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Im Rahmen ihrer von Pretty in Noise präsentierten Europatournee machten Generation Of Vipers auch zum letzten Konzert in Deutschland in unserem geliebten Waldmeister halt. Ob der Laden dem gewaltigen Druck des Sounds der Band standhalten konnte oder ob Solingen-Wald nun ein Ground Zero vorzuweisen habt, das erfahrt ihr hier.

Den Anfang des Konzertabends machen Blank aus Solingen. Blank bestehen aus den Überresten von Forced To Decay, The Crane und anderen. Stilistisch einzuordnen ist das irgendwo im ach so hippen crustigen Hardcore. Leider wirkte der Sound sehr beliebig, wie schon tausendmal gehört. Neue Ideen suchte man vergeblich und in den Hardcore Clubs dieser Welt werden sicher am selben Abend Dutzende Bands ein sehr ähnliches Set hingelegt haben. Zu allem Überfluss war dieser 08/15 Sound auch noch viel zu getragen dargeboten. Kein Wumms, nichts was einen irgendwie kickte. Wenn man eine gewisse Langsamkeit bewusst als Stilmittel einsetzt, dann kann das auch wie eine soundgewordene Dampfwalze wirken, aber bei Blank wirkte das äußerst mau, einfach wie schlecht geschlafen und vom Mittagsschläfchen noch müde auf die Bühne geschleppt. Das war nix.

Severe aus Belgien machten ihren Job dagegen schon deutlich besser. Deren Sound ist auch nichts, womit man irgendwann mal einen Innovationspreis gewinnen wird, aber er macht Spaß. Punk und Black Metal sind hier die Stichworte, die am ehesten den Stil der Band beschreiben. Der kleine Mann am Gesang grunzt tief immer die gleichen Töne vor sich hin, der Schlagzeuger wäre, ohne seinen Stil verändern zu müssen, locker auch in einer oldschooligen Punkband einsetzbar und der Gitarrist schrubbt seine Riffs mit einem Affenzahn runter. Wenn Animal von den Muppets Stromgitarre spielen würde, er würde vermutlich so klingen und auch so abgehen wie Severes Gitarrist. Das Set war dann auch nicht zu lange, so daß man das gut aushalten konnte und irgendwie doch viel Spaß hatte. Solche Bands sind die optimalen Supports. Machen Spaß, aber stehlen dem Hauptact nicht die Show. Auf Platte bräuchte man sowas aber sicher nicht.

Wie im Waldmeister so üblich ging es dann auch gleich ohne lange Umbaupausen weiter. Generation Of Vipers schnappten sich die Instrumente und ohne einen Ton gespielt zu haben, war man auch gleich überrascht. Nur drei Leute auf der Bühne? Der breitwandige Sound ihres gerade in Europa veröffentlichten Albums Howl and Filth ließe doch eher vermuten, daß neben Bass/Gitarre/Drums wenigstens noch eine zweite Gitarre für so etwas von Nöten wäre. Apropos Howl and Filth: Die beteiligten Labels geben auch einen guten Eindruck, wie der Sound wohl klingen mag. Erstveröffentlichung in den Staaten via Translation Loss (Rosetta) und VÖ in Europa via Golden Antenna (Tephra). Dazu sei noch erwähnt, daß alle Bandmitglieder noch in diversen Neurot Recordings Bands mitspielen (US X, A Storm Of Light, etc.)

Die Überraschung vor dem Set wich dementsprechend auch sofort dem Zweifel, ob die Drei das Versprechen, welches sie mit ihrem Album abgeliefert haben, auch live halten würden. Gleich die ersten Takte räumten aber sofort alle Zweifel aus. So einen fetten und druckvollen Sound schaffen die meisten Bands des Genres nicht mit 5 Leuten auf der Bühne. Da saß alles perfekt, die Jungs hatten trotz der harten einmonatigen Europa-Tour noch jede Menge Spielfreude und die Songs des Albums kamen live sogar noch einen Zacken epischer rüber als auf Platte. Ein klitzekleiner Kritikpunkt am Rande wäre vielleicht, daß bei den spacigeren Gitarrenparts schon ein zweiter Gitarrist Sinn machen würde, der weiter die dusteren Riffs spielt. Nur mit Bass begleitet, wirkt das zwischendrin mal ein wenig lau. Aber das sind wirklich nur Feinheiten, die den meisten Zuschauern gar nicht aufgefallen sein dürften, zumal das, wie gesagt, nur kurze Zwischenparts betraf.

Insgesamt ein richtig geiles Set und laut Aussage des unglaublich sympathischen Sängers/Gitarristen ist im nächsten Jahr wieder mit einer Europa-Tour zu rechnen. Da kann man sich schon drauf freuen. Übrigens, die Wände haben gewackelt, aber das Waldi hat knapp überlebt.

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