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Jesse Barnett wischt sich den Schweiß aus dem Gesicht, heute hat er einen besonders vollen Arbeitstag hinter sich.

Gleich dreimal tritt der Stick To Your Guns-Sänger auf der Münchner Ausgabe des Impericon Festivals auf. Sein Nebenprojekt Trade Wind, ein Solo-Akustik-Set, das Finale mit seiner Hauptband – Barnett sorgt für Abwechslung. Das tut dem Indoor-Festival gut: Nach dem harten Pop-Punk von City Kids Feel The Beat und Storyteller am frühen Nachmittag wird ansonsten nämlich vor allem gebolzt.

Trade Wind
Trade Wind | (c) Florian Pichlmaier

Bei Counterparts funktioniert das bestens. Die Kanadier knüppeln sich in ihrem 35-Minuten-Set von Moshpit zu Moshpit, dem Publikum gönnen sie keine Verschnaufpause. Genau wie Deez Nuts: Die Australier feiern den elften Geburtstag von Stay True und spielen zur Freude der Fans nur Songs des Debütalbums. Sänger JJ ist dabei so ein cooler Hund, dass er auf der Bühne glatt eine Winterjacke braucht. Nasty wühlen sich nicht weniger eindrucksvoll durch ihre Songs, die belgische Hardcore-Institution muss allerdings mit der kleineren Bühne in der „Halle“ vorliebnehmen. Die fasst nur ein Drittel der Leute, die vor der großen Bühne im „Werk“ Platz haben. Entsprechend eng ist es deswegen vor der Nebenbühne – und manche haben das Nachsehen: Wer am Nachmittag Get The Shot sehen will, muss schnell sein, irgendwann lassen die Türsteher niemanden mehr rein. Die „Halle“ platzt auch bei der Akustik-Performance von Joel Quartuccio und Michael McGough aus allen Nähten. Für die beiden Being As An Ocean-Musiker sind solche Auftritte zumindest vor vielen Leuten etwas Neues, sagen sie selbst. Zum Glück springen die Fans ein und singen kräftig mit.

Als Being As An Ocean danach im „Werk“ in voller Besetzung spielen, liefern sie den wahrscheinlich rundesten Auftritt des Tages. Nach einigen Songs stürzt sich Quartuccio mit dem Mikrofon in der Menge – und schreit einfach von dort weiter. Erst zum letzten Song steht er wieder auf der Bühne, danach machen die Kalifornier Platz für Callejon.



Sänger Bastian Sobtzick steht im Rammstein-Chic auf einem Podest und intoniert den „German Metalcore“ seiner Band mit großer Geste. Dass die Hymne Kind im Nebel mehr nach Revolverheld klingt als Revolverheld selbst – geschenkt. Schließlich stimmt die Haltung der Band: Beim Die Ärzte-Cover Schrei nach Liebe sind sich alle einig.

Mehr Zuspruch gibt es am Ende nur für Stick To Your Guns. Barnett und Co. reißen in einer knappen Stunde alles ein, das Publikum packt nach neun Stunden Impericon Festival die letzten Reserven an und feiert mit der Band eine einzige Party.

Stick To Your Guns
Stick To Your Guns | (c) Florian Pichlmaier

Stick To Your Guns liefern dafür ein Set mit allen Hits und ohne Verschnaufpausen – dem Gebolze des restlichen Tages stehen sie in nichts nach. Barnett konnte schließlich schon genügend ruhigere „Saiten“ anschlagen: Der zurückhaltende Indie-Rock von Trade Wind sagt am Nachmittag nicht allen Fans seiner Hauptband zu, Fans von Thrice oder Sparta dürften aber am neuen Album Certain Freedoms Gefallen finden. Und auch bei Barnetts Akustik-Set ist die Stimmung eher besinnlich, bis er ein Take on me-Cover zum Besten gibt und die Gesangskünste des Publikums ihn zur Verzweiflung bringen. Zum Abschluss lässt er es mit STYG also lieber noch mal scheppern. Soll ja am Ende keiner sagen können, dass eine andere Band dem Headliner die Show gestohlen hat.

Titelbild: Being As An Ocean | (c) Florian Pichlmaier

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