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Dass man im kleinen und feinen Kulturclub SchonSchön in der Mainzer Innenstadt nicht nur leckere Getränke sondern auch einen ausgesucht guten Musikgeschmack finden kann ist inzwischen hinlänglich bekannt.

Wenn aber der Support dem Headliner die Show stiehlt, dann muss etwas Besonderes passiert sein.

Maps & Atlases, inzwischen zu Trio geschrumpft, touren mit dem aktuellen Album Lightlessness Is Nothing New durch Europa und sind für 9 Konzerte in Deutschland zu sehen. Die Chicagoer Band um Sänger und Kopf Dave Davison hat sich als Support die in Europa erstmals auftretende kanadische Band Fjord mitgebracht.

Bei Fjord handelt es sich um das Art-Pop-Ambient-Duo Thomas Casault (Gesang) und Louis-Étienne Santais (Keyboards) aus Quebec, die bei Bühnenauftritten von einem Gitarristen unterstützt werden. 2014 veröffentlichten die beiden eine EP mit dem Titel Where We Lay, die von Publikum und Kritikern gleichermaßen positiv aufgenommen wurde. Obwohl französisch-sprachig singt Casault ausschließlich englische Texte zu den verträumt dahinfließenden Klangteppichen, die Santais aus dem Synthesizer zaubert. Für ihrer zweite EP Textures sammelten sie bei sämtlichen Streaming-Portalen rekordverdächtige Klickzahlen und erhielten auch Auszeichnungen in ihrer kanadischen Heimat. Nun liegt seit Januar 2019 die nächste EP mit dem Titel Shallow Waters vor und Thomas Casault schaffte es mit seiner nahezu frauen-gleichen Falsett-Stimme das Publikum komplett in seinen Bann zu ziehen. Bereits mit den ersten Songzeilen wabern warme Klänge durch den Veranstaltungsort und legten sich wie eine Decke über das Publikum, dass die wohlige Umarmung sichtlich genoss. 10 Songs präsentiert das Duo an diesem Abend. Nur selten kann man erleben, dass ein als durchaus eigenständig bekanntes Publikum dem Künstler mit angehaltenem Atem lauscht. Dies war hier über den gesamten Auftritt der Fall. Ganz großes Kino, das mit dem wunderbaren Cover des Neil Young-Songs Hey Hey my my einen bekannten Ohrschmeichler fürs Publikum geboten hat.



Keine Frage, der mit unglaublicher Tiefe berührende Sound von Fjord, bei dem gefühlt ein Song in den nächsten hineinfließt, hat es an diesem Abend geschafft, mit dem lediglich 50 Minuten dauernden Auftritt, eine hohe Latte aufzulegen, an welcher der Headliner Maps & Atlases mit einem komplett anderen Soundkonzept zwangsläufig scheitern musste.

Das Maps & Atlases, die schon einige Jahre an Bühnenerfahrung hinter sich haben, den Abend noch souverän über die Bühne bringen würde, war zu erwarten und viele der Gäste waren wegen Maps & Atlases gekommen, deren Songs gerade im Internet deutlich präsenter sind als die Songs von Fjord.

Die Reste oder aber die neuen Anfänge des vor weniger Tagen abrasierten Vollbartes des Maps & Atlases– Frontmanns Dave Davison sind zu Beginn des Auftritts die einzige Umstellung zum bekannten optischen Erscheinungsbild der Band.

Musikalisch präsentierten sich Maps & Atlases einerseits mit erheblichem Tanz-Potential, das bei den ersten beiden Songs Fall apart und Violet Threaded auch positiven Anklang beim Publikum fand,  aber auch deutlich ruppiger und experimenteller als es die Albumversionen der Songs vermuten lassen.

Das Davison die Lieder der Band mit hoher fast schon spitzer Stimmfarbe vorträgt war ein Aspekt, der gepaart mit einigen Ansätzen von Garagen-Rock und Noise-Elementen sowie den eigenwilligen Songstrukturen mit einem stets stampfenden, die Magengegend bearbeitendem Schlagzeug bei mehreren Songs dann aber kaum Radiotauglichkeit ergab. Im besten Sinne erinnerte die Interpretation einiger Songs an die eigenwilligen Arrangements von Yeasayer.



Aber das war von Maps & Atlases bereits hinlänglich bekannt, so dass sich dahingehend keine Überraschungen auftaten. Schön war es, wie Davison, der für ein Gitarren-Solo die Nähe des Publikums suchte, von der Bühne in die Zuschauer herabgestiegen kam oder durch kurze Ansprachen auch den verbalen Kontakt zu den ZuhörerInnen suchte. Nach knapp 60 Minuten stimmte Davison dann Solid Ground, den bisher kommerziell erfolgreichsten Song der Band an, um das regulären Programm abzuschließen. In der Zugabe spielte die Band dann noch die Single 8/25 und den Song Ringing Bell aus dem aktuellen Album.   

Die Überraschung des schönen Konzert-Abends war die Gegensätzlichkeit der musikalischen Konzepte, dass muss man ganz klar so benennen. In den Gesprächen nach dem Konzert und in der Umbau-Pause konnte man deutlich heraushören, dass Fjord an diesem Abend die Erwartungen des Publikums deutlich nach oben geschraubt hat.  

Wer einen entspannten Art-Pop-Ambient-Musikabend mit Fjord genießen möchte, der sollte die Gelegenheit nutzen und eines der noch ausstehenden Maps & Atlases-Konzerte besuchen. Den Haupt-Akt kann man sich bei der Gelegenheit aber gerne auch ansehen.

Titelbild: Maps & Atlases | c) Richard Kilian

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