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An einem Samstag Nachmittag Ende August, dem vermutlich letzten richtigen Sommertag, stehen einem verschiedenste Freizeitaktivitäten zur Auswahl. Kaffeklatsch bei Tante Elfriede im Garten, nochmal ins Freibad bis der obligatorische Gewitterdonner nebst Aufforderung des Bademeisters Schulkte einen aus dem Wasser vertreibt, oder man fährt nach Dortmund oder in ein anderes Stadion seiner Wahl und hofft, daß die Bayern dieses Jahr nicht noch einmal Meister werden. Wenn Fortuna zuschlägt, kann man aber auch alles auf einmal haben… irgendwie zumindest.

Die freundlichen Kollegen vom Visions aus Dortmund luden ein zum Heimspiel und veranstalteten nun bereits zum vierten Mal in ihren Redaktionsbüros ein Konzert von Redaktionslieblingen für geladene Gäste, diesmal mit dem Deathwish Double Feature Birds In Row und Oathbreaker. Ich selbst hatte das Glück, bei einer Verlosung einen der wenigen Plätze gewinnen zu dürfen. Da beide Bands anschließend noch in Bremen spielen sollten, fand der ganze Spaß schon um 16 Uhr statt. Kurz vorher wurden alle Besucher vor der Tür des Bürogebäudes am Heiligen Weg wartend abgeholt und in den zweiten Stock geleitet. In den heiligen Hallen standen bereits Canapés, Muffins und Getränke zum Verzehr bereit sowie noch Ohrstöpsel. Letztere sollten noch sehr wichtig werden.

Zeit, um sich den Bauch wie bei Tante Elfriede vollzuschlagen blieb nicht, denn es ging sofort im vorderen Büro los. Zugegebenermaßen sind Birds In Row sonst nicht mein Beuteschema. Auf Platte klingt ihr Posthardcore Sound nicht annähernd so wuchtig wie live und kommt an vereinzelten Stellen sogar recht prollig rüber. Live ist das aber eine ganz andere Abteilung. Ohne jegliche Vorwarnung fegen die drei schmächtigen Franzosen wie eine Urgewalt über die Trommelfelle, daß selbst Bademeister Schultes Lautsprecherwarnungen unter diesem Gewitterdonner ungehört bleiben. Aber selbst die hartgesottensten Kampfschwimmer unter uns merkten, daß es keinen Sinn macht, gegen die Übermacht des Schlagzeug-Hagelschauers, der wie Blitze in die Meute geballerten Gitarrenriffs und Gesangslinien (oder besser Gekeiflinien) und dem wummernden Bass-Donnergrollen anzustinken. Daß man im Sound der Drei nur ersaufen kann, das war mit dem ersten Ton beschlossene Sache. Schnell aber heftig ging der Todeskampf von statten und nach gefühlten 20 Minuten spuckte der Büropool seine Opfer wieder aus.

Um in den engen Bürogängen den nachfolgenden Oathbreaker genug Platz zu bieten, ihre Instrumente zur … naja… Bühne zu bringen, wurde das Publikum kurz noch einmal ins Treppenhaus gebeten. Nach dieser Nasturgewalt wirkte die sterile Bürogebäudeatmosphäre wie ein Paralleluniversum. Aber auch die Wartezeit hier war schnell vorbei.

Einen kurzen Soundcheck später fegten dann Oathbreaker die Büroatmosphäre aus den Schädeln. Wer gedacht hat, daß nach Birds In Row keine Steigerung mehr möglich sei, der sah sich aber heftigst getäuscht. Zwar mit einer Person mehr auf der Bühne aber mit gleicher Instrumentierung spielten Oathbreaker ihre Vorband noch einmal locker an die Wand. Ihr Sound wirkt dabei deutlich mehr im Metal (Sludge, Black Metal) beheimatet als der der Franzosen. Der Blick des Schlagzeugers war dabei genauso wahnsinnig wie sein Gedresche. Die gleichsam hochenergiegeladenen wie souverän gespielten Riffs des Gitarristen zerschnitten die mittlerweile glühende Luft. Auf Platte wirken die Riffs manchmal etwas flach. Davon war beim Konzert nichts zu spüren, in einer solchen Spiellaune präsentierte man sich.

Hingucker schlechthin war natürlich Keiferin Caro. Dieses hübsche, zierliche Persönchen ist ein Phänomen. Bei einer Realverfilmung vom Wolf und den drei kleinen Schweinchen könnte sie die Special Effects Leute arbeitslos machen. Die Frau bläst wirklich Häuser um. Wenn sie da so steht, den brusthohen Mikroständer mit beiden Armen umschlungen, den Kopf über das Mikro gebeugt, die elend langen Haare vor dem Gesicht und das Mikro verdeckend und eigentlich sieht man nur Haare und Mikroständer, dann hat man den Eindruck, als ob ihr Kopf aus dem Ständer herauswachsen würde. Aus allen Poren strahlt sie diese Energie aus, die sich im Bereich zwischen Stimmbändern und Mikrofon-Membran zu konzentrieren scheint. Das macht dann auch den Unterschied zu Birds In Row aus. Hier stehen vier statt nur drei komplett unter Strom stehende Leute auf der Bühne. Beide Bands zusammen als Package dürften das energiegeladenste Konzert in der kleinsten Location des ganzen Jahres gespielt haben.

Nach der Show zeigten sich alle sehr freundlich und signierten noch bereitwillig ihre Tonträger. Nach nicht einmal 90 Minuten standen wir wieder alle vor der Tür am Heiligen Weg. Wussten wir vor dem Konzert nicht so wirklich, was uns erwarten würde, wussten wir nachher immer noch nicht so richtig, wie uns geschah. Egal was Redaktionskonzert Nr. 5 für ein Package bieten wird, ich wäre gern wieder dabei.

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