Die Zeitstrafe Label-Tour „Kein Grund zum Feiern“ macht anlässlich des 15. Geburtstags Halt im Gebäude 9 in Köln.

Tourtag Nummer Fünf ist das schon. Captain Planet, Matula, Deutsche Laichen und Special Guest Rauchen laden zum Tanz und, welch Wunder, das Gebäude 9 ist ausverkauft.

Da tut man alles dafür, sich nicht zu freuen und dann entwickelt sich ein perfekter Abend und vermutlich auch eine perfekte Tour. Das hat Zeitstrafe nicht verdient. Sogar das Wetter spielt für Mitte Oktober mit. Sonnenschein am Tage und sehr angenehme Temperaturen am Abend. So lässt es sich feiern.

Musikalisch begeistern in Köln als erste Band Rauchen aus Hamburg. Die sympathische Hardcore-Powerviolence-Punk Band präsentiert ein (fast zu) lautes Konzert. Das Trommelfell pocht, kurz vor dem Eintreten von Gleichgewichtsstörungen. Alles gegeben würde ich sagen. Ein extrem gutes 15-20 Minuten Set. Voller Wut, voller Ekstase, voller Hass und Leidenschaft. Das Gebäude 9 ist für diese Uhrzeit und die erste Band schon sehr gut gefüllt und verschafft den Hamburger*innen das bislang größte Konzert in ihrem Dasein. Nach Rauchen kommt die erste Pause um sich dem Rauchen zu widmen. Musik in meinen Ohren.

Rauchen

Rauchen | (c) Paul Schall

Als nächstes betreten Deutsche Laichen die Bühne. Die Göttinger*innen spielen großartigen Punkrock. Feminismus wie er gebraucht wird. Bass wird von zwei Menschen abwechselnd gespielt. Habe ich so auch noch nie gesehen. Das erste Lied, kurze Vorstellung „Deutschland ist Scheiße und wir sind Deutsche Laichen“. Danach folgen Lieder für die Selbstbestimmung der Frau „My Cunt My Business“, gegen Bullen, über Menstruation und diverse andere wichtige Themen. Phasenweise dreistimmiger Gesang, der Schlagzeuger weiß nicht wohin mit seinen Grimassen und Grüße an das räumungsbedrohte AZ Köln. Geburtstagsglückwünsche an Renke und das Zeitstrafe-Label dürfen ebenso wie bei Rauchen vorher nicht fehlen.

Deutsche Laichen

Deutsche Laichen | (c) Paul Schall

Wer bei den ersten beiden Bands schon dachte, dass das Gebäude 9 gut gefüllt ist, merkt bei Matula, dass da noch Platz für einige Menschen mehr ist. Sie scheinen die Helden des Abends zu sein. Wo man hinschaut überall schmachtende und glückliche Zuschauer*innen; exzessives Mitsingen inklusive. Man gönnt sich ja sonst nichts. Sämtliche Lieder mit, aber auch ohne Hit-Potential werden zum Besten gegeben. Der Masse gefällt es, auch die Lieder der dieses Jahr erschienen Platte Schwere.

Matula

Matula | (c) Paul Schall

Last but not least: Das grande finale mit Captain Planet. Definitiv die meisten Hände in der Luft aber spürbar weniger los als bei Matula. Hätte ich so nicht gedacht. Am Engagement der Band auf der Bühne liegt es nicht. Captain Planet geben alles. 15 Jahre Captain Planet. Was für eine Geschichte. Ein neues Lied Risse wird auch präsentiert. Kommt genau wie alles andere an diesem Abend gut an. Der Rest ist einfach nur schön. Ein nahezu perfekter Abend, auch wenn es keiner so wollte. 15 Jahre Zeitstrafe. Mehr als ein Grund zu feiern. Danke an dieser Stelle auch von mir für 15 Jahre DIY-Attitüde wie sie im Buche steht. Punkrock ohne Zeitstrafe? Es würde etwas fehlen.

Titelbild: (c) Paul Schall

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