der Eröffnungssong des Albums, und eine auf Portugiesisch gesungene Volksweise.

Trotz des zeitlich kurzen Auftritts hat Charlotte Brandi mühelos einen nachhaltig positiven Eindruck als ernsthalte, zielbewusste Künstlerin hinterlassen. Es wäre ihr sehr zu wünschen, dass das Album aber auch die noch laufende Tour nachhaltigen kommerziellen Erfolg haben, damit wir uns auf noch viele solche tollen Auftritte freuen können. Wer einen schönen entspannten und nachhaltigen Musikabend mit einer wunderbaren Charlotte Brandi samt einer excellenten Tourband erleben möchte, der sollte unbedingt die noch ausstehenden Tour-Termine dafür nutzen.

Titelbild: Charlotte Brandi | (c) Richard Kilian

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