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Meat Wave sind drei Herren aus Chicago/Illinois, Chris Sutter (Vocals/Gitarre), Joe Gac (Bass) und Ryan Wizniak (Schlagzeug), deren Sound dem Lo-Fi Punk zuzuordnen ist: schnell, ungehobelt, laut und rotzig.


Low Fidelity ist das Antonym für High Fidelity und bezeichnet eine musikalische Stilrichtung, die sich auf das wesentliche reduziert und die technischen Möglichkeiten heute vollkommen ignoriert. Lo-Fi ist also ein Klangbild welches bewusst schmutzig, antiquiert, also Retro klingt. Die Reduzierung auf das Gitarren und Schlagzeugspiel bedeutet nicht, dass das musikalische Können Einbußen erleidet, ganz im Gegenteil. Das Warten auf einen verklärten Höhepunkt ist also vergebens. Meat Wave gehören zu dieser kleinen Szene von Musikern, die dem technologischen Fortschritt den Rücken zuwenden, um an die alten Zeiten zu erinnern.

Meat Wave

Die Züricher Kunststiftung Sound Development hat im Jahr 2007 ein Lo-Fi Manifest herausgeben. Dieses LofiDogma hat 9 Kriterien aufgestellt, die eine Lo-Fi Produktion charakterisiert, in der zum Beispiel enthalten ist, dass nur ein Effektgerät benutzt werden darf und weiter heißt es, dass Backline und Mikrofonierung von Aufnahmen bei allen gleich sein müssen usw. Kurzum: Back to the Roots.

Man kann also davon ausgehen, wenn man ein Konzert von Meat Wave besucht, dass die gehörte Platte keinerlei Vertuschungsversuche unternimmt. Ihr Sound ist rau, schmerzlich und gleichzeitig so ehrlich und authentisch, daran muss sich das verwöhnte Gehör massenproduzierter Überproduktionen gewöhnen. Etwas klares oder reines findet man in keiner Note dieser Band. So wirkt ihr Sound geballt, wie ein Donnergeröll, dass auf einen zukommt und dann packt es einen ob man will oder nicht. Meines Erachtens nach wirkte ihr musikalisches Spiel sehr progressiv, nahezu ekstatisch und den Zuhörer einschließt in dieses Soundgerüst. Der Zugang zu Lo-Fi Punk ist schwer, aber möglich, man muss sich eben darauf einlassen und es dauert etwas um in dieses vermeintlich komplex wirkende musizieren hineinzukommen. Deswegen war es nicht verwunderlich, dass der Konzertraum spärlich gefüllt war. Wir sind dann doch viel zu sehr mit diesem technischen Hokuspokus unserer Zeit verwurzelt, als dass man sich diesem eigentlich nicht neuen Sound vollends hingeben würde. Grundsätzlich wäre es aber wundervoll solchen Bands die Chance zu geben, sich auf ihre Musik einzulassen. Sie verbirgt so viel, was wir nicht mehr kennen.

Meat Wave

Und dennoch die drei Herren haben eine Show dargeboten als wäre Musik ihr Lebenselixier und etwas was ihrem Naturell entspricht. So schien es als wären ein paar Freunde vorbeigekommen und hätten mit ihnen in einer Proberaumsession ihre Musik gefeiert. Das war intim und irgendwie ungewöhnlich, gerade wenn man wie ich zu sehr verwöhnt ist von diesen großen pompösen Konzertsälen. Man entwickelte in dieser kurzen Darbietung von Meat Wave ganz starke Gewissensbisse, dass es eben nicht immer auf den Glanz des Ganzen ankommt, sondern dass man auch auf die feinen Unterschiede achtet und sie zu schätzen weiß. Zumindest verkörperte für mich diese Band diesen unterschwelligen Appell, der einen zum nachdenken und zum bewusst werden anregt, dass wir uns in dieser schnelllebigen Welt doch viel zu sehr mit Flüchtigkeiten befassen, als mit den kleinen nicht direkt sehbaren Unterschieden. Eine eingängige Melodie, die einen zum mitschwingen einlädt ist leichter zu fassen und zu verarbeiten, als Musik, die all diesen Glanz und Glamour weglässt und den Zuhörer erst einmal herausfordert sich hinein zu tasten in dieses gewöhnlich Ungewöhnliche. Meine Bitte an die Leser, schaut über den Tellerrand und versucht in diese Welt des Unbekannten mal hinein zu hören. Ihr werdet nicht enttäuscht und man kann nur etwas dazu gewinnen: Einen schönen Abend mit Herzblut Musikern, ob live oder auf Platte! Zum reinhören in ihre wundervolle Musik bietet sich ihr aktuelles Album „Delusion Moon“ an.

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