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Als Die Nerven Anfang 2010 im Raum Stuttgart gegründet wurden, war wohl kaum absehbar, dass der Band mal eine Art Pionierleistung zukommen werden würde.

Nun, ziemlich exakt 10 Jahre und etliche Hypes später, wird die These wohl auch von jenen nicht bestritten, die der Band skeptisch gegenüberstehen. Post Punk ist (auf eine irgendwie nervige Art und Weise) in aller Munde, und dass viele genretreue Bands unüberhörbare Ähnlichkeiten mit Die Nerven aufweisen, hat weniger damit zu tun, dass das Trio sich besonders häufig musikalisch irgendwo bedient hätte, sondern damit, dass sie in den engen Grenzen hallig-verzerrter Punkmusik tatsächlich neue Maßstäbe gesetzt haben, derer sich in der Folgezeit so manche/r bedient hat. Dass das Berliner Hipstertum irgendwann Post Punk für sich entdeckt hat, hängt vielleicht auch mit den Nerven zusammen.

Zuletzt ist das Album Fake erschienen, dass die Band variabler, aber auch gezähmter gezeigt hat als auf früheren Veröffentlichungen. Die Wut der Anfangsjahre ist gewichen, auf dem neuen Album sind Zeilen zu finden wie „Immer nur dagegen, aber gegen was?“, die sich auf weniges so gut beziehen lassen wie auf das Frühwerk der Die Nerven, wohl auch nicht ganz zufällig.

Nachdem die Band im vergangenen Jahr bereits auf ausgedehnter Tour war und sich die Mitglieder zwischendrin noch anderen Projekten widmeten, haben sie nun zum Jahres- bzw Jahrzehntabschluss noch eine kleine Tour absolviert, die sie letzte Woche auch ins Leipziger UT Connewitz führte.

Anfang dieser Woche haben sie sie dann sogar noch im Düsseldorfer Zakk gespielt, wo seit einigen Jahren im Dezember diverse Bands und Künstler_innen Alben präsentieren, die die deutsche bzw. deutschsprachige Musiklandschaft in den letzten 40 Jahren maßgeblich geprägt haben. Die Nerven sind gerade mal um die 30 und doch schon legendär, wenigstens ein bisschen.

Im UT beginnt die Band mit dem Song Niemals vom aktuellen Album, das eine nicht ganz unwesentliche Frage aufwirft, die viele Leute ihrer Generation wohl beschäftigen wird: „Wo gehst du hin, wenn du überall schon warst?“. Antworten sind natürlich nicht zu finden, aber das ist auch gut so. Schließlich sind Die Nerven kein Lebensratgeber, sondern eine Identifikationsfläche eigener unerwünschter Träume und Probleme. Mit Albtraum bringen sie den Saal kurz darauf förmlich zum explodieren, und ein Stück vom kommenden Album wird ebenfalls präsentiert.

Die Nerven | (c) Luca Glenzer

Wer Die Nerven schon ein mal live gesehen hat, weiß, dass man nicht nur hoch-energetische Musik präsentiert bekommt (wenngleich auch das).

Ganz wesentlich leben die Konzerte auch von der spielerischen Selbstinszenierung, die bisweilen schon fast Rockshowartig wirkt und damit das ‚Konzentrieren aufs Wesentliche‘, das mal essentiell für Punk und seine Epigonen war, negiert. Man weiß manchmal nicht so ganz, ob es witzig ist oder auch ein bisschen nervt (haha), wenn Drummer Kevin Kuhn wie ein hyperaktiver Sechstklässler seinem seltsamen Mienenspiel frönt, aber solange die Musik so unbedingt und auf den Punkt gespielt bleibt, kann man es ihm anderseits auch kaum verübeln.

Die Nerven | (c) Luca Glenzer

Gespielt werden Stücke von allen Alben, natürlich aber mit Schwerpunkt auf Stücken vom aktuellen Album Fake. Zwischendrin geben sie auch noch ihre überraschend gelungene Coverversion von Gigi d’Agostinos I’ll fly with you zum besten, die ihre Affinität zu etwas verschrobenen Coversongs unterstreicht (Sommerzeit Traurigkeit aus dem Jahr 2012 wäre ein anderes Beispiel) und allemal spannender ist als just another Sonic Youth-Cover.

Nach gut eineinhalb Stunden, einigen Pogo- und Moshpit-Einlagen, dem Abschlusssong Eine Minute schweben sowie schließlich Kevins allein vorgetragener Performance von We are the Champions wird das Publikum dann der kalten Leipziger Nacht überlassen. Seltsam und wahnsinnig gut, diese Band.

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