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Am letzten Wochenende (30.09-02.10.2011) fand in der Weststadthalle in Essen das Denovali Swingfest statt. Ein Festival, dass nicht für die breite Masse gedacht ist, sondern für Menschen, die offen für experimentelle Musik sind. Das macht das Denovali Swingfest zu einem einmaligen, empfehlenswerten Erlebnis. Genauso bunt gemischt wie das Lineup, waren die Besucher des Swingfests, die aus allen Ecken der Welt nach NRW kamen. Die Acts bewegen sich, wie Festivalbooker Timo Alterauge passend zusammenfasste, irgendwo zwischen Doom und Jazz und auch den Klassik- und Postrockfans wurde einiges geboten. Das Wetter war herrlich und wurde von den Besuchern in den Pausen dazu genutzt, sich mit einem Getränk in die Sonne zu setzen, oder sich in der Shoppingmall am Limbecker Platz etwas zu essen zu besorgen. Zudem war in der Vorhalle des Festivals ein kleines Stummfilmkino aufgebaut, dass man während des gesamten Festivals nutzen konnte.
Die schwedische Indie/Postrockband September Malevolence läuteten am Freitag das Swingfest ein und begeisterten das Publikum mit ihren wechselnden Laut/ Leisesounds und ihrem Gesang und schnell wurde klar, dass der Tag ein voller Erfolg werden wird. Als nächstes betrat das kanadische Duo AUN die Bühne und entführte das Publikum auf eine außergewöhnliche ,audiovisuelle Reise. Abgelöst wurde das Duo von Kostas K aus London mit seinem Musikprojekt Subheim, bei dem er Ambient-Sounds gekonnt mit Gitarren- und Drumparts gemischt hat. Das münsteraner Bersarin Quartett erfüllte den dunklen Saal mit melancholisch schönen Neoclassic- Sounds, die einen auf eine emotionale Achterbahnfahrt einluden. Nach diesem gefühlvollen Act betrat die italienische Band Lento die Bühne. Ihr harter Slugle/Ambient-Core brachte die Menge in Bewegung. Obwohl sie ohne Gesang arbeiten, schafften sie es ohne Probleme, die Köpfe der Besucher zum bangen und die Haare zum kreisen zu bringen! Mein Highlight des Tages waren Bohren und der Club of Gore, die eine Mischung aus Ambient und Jazz im Gepäck hatten. Wie soll ich den Auftritt am Besten beschreiben? Man stelle sich einen Konzertsaal vor, in dem sich die Besucher reihenweise auf den Boden legen, um sich zu entspannen und den einzigartigen Klängen in passender Atmosphäre zu lauschen. Es hätten nur noch eine Zigarre und ein Glas Whiskey gefehlt. Sowas habe ich noch nie erlebt und es war wirklich einmalig! Der bochumer Mediengestalter Thomas Köner beendete den ersten Tag des Swingfests. Er konstruierte eine Mischung aus Ambientsounds und Dub- Techno und forderte das Publikum sowohl audiovisuell als auch körperlich. Der erste Tag war ein voller Erfolg und man konnte erahnen, dass die beiden nächsten Tage auch einiges zu bieten haben würden.
Den Samstag eröffnete Oliver Barrett aus London mit psychodelischen, mechanisch- melodischen Ambientsounds, die sein Soloprojekt Petrels zu einem wahren Abenteuer für die Ohren machten. Interessant war, dass sich das Publikum in mehreren Stuhlreihen vor die Bühne setzten. Das Denovali-Team bat die Besucher auch am nächsten Tag, sich mit den Stühlen im Hintergrund zu halten, weil es etwas störend war. Das kanadische Duo Nadja erfüllte den Raum mit einer einzigartigen Mischung aus Drone-Metal,Shoegazer und Elektrosounds, gepaart mit atmosphärischen Vocals und sanften Violinen Klängen. Als nächstes betrat das Contemporary Noise Sextet die Bühne und verwöhnte die Besucher mit rhythmischen Jazz Klängen, die zum swingen einluden. In der Pause trat Tom Morris, der Gitarrist und Sänger von Her Name is Calla, als Solokünstler auf der kleinen Bühne im Merchandisebereich auf und begeisterte die Besucher mit seiner Akustikgitarre und seiner wunderbaren Stimme. Er stimmte die Leute schonmal auf den Auftritt von Her Name is Calla am Sonntag ein Das Dale Cooper Quartett mit ihrem Ambient/Noise/Electonic- Jazz überzeugten mit klangvollen Balladen und machten Lust auf mehr. Anschließend erfüllten Ambient Klänge die Weststadthalle und diese kamen von dem amerikanischen Künstler Jefre Cantu-Ledesma aus San Francisco. Die würzburger Band Omega Massif rockte den Saal mit ihren Mountainmetal- Sounds und brachten das Publikum wieder zum harreschütteln und headbangen. Der zweite Tag des Festivals wurde vom Kilimanjaro Darkjazz Ensemble verabschiedet, die ihrem Namen alle Ehre machen- reinhören lohnt sich!
Am Sonntag, der leider der letzte Tag des Denovali Swingfests war, war die Zeit für Klassik gekommen und der Tag konnte mit einer kurzen Verspätung, für die sich das Team entschuldigte, beginnen. Drei Streicher und ein Klavier sind nötig, um einen ganzen Konzertsaal zum verstummen und lauschen zu bringen. Die Kompositionen von Les fragments de la nuit waren wunderschön und schafften eine tolle Atmosphäre. Sehr symphatisch fand ich, dass sie sich am Ende vorstellten und sich bei allen Helfern und beim Publikum bedankten. Anschließend wurde es laut, denn Kodiak betraten die Bühne. Der Saal wurde, auf Wunsch der Band, fast komplett abgedunkelt und schon dröhnte der harte Drone-Sound durch die Halle. Viele Besucher fragten beim Personal nach Ohropax, weil sie trotz der Lautstärke den beeindruckenden Auftritt nicht verpassen wollten. Leider waren beim Denovali-Team keine zu bekommen, aber weil an dem Tag verkaufsoffener Sonntag war, konnte sich jeder, der keine dabei hatte, in der Mall am Limbecker Platz welche besorgen. Der dritte Act des Tages waren die Briten von Her Name is Calla aus Leeds. Mit Klavier, Violine, Gitarren, Schlagzeug und nicht zuletzt dem einzigartigen Gesang von Tom Morris und Sophie Green, lieferten sie eine unvergessliche Show ab, die durch die tolle Beleuchtung, in Form eines Sternenhimmels, noch unterstrichen wurde. Der kanadische Künstler Tim Hecker aus Montreal brachte Ambient- und Emotronic Sounds zum Swingfest mit. Abgelöst wurde er von dem Düsseldorfer Act Hauschka (aka Volker Bertelmann), der mit experimentellen Klavierstücken begeisterte. Das Hidden Orchestra aus Edinburgh kombinierte in einzigartiger Form Klassiksounds, wie Violine oder Saxophon, mit Schlagzeug, E-Gitarre und Gesangs- und Spracheinlagen und dies macht das Ganze zu einer Mischung, die man so schnell nicht mehr vergisst. Sun O))) beendeten das diesjährige Denovali Swingfest. Die Amerikaner machen Doom-Metal und kombinieren ihn mit Drone-, Ambient-, Noise und Black-Metal Einflüssen.
Abschließend lässt sich nur noch sagen, dass sich das Team wirklich Mühe gegeben hat und die Location auch gut geeignet war. Das Lineup war gut gewählt und kombiniert und alles in allem war der Besuch des Festivals absolut lohnenswert. Der einzige Negativaspekt war, dass man vor Ort nichts zu essen bekommen hat und auf die Umliegenden Lokale zurückgreifen musste. Zum Glück war fußläufig vieles zu erreichen.

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