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Shôgun Konzerte aus Dortmund haben sich erneut nicht lumpen lassen und ein hochkarätig besetztes Konzert in Bochum auf die Beine gestellt.

Neben Coilguns aus der Schweiz hat man sich mit Cult Leader eine mittlerweile etablierte Band aus dem heftigeren Hardcore-Segment in Die Trompete geholt. Als Support hat man außerdem mit Lifetaker aus Dortmund und Hamm ein gutes Händchen bewiesen, passte die Band mit ihrem Death Grind-Gebretter optimal ins Billing.

Das Wetter passte trotz einiger Regenschauer zwischendurch, es war recht warm, was man in dem kleinen Club im Bochumer Bermudadreieck auch merkte. Das Konzert war insgesamt leider nicht ganz so gut besucht, was sicherlich dem Donnerstag geschuldet, dafür konnte man von einem Publikum ausgehen, das absolut Lust auf einen spannenden und vor allem lauten Abend hatte.

Pünktlich um 20:30 eröffneten dann Lifetaker den Abend mit ordentlich Feedback, um in eine gut gespielte Mischung aus Blastbeats und schleppend tötenden Gitarrenriffs einzusteigen. Der Frontschreier machte sich erst gar nicht die Mühe auf der recht kleinen Bühne einen Platz zu finden, sondern positionierte sich lieber direkt davor. Der Bassist der Band sorgte beim zweiten Song für einen Schreckmoment. Da der Boden recht rutschig war und umgestoßene Getränke dies nur förderten, fiel er zu Boden, konnte jedoch sofort wieder aufstehen und weiterspielen. Insgesamt kann man der Band einen soliden Auftritt bescheinigen, jedoch könnte sich die 6-Saiter-Fraktion in Zukunft noch etwas mehr bewegen, wirkten beide Gitarristen etwas wie angewurzelt. Persönlich bin ich mal gespannt, wie die neuen Songs der Band, von denen es einige Kostproben gab, auf Platte klingen. Die Band war nämlich vor Kurzem in der Tonmeisterei in Oldenburg und hofft, im Herbst/Winter diesen Jahres das Debüt veröffentlichen zu können.

Lifetaker | (c) Heiko Lüker

Nach einer etwas längeren Umbauphase (ein Drum-Mikrofon musste neu verkabelt werden) ging es mit den vier verrückten Schweizern von Coilguns weiter.

Vor ein paar Wochen noch in Essen das Café Nova abgerissen, machte sich die Band mit einer beeindruckenden Gitarren-Backline auf, auch heute alles abzureißen. Fronter Louis verbrachte gefühlt den halben Gig auf dem Boden, den rumstehenden Tischen, dem Tresen oder im Publikum auf Tuchfühlung mit den Besuchern, Gitarrist Jona zauberte groovig-chaotische Riffs, Donatien bediente seine Keyboards und begleitet das Geschrei des Frontmannes während Drummer Luc das Chaos mit präzisen Rhythmen zusammenhielt.

Gespielt wurde ein buntes Potpourri aus den bisher veröffentlichten beiden Alben und den EPs der Band.

Außerdem wurde ein ganz neuer Song gespielt, der tatsächlich etwas straighter nach Vorne ging. Von einem Besucher des Konzertes wurde glatt ein Vergleich mit dem verstorbenen kontroversen Musiker G.G. Allin gezogen, wobei Louis Jucker immer im Rahmen blieb und niemals Grenzen überschritt. Seine Performance war jedoch wirklich mehr als abgefahren. Insgesamt ein sehr außergewöhnliches wie auch sehr sympathisches Auftreten des Vierers, mit einigen „Kurzen“ auf der Bühne und im Publikum.

Coilguns | (c) Heiko Lüker

Cult Leader haben mich im letzten Jahr mit dem aktuellen Album A Patient Man umgehauen. Auf der einen Seite klingen die chaotischen Stücke noch brutaler, auf der anderen Seite werden allerdings vermehrt ruhigere aber nicht minder düstere Klänge angestimmt. Umso gespannter war ich auf die Umsetzung der Stücke live. Eröffnet wurde mit I Am Healed und die Menge war direkt mitgerissen. Zwar gingen die unglaublich bösartigen Vocals von Anthony Lucero etwas in der brachialen Soundwand unter, die Ausstrahlung des in Jeansjacke und Kapuze gekleideten Sängers nahm die Besucher des Konzertes umso mehr in ihren Bann. Nach dem krassen Einstieg wurde es nach einer Mischung aus den beiden bisher erschienenen Alben der Band mit To: Achlys zum ersten Mal ruhig. Nach dem eher nihilistischen Auftreten der Band zeigte der Frontmann seine zerbrechliche Seite und sang mit tiefer Stimme Zeilen von Verzweiflung und Sehnsucht. Der durchdringende Blick dabei ließ mich erschaudern. Nach einem Abstecher zur ersten EP Nothing For Us Here mit dem brutal groovenden Mongrel ging es mit A World Of Joy in ähnliche Gefilde. Die zurückhaltende Reaktion vom Publikum zeigte, dass Cult Leader absolut berührten. Was jedoch auch auffiel war, dass zwischen den Songs kein Moment der Stille aufkam. Die Pausen wurden mit Feedbacks oder auch mit gelooptem rhythmischen Atmen gefüllt. Nicht unerwähnt darf auch das Schlagzeugspiel von Casey Hansen bleiben. Dass der Mensch sich all die komplexen Pattern so merken kann und dabei immer auf dem Punkt ist, grenzt an ein Wunder. Erst zum Ende des Auftritts zog der Fronter dann doch seine Jacke aus, was definitiv der anstrengenden Darbietung der tiefgehenden Texte geschuldet war. Ohne viele Worte beenden Cult Leader einen großartigen Auftritt und entlassen die Besucher eines insgesamt tollen Konzertes, trotz unterschiedlicher Qualitäten des Sounds bei den Bands. Hier gilt es für mich vor allem auch dem sympathischen Veranstalter des Konzerts und Menschen hinter Shôgun Konzerte, Joe,  mein Kompliment auszusprechen für den guten Geschmack bezüglich der Zusammensetzung des Konzertes. Ich bin mal gespannt, was da noch in Zukunft kommt.

Titelbild: Cult Leader | (c) Heiko Lüker

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