Die Visions lädt wie jeden ersten Freitag im Monat zur Party im Dortmunder FZW ein. Teil der Party ist dabei die aktuelle Tour der Münsteraner von Long Distance Calling. Die Band hat in den letzten Jahren einen rasanten Aufstieg hingelegt und ist auch durch zahlreiche Festivalauftritte schon lange kein Geheimtipp mehr. Dementsprechend ist es natürlich keine Überraschung, dass für das Konzert im kleineren Raum des FZW bereits im Vorverkauf alle Karten vergriffen sind.

Zu Beginn ist es noch recht leer und man bekommt ein wenig das Gefühl, dass sich niemand wirklich für die erste Vorband Wolves Like Us aus Norwegen interessiert, doch bei den ersten Takten der Musik füllt sich der Raum innerhalb weniger Sekunden. Der Sound der Band lässt sich irgendwo in Post-Hardcore Gefilden einordnen und sorgt an diesem Abend für eine willkommene Abwechslung zu den beiden anderen Bands. Wer jetzt aber an übertriebene Breakdows und Pop Punk Einflüsse denkt, ist auf dem völlig falschen Dampfen. Hier dominiert gutes Gitarrenspiel. Die Riffs sind wirklich gut durchdachte und keinesfalls auf 08/15- Niveau. Auch ein kleineres Problem mit einer Gitarre bringt die Band nicht aus dem Konzept. Diese wird kurzerhand ausgetauscht. Ein separater Sänger ist nicht vorhanden. Diesen Job übernehmen die beiden Gitarristen, wobei sich einer als der Hauptsänger herauskristallisiert. Dessen Stimme erinnert an eine kratzigere Version von Thrice Sänger Dustin Kensrue. In den Songpausen besticht der Sänger darüber hinaus mit sympatischen Ansagen. Das Set der Band dauert knapp 30 Minuten und hätte auch durchaus noch 1-2 Songs mehr verdient. Zu den besonderen Highlights zählt dabei der Song „Deathless“. Wer jetzt Lust darauf bekommen hat Wolves Like Us auch einmal live zu erleben, kann dies bereits im April verwirklichen, wenn die Band mit I Am Heresy auf eine weitere Europa Tour geht.

Nach einer angenehm kurzen Umbaupause stehen Junius aus Boston auf der Bühne. Die Band versteht es gut, ruhige, melodische Parts mit harten Gitarrenriffs zu verbinden, die einem die Ohren ordentlich durchpusten. Der Raum hat sich mittlerweile bis auf den letzten Platz gefüllt und für eine beachtliche Anzahl dürfen Junius der Hauptgrund für das Erscheinen sein. Leider kommt es beim dritten Song zu einem kompletten Stromausfall, dessen Behebung einige Minuten in Anspruch nimmt. Die Band lässt sich davon aber nicht beirren und spielt ihr Set routiniert weiter. Unglaubliche schöne Melodien reihen sich weiter aneinander. Die immer wieder vorhandenen Ausbrüche zeigen, dass sich die Band nicht dem aktuellen Trend beugt, nur noch ruhige Songs zu schreiben. Ein kleiner Kritikpunkt ist der Hall beim Gesang, der etwas übertrieben ist. Hier wäre weniger mehr gewesen. Die Instrumente sind fernab des Stromausfalls allerdings gut abgemischt. Junius bekommen nach jedem Song großen Beifall und scheinen heute sicherlich den ein oder anderen neuen Fan gewonnen zu haben. Beendet wird das Set mit „A Word Could Kill Her“ nach viel zu kurzen 45 Minuten.

Als das Intro von Long Distance Calling nach einer weiteren kurzen Pause ertönt, bricht das Publikum in Jubelstürme aus. Ich bin richtig überrascht, wie euphorisch die Band empfangen wird. Das Ganze wird noch gesteigert als die Band mit „Into the Black Wide Open“ ihr Set beginnt. Die langen Stücke ziehen sich in keinster Weise und haben immer wieder Überraschungen parat. Obwohl die Tour nach dem aktuellen Album „The Floor Inside“ benannt ist, ist die Setlist gut durchgemixt. „Inside the Flood“ und „Ductus“, die den Weg vom aktuellen Album ins Set finden, gefallen mir live besser. Der Sänger, der gleichzeitig für die elektronische Untermalung zuständig ist, macht seinen Job auch durchaus gut. Gemessen mit den älteren Songs ist es aber doch ein kleiner Abfall. Highlight des Sets ist für mich „Black Paper Plans“, das mit seinen härteren Parts das FZW bis in seine Grundmauern erschüttert. Allgemein finde ich bei Long Distance Calling die härteren Songs eine Spur besser. Bei diesen merkt man sehr gut die Verwurzelungen der Band im Metal. Nach all dem Lob muss ich aber auch kurz etwas Kritik loswerden. Das Gepose der Band nimmt teilweise überhand und passt für mich einfach nicht zu der Musik. Die Band darf wirklich stolz auf ihre Werke sein, ein Bisschen introvertierter dürfte es aber dennoch auf der Bühne zur Sache gehen. Die Kritik soll allerdings nicht bedeuten, dass durch das Gepose spielerische Fehler gemacht werden. An der technischen Leistung der Band gibt es vom ersten bis zum letzten Song und der unter tosendem Beifall gespielten Zugabe absolut nichts zu meckern. Long Distance Calling lassen heute ein begeistertes Publikum zurück und müssen sich wohl keine Sorgen machen, dass die nächsten Touren schlechter besucht werden.

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