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Es hatte ein wenig Verwirrung geherrscht im Vorfeld dieses Abends. Nicht nur, dass mit Ankündigung eines Zusatzkonzertes mit Gloria aus einem Termin plötzlich zwei geworden waren; dazu kam noch, dass man in diesem Zusammenhang den Ort der ersten Show dem der zweiten angepasst hatte. Das Gruenspan fiel somit als Location weg und wurde durch das Uebel und Gefährlich in der Feldstraße ersetzt.


Scheinbar waren jedoch alle Änderungen rechtzeitig zu allen Besuchern vorgedrungen: Schon lange vor Konzertbeginn bildete sich eine lange Schlange vor dem Eingang des sogenannten Medienbunkers, in dessen Obergeschoss das Konzert stattfand. Mit überraschender Pünktlichkeit begann dort dann Ben Galliers. Unterstützt wurde er von seinem Bandmitglied Felix Hoffmann; dies sei jedoch nur die Hälfte der Band, wie er mit einem Zwinkern erklärte. Da nur noch zwei Plätze im Tourbus frei gewesen seien, hatte man knallhart aussortieren müssen. Als Zeichen der Solidarität hatte man aber natürlich Bilder der fehlenden Bandmitglieder vorbereitet: Von Gitarrist Christian Hartung gab es ein edles Portraitfoto in glänzendem Bilderrahmen, von Drummer Jonas Böker zumindest eine Filzstift-Skizze.

Der in Hamburg lebende Brite wusste bei seinem Heimspiel allerdings nicht nur als Comedian, sondern auch als Musiker zu überzeugen. Seine Setlist war eine bunte Mischung aus älterem Material und Songs des aktuellen Longplayers „Calm Seas Don’t Make Good Sailors“; die Lieder selbst ließen sich in typischer Singer-Songwriter-Manier größtenteils ins Pop-Genre einordnen. Eine eigene Note verlieh Ben Galliers seiner Musik vor allem jedoch mit seiner Loop-Maschine, auf der er Drum-Samples, Gesangspassagen und später sogar das Publikum live aufnahm und abspielte.

Auch bei Gloria standen anschließend zwei Akteure im Mittelpunkt: der durch diverse TV-Formate bekannt gewordene Klaas Heufer-Umlauf sowie Mark Tavassol, seines Zeichens Bassist von Wir Sind Helden. Der Unterschied zwischen den beiden und dem Support-Act machte sich jedoch schon allein dadurch bemerkbar, dass sie scheinbar größeren Einfluss auf die Sitzverteilung im Tourbus gehabt hatten – anstatt zu zweit spielten Gloria nämlich zu fünft und stellten somit eine vollständige Band dar.

Gloria

Doch auch im Sound gab es deutliche Differenzen, so klang das Quintett von Beginn an deutlich rockiger. Zur Einstimmung gab es eine erwartungsgemäß hohe Anzahl an Stücken vom aktuellen Album „Geister“, je länger der Abend jedoch andauerte, desto älter wurden auch die Songs. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis „Warten“ und „Eigenes Berlin“ kamen, mit denen das Projekt Gloria vor gut zwei Jahren begonnen hatte. Bühnenpremiere hatten die Männer übrigens damals beim Reeperbahn Festival in Hamburg gefeiert, wie Klaas als wortführender Protagonist anmerkte – sie waren damit ja nicht die einzigen, für die der heutige Abend ein Fast-Heimspiel war.

Nach dem ersten Bühnenabgang und dem nahezu obligatorischen Wiederauftritt spielten die Männer noch drei weitere Stücke. Insbesondere das abschließende „Wie sehr wir leuchten“, das im vergangen Jahr als Single-Auskopplung veröffentlicht worden war, wurde vom Publikum äußerst positiv aufgenommen. Möglicherweise lag dies auch an Klaas‘ Anekdote über den Arbeitstitel „Mein allerbester Freund“, der im letzten Moment doch noch abgeändert wurde.

Gloria

Nach dem erneuten Abgang war es allerdings immer noch nicht vorbei. „Kommen sie nochmal auf die Bühne?“, hörte man von irgendwo eine junge Frauenstimme rufen, die Antwort verblasste jedoch bereits in lautem Jubel – klar, einen Song gab es noch. Und passender hätten Gloria den letzten Titel natürlich nicht wählen können: „Gute Nacht, bis morgen“ stimmte zum einen auf das Zusatzkonzert ein, sorgte zum anderen aber auch für die wahrscheinlich emotionalsten Momente an diesem Abend – ein gelungener Abschluss einer durchweg makellosen Show.



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