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Am Montag, den 4. Juni, waren Future Islands in Wiesbaden zu Gast.


Seit vier Monaten sind sie nun auf Tour, um ihr im Jahr 2017 erschienenes Album „The Far Field“ auf die Bühne zu bringen. Das Konzert im Schlachthof Wiesbaden war neben Berlin der einzige Termin der Band in Deutschland. Mit dabei hatten sie Kat Frankie, die samt Begleitband als Vorprogramm den Abend eröffnete.

Die in Berlin lebende Australierin Kat Frankie spielte ein etwa halbstündiges Set. Vielleicht ist Frankie bekannter für ihre etwas experimentelleren Solo-Performances, in denen sie sich mit live eingespielten Loops selbst begleitet. Stattdessen hatte sie eine vierköpfige Combo aus Drums, Bass, Gitarre und Synths dabei, deren Funktion sich das gesamte Set übergreifend auf eine rein begleitende beschränkte. Im Fokus sollte deutlich Kat Frankies Gesang stehen, was sich etwa dadurch zu erkennen gibt, dass es kaum rein instrumentale Passagen zu hören gab. Diese vermisst man bei der Sängerin aber überhaupt nicht, da sie an Ausdrucksvielfalt und einem breiten Repertoire an Gesangstechniken den Zuhörenden genug zu bieten hat. In einzelnen Passagen hat sie auch mit Loops gearbeitet oder ihre Stimme um eine Oktave herunter gepitcht, was zu einer interessanten Klangcharakteristik führte. Somit ist das Konzert vielleicht als eine Mischform zu sehen – aus jenem bisherigen, mitunter experimentellen Ansatz als Solo-Performerin und dem generell in eine poppigere Richtung weisenden neuen Album.
Nach einer kurzen Umbaupause ließ eine Einspielmusik erahnen, dass es wohl bald mit Future Islands weitergeht, und sehr schnell merkte man, dass es in den vorderen Reihen dichter wurde. Die grundsätzlich gut besuchte, aber vom Ausverkauf noch deutlich entfernte Halle war bei Kat Frankie vom Publikum noch etwas gleichmäßiger befüllt. Auf das Betreten der Bühne folgte eine freundliche Ansage und anschließend eine Zusammenstellung an Hits (Future Islands haben eigentlich nur Hits), die sich aus Material von allen bisherigen Alben speiste. Nachträglich fällt es mir schwer zu beurteilen, ob das jüngste Album dabei besonders gewichtet wurde. Die Spielzeit von einer Stunde und 45 Minuten ist heute nicht mehr selbstverständlich, weshalb sich das Publikum sehr über die Zugaben freute. Über die gesamte Spanne gab es keine zähen Momente, was zum einen an der grundsätzlich sehr tanzbaren Musik, zum anderen an der gleichzeitig unterhaltsamen, ergreifenden und packenden Performance des Sängers Samuel Herring liegt.

Stilistisch lassen sich Future Islands als ein moderner Synth-Pop-Entwurf bezeichnen. Das instrumentale Lineup aus Drums, Bass und Synths erinnert etwa an (proto)typische Vertreter der frühen 80er Jahre wie OMD oder Gary Numan. Dem hier jedoch tendenziell unterkühlten Gestus steht die Erscheinung und der Gesang Samuel Herrings gegenüber, der sich als eine Kreuzung aus Otis Redding und Henry Rollins beschreiben ließe. In dem hoch emotionalen, an Soul der 1960er Jahre erinnernden Ausdruck wird dem Schönklang der Stimme die Intensität der Performance übergeordnet, woraus sich eine charakteristische raue Note ergibt, die Stimme stellenweise bricht und am Ende heiser klingt. Ein weiteres typisches Elemente ist Herrings Growling – ein von ganz tief unten kommendes Fauchen, das er auf Platte sparsam (etwa in „Fall From Grace“, 2:47 min), live dann aber mindestens einmal pro Song einsetzt, wodurch es sich leider ein wenig verbraucht. Seine Performance ist überaus packend, was nicht zuletzt daran liegt, dass er nicht müde wird, jede einzelne Zeile mit der passenden Geste vorzutragen. Um zu betonen, dass seine Aussage von ganz tief im Inneren kommt und ihre eine gewisse Überzeugung zu verleihen, klopft er sich außerdem gerne auf die Brust, und zwar so fest, dass es sehr deutlich übers Mikrofon als lauter Knall übertragen wird. Dabei rennt er im vorderen Bühnenbereich von links nach rechts, macht seine – spätestens seit dem Auftritt im Jahr 2014 bei David Letterman – bekannten Tanz-Schritte und weiß genau, dass er mit einem kurzen, extravaganten Arsch-Wackeln ein Aufjubeln der gesamten Halle ernten darf. Hier gelten also auch Rolling-Stones-Gesetze, was jedoch durch Herrings Erscheinung stets mit einem ironischen Augenzwinkern versehen ist. Ob man ihm schließlich seinen ergriffenen, tränennahen Blick ins Publikum nach dem Jubel zu „Seasons (Waiting On You)“ wirklich abkauft, liegt im Ermessen des Betrachters. Allerdings ist es ihm bei dieser erstaunlichen Tour-Intensität (mit dem Album „Singles“ waren sie 22 Monate auf Tour) nicht zu verübeln, wenn mit ein paar Tricks und einem gefestigten Vokabular eine gewisse Authentizität performt wird.

Das Konzert an einem Montagabend im Sommer hat große Freude bereitet, und meine Betrachtung des Publikums lässt nicht an einem Konsens zweifeln. Future Islands sind nach wie vor eine großartige Live-Band, die alles gibt, und damit als bester Beweis dafür stehen, dass sich Konzertbesuche lohnen.

Titelbild: (c) Jana Jarzembowski

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