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Um 20 Uhr betritt ein junger Mann die Bühne. Schwarzes T-Shirt, schlichte Kleidung. Von Applaus begleitet, setzt er sich an das Klavier, das angeleuchtet in der Mitte steht. Die ersten Töne erklingen, das Gloria verstummt, die Gespräche werden, außer im hinteren Bereich, eingestellt.

Jungstötter, so der Künstlername des jungen Mannes, erzeugt mit wenig Mitteln, eine leichte Schwere, die den Raum füllt. Die Nebelmaschine bläst unablässig. Im Lichtkegel des Scheinwerfers zeichnen sich schwarze und weiße Wolken ab, die den Musiker umhüllen.

Ein schlichtes, aber bedrohlich wirkendes Ambiente, das die Melancholie der Klänge und der Stimme trägt. Sanft gleiten die Finger über die Tasten, verletzlich und gefühlvoll ertönt der Gesang. Jungstötter beweist, dass es nicht viel braucht, um zu berühren. Im Gegenteil, es ist gerade das Minimalistische, dass das Publikum in den Strudel eines modernen schwarz-weiß Films zieht und ihn intensiv miterleben lässt.

Jungstötter | (c) Paul Schall

So bewegend und großartig der Einstieg in diesen Abend auch war, es war eben nur, und das ist keinesfalls abwertend gemeint, der Anfang. Denn nach der Pause folgte der Höhepunkt und der Schluss – heute in Form von Soap & Skin zusammen mit einem Mini-Orchester bestehend aus sieben fantastischen Musikerinnen und Musikern.

Violine, Viola, Cello, Kontrabass, Posaune, Trompete und Percussion, um nur einige der zum Einsatz gebrachten Instrumente aufzuzählen.

Die Erwartungen an die Hauptakteure konnte man schon vor dem Betreten der Bühne spüren. Immer wieder klatschen und jubeln einzelne Personen im Publikum als könnten sie damit einen früheren Beginn bewirken. Vielleicht ist es aber auch die Sehnsucht nach der begnadeten Musikerin gewesen.

Soap & Skin | (c) Paul Schall

Dann ist es so weit. Die Musiker*innen des Hauptteils nehmen ihre Plätze ein. Erste Klänge, This Day. Die Bühne erstrahlt in einem tiefem Blau. Mindestens genauso oft wie das Licht, wechselt ein Teil der Musiker*innen ihre Instrumente im Laufe des Konzerts. Auch die Sängerin, die mit bürgerlichem Namen Anja Franziska Plaschg heißt, wechselt regelmäßig ihre Position. Mal singt sie nur, mal bewegt sie dazu virtuos ihre Finger über die Tasten des Klaviers. Auch hier hüllt die Nebelmaschine die Bühne ein und erzeugt im Gleichschritt mit der Musik mal eine kühlende Wärme und mal eine wärmende Kälte. So wirklich entscheiden kann man sich nicht, es überkommt einen einfach und ja, es fühlt sich gut an.

Lieder wie das Desireless-Cover von Voyage Voyage, Wonder, Vater, Surrounded oder Italy erzeugen Gänsehaut und beweisen das Können und die Liebe und überhaupt alles, was in dieser Musik steckt.

Es gibt Momente an diesem Abend, da steht die Sängerin tanzend und man könnte meinen dirigierend mit dem Rücken zum Publikum und betrachtet die Band und wirkt dabei so, als sei sie von dieser Schönheit selbst ergriffen.

Am Ende steht auch Soap & Skin alleine in einem Lichtkegel. Jede Bewegung, jeder Ton sitzt und Liebe für Musik kann an diesem Abend nur genau so aussehen. Mit What A Wonderful World verabschiedet sich Soap & Skin in die Nacht. Eine Nacht, in der die Klänge des Abends noch lange nachhallen werden.

Titelbild: Soap & Skin | (c) Paul Schall

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