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Frühling also. Bunte Variationen von Eiskugeln trollen sich durch die Fußgängerzone, genüssliches Sonnenaalen auf jeder Kleinstgrünfläche. Doch der Schein täuscht. Drohendes Unheil hängt über Leipzig.

Die UT Connewitz und Swansea Constellations laden vom 8. bis zum 11. April zum 5. Stelldichein der internationalen Experimental/ Doom Metal-Szene. Trotz aller Gastfreundschaft ist es für Nicht-Leipziger kein Leichtes, den Weg in den Untergrund des Untergrunds zu finden: Vorankündigungen kommen nur schleppend, das Programm, leider ohne Running Order, ist erst einen Tag vorher auf der Homepage verfügbar, eine Bettenbörse gibt es nicht. Doch bevor das Gemäkel in Haarspaltereien endet: Ist es den Aufwand wert? Ein Ja wäre untertrieben.

Da wäre zunächst die UT Connetwitz. Das ehemalige Lichtspieltheater, das zu den ältesten Deutschlands gehört, ist wohl die beste Kulisse, die man sich für vier Abende in tiefster akustischer Finsternis vorstellen kann. Eine hohe Stahlbetonkuppel, deren Putz und Wandfarbe sich nach einem knappen Jahrhundert leise verflüchtigt, spannt sich über weitläufige Zuschauerränge und eine große Bühne mit schwerem Samtvorhang, die dem Vorbau eines antiken Theaters nachempfunden ist. Kurz: Wir befinden uns im jüngsten Gericht, auf dessen Bühne um nichts Geringeres verhandelt wird als um unsere Seele.

Die Geschworenen: 15 Bands und eine Handvoll Künstler_innen und Djs. Tagsüber sind in der nahe gelegenen Galerie KUB Artworks und Dokumentationen zu sehen, die Einblick in den schöpferischen Kosmos des Metal geben, der weit über das Musikalische hinausgeht und, beispielsweise im Silkscreen Printworkshop, selbst erfahren werden kann.

Ab 19 Uhr versammeln sich jugendliche Doom-Jünger, ergraute Metalmähnen und das eine oder andere vereinzelte Blümchenkleid mit ritueller Feierlichkeit und huldigen gleichermaßen etablierten Genregrößen wie Amenra und Russian Circles sowie Exoten und Newcomern wie den „Green Metal“-Pionieren Botanist oder den skurillen Horror-Punkern Acid Witch.

Neben Ersteren, die wie erhofft ein atemberaubendes Set hinlegen, das die Anwesenden in ein einziges, sich entrückt wiegendes Ganzes verwandelt, halten sich auch andere, überraschendere Höhepunkte im Doom Over-Line Up verborgen. Eine unüberbotene Bühnenpräsenz und an Manie grenzende Leidenschaft legen Eagle Twin an den Tag, dessen Drummer schon einmal spontan die Hi-Hat als Stick-Ersatz entdeckt. Bis ins Mark trifft der von Violin-Melodien getragene Sludge von SubRosa, ebenso wie der wuchtige Psychedelic-Hardcore des Chicagoer Sextetts Minsk.

Sicher ist, dass unsere Seele in guten Händen bleibt und die Mehrheit des Publikums des ehemalige Luftschutzbunker nach der apokalyptischen Messe wie neu geboren verlässt. Unsicher bleibt, wie viele Gäste der vom Institut für Müll organisierten Punk-Konkurenzveranstaltung „Dumm Over Leipzig I“ am Samstag Abend beigewohnt haben.

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