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Als ich mit meiner Frau nach einem entspannten Abendessen im Düsseldorfer Medienhafen an der Tonhalle eintraf, herrschte dort schon reges Treiben. Das ausverkaufte Konzert von Nils Frahm stand auf dem Programm und ich war bereits mächtig aufgeregt.

Die Karten schenkte mir meine Frau zum Geburtstag und da ich ein wahrer Nils Frahm Fanboy bin, war diese Überraschung mehr als gelungen. Die Tonhalle in Düsseldorf ist wirklich ein imposantes Gebäude und im Foyer traf ich den Pianisten Tom Blankenberg und Gregor Kerkmann von dem Düsseldorfer Duo Chogori. Ein schöner Beginn eines denkwürdigen Abends. Wir redeten kurz miteinander um dann, es war schon kurz vor acht Uhr, unsere Plätze in der Tonhalle einzunehmen.

Der runde Saal mit seiner eindrucksvollen Kuppel schien ein würdiger Platz für ein Nils Frahm Konzert zu sein. Das ausverkaufte Abschlusskonzert des New Fall Festivals hatte mit Nils Frahm einen würdigen Headliner im Gepäck.

Tonhalle Düsseldorf
Tonhalle Düsseldorf | (c) Jan Platek

Dieser wiederum beschloss seine All Melody-Welttournee nach über 200 Konzerten in Düsseldorf vor seinen dankbaren Fans. Um kurz nach acht Uhr betrat Nils Frahm die Bühne und eröffnete mit The Whole Universe Wants To Be Touched den Abend. Nur auf dem Harmonium und einem „Spielzeugklavier“ gespielt, entfaltete dieser Song ab dem ersten Ton eine sagenhafte, magische Wirkung. Es schien, als hätte ich das Atmen eingestellt um jeden Ton dieser Darbietung genießen zu können. Was daraufhin folgte, war die Präsentation seines Albums All Melody mit einigen älteren Stücken. Der Sound war so beeindruckend dicht und klar, dass ich im oberen Rang Mitte das Gefühl hatte, Kopfhörer zu tragen. Die Bässe von den Synthesizern drückten angenehm und auf der Bühne sah man Herrn Frahm zwischen seinen 11 (!) Tasteninstrumenten hin und her rennen. Fast wie ein Zauberer, der seine Zutaten für einen Zaubertrank zusammen sucht, packte Nils Frahm Schichten an Sounds und analogen Effekten übereinander. Das Licht war absolut dezent und minimalistisch und setzte nicht auf Bombast sondern unterstützte dezent durch Aufhellungen die Musik. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass der Lichttechniker dem Künstler Lichtzeichen gab, um ihm zu sagen, wann ein Song zu enden hat.

Nilas Frahm @ New Fall Festival 2019
Nils Frahm @ New Fall Festival 2019 | (c) Jan Platek

Der Song All Melody war rhythmisch und sound-technisch deutlich heftiger gespielt als die Album-Version, und geriet dadurch zu einem über 10 minütigen Biest von Song. Erstaunlich, dass der Künstler seine Kompositionen alle leicht abgewandelt, aber trotzdem mit Wiedererkennungswert präsentierte. Mein persönliches Highlight war das leise gespielte Familiar. Nur auf dem Klavier und wieder mit kleinen Harmonieänderungen gespielt, spürte ich wie mich die Gänsehaut am ganzen Körper gefangen nahm. Dieser Ruhepol wirkte wie ein gewollter Kontrast zum vorangegangenen Wall-of-Sound. Die wenigen und kurzen Ansagen zwischen einigen Stücken zeigten, dass Herr Frahm nicht nur sympathisch, sondern auch sehr, sehr witzig sein kann.

Sein letztes Stück Says kündigte er nach fast 2 Stunden mit den Worten „…das spielt sich fast von alleine…“ an.

Was folgte, war eine schier unglaubliche Version die für offene Münder sorgte. Nach einem kleinen Zugabenblock beendete Nils Frahm sichtlich erleichtert seine All Melody-Tournee in der Tonhalle in Düsseldorf. Standing Ovations. Die Zuschauer waren absolut begeistert. Mir wird dieses Konzert für immer im Gedächtnis bleiben. Mit meinen nun 43 Lebensjahren gehört es zum Besten Konzert was ich je gesehen habe. Beeindruckend war, neben Familiar (und allen anderen Stücken) auch das perfekt gespielte Hammers. Hier bewies Nils Frahm, dass er zu den bedeutendsten Pianisten unserer Zeit gehört. Ich danke hier nochmals meiner Frau Karo: Ein besseres Geschenk kann sich ein Fanboy nicht vorstellen. Ich bin glücklich. Danke.

Titelbild: Nils Frahm | (c) Jan Platek

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