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Immer wenn Kurt Wagner mit seiner Band Lambchop in den letzten Jahren durch Deutschland tourte, standen die Fans Schlange und sorgten für volle Veranstaltungshallen.

Speziell in Deutschland haben Lambchop sehr viele Fans, gerade auch wegen ihrer unnachahmlichen und eindringlichen Liveauftritte.

Das dies am Samstag in der Centralstation in Darmstadt nicht der Fall war, lag keineswegs am Veranstaltungsort sondern eher an der musikalischen Wandlung, die Lambchop auf den letzten beiden Alben Flotus und This (is what I wanted to tell you) vollzogen hat. Die einzige Konstante in der Musik von Lambchop ist die ruhige, rauchige und tiefe Stimme von Kurt Wagner, die den immer sehr entspannten Sound der Band prägt.

Nicht jeder Lambchop-Purist hat den musikalischen Wechsel vom getragenen Country-Songwriter-Folk zum vokoder-dominierten Elektro-Folk als Weiterentwicklung der Band verstanden.

Dementsprechend unterschiedlich fielen auch die Bewertungen der zwei Alben durch Kritiker und Publikum aus. Während die Kritiker die Alben durchgängig in höchsten Tönen als zukunftsweisend lobten, waren die Publikums-Stimmen deutlich zurückhaltender bis abweisend.

Im Zuge der letzten Tour war vereinzelt von Zuschauerrückgängen die Rede. Die diesjährige Tour wird das leider bestätigen. In der Centralstation hatten sich lediglich ca. 100 BesucherInnen eingefunden, um der über jeden musikalischen Zweifel erhabenen Band um Mastermind Kurt Wagner zu lauschen. Deutlich zu  wenig angesichts der großartigen Darbietung und der angenehm familiären Atmosphäre.

Supportet wurde der Abend von Ensemble-Mitglied Andy Stack, der Lambchop seit 2017 an Saxophon, Drums und Keyboards verstärkt, und als Joyero das ca. 40 minütige Vorprogramm bestritt. Elektro-Folk im besten Sinne mit zurückhaltend leisen bis jammernd sehnsuchtsvoll vorgetragenen Gesangsteilen. Stack ist in den USA als Teil des Duos Wye Oak bekannt und wandelt hier neben seinem Mitwirken bei Lambchop erstmals auf Europas Bühnen auf Solo-Pfaden. 

Ohne Umschweife und komplett geerdet erklimmen nach kurzer Pause Kurt Wagner mit dem Rest der Band die Bühne.

Wagner winkt ins Publikum, stimmt seine Gitarre und dann eine kurze Ansage: „It’s the music we’re here for.“ Damit ist alles gesagt. Es geht hier um die Musik und weitere Ansagen – bis auf die obligatorische Vorstellung der einzelnen Bandmitglieder vor dem letzten Song Flower im regulären Programm – wird es auch nicht mehr geben.

Mit The Air Is Heavy and I Should Be Listening to You beginnt die knapp einstündige Show, in der ausschließlich die Songs des neuen Albums This (is what I wanted to tell you) vorgetragen werden. Wie nicht anders zu erwarten präsentiert Wagner mit seiner Band präzise und mit sichtlichem Vergnügen die Tracklist des Albums. In der Studioaufnahme hatten die Songs seine Stimme als Hauptinstrument im Fokus. Also hat er seine Stimme gesampled, reprocessed, verstellt, Beats daraus gebastelt, Prozessoren, Filter und Sequenzer genutzt. Live werden die Songs zwar auch mit Vokoder vorgetragen aber durch die direkte Begleitung der Live-Band wirken diese frischer und wärmer als in der Albumversion und man hört viel deutlicher den Lambchop-Sound heraus.  

In der ca. 40 minütigen Zugabe präsentiert die Band zwei Songs aus Flotus (The Hustle und In Care Of 8675309) sowie – in elektrischem Neuarrangement – Gone Tomorrow aus Mr. M und zum Abschluss des wunderbaren Abends den frisch-poppigen Song Up with People aus dem 2000er Nixon-Album. Lambchop ist auch in neuem musikalischen Gewand Entertainment der Spitzenklasse.  

Titelbild: Lambchop | (c) Richard Kilian

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