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Dänemark. Aarhus. Bis jetzt nicht gerade als das Mekka der Postrockszene verschrien. Für die meisten ist das kleine Land im Norden ein weißer Fleck. Ein wenig der kleine Bruder von Schweden, nicht ganz so bekannt, nicht ganz so hip. Aber wir sind ja an diesem Samstag eigentlich wegen der Musik da… Aber zurück auf Anfang: Als im Sommer letzten Jahres der Name Postfest das erste mal auftauchte, ging wohl ein überraschtes Raunen durch die Postrockszene. Lange blieb man skeptisch, was das Festival anging, doch am Ende übersiegte die Neugierde und Vorfreude. Die junge Crew hatte es geschafft, ein solides Line-Up zusammen zu buchen. Keine großen Überraschungen aber viele bekannte Gesichter. Ganze drei Tage im Februar kam die internationale Postrockelite in Arhus zusammen.

Der erste Tag begann mit einem Sigur Ros DJ Theme und wurde von den großartigen Caspian beendet. Am Freitag wurden die Anzahl der großen Namen schon höher, so spielten Arms & Sleepers, Talons und die Schweden von EF. Nun aber zum Samstag. Als wir am Train, dem Venue ankamen, war noch niemand da. Also vertrieben wir uns die Zeit mit Frühstück und Sight Seeing. Aarhus ist laut Reisefüher die zweitgrößte Stadt in Dänemark und muss sich nicht hinter Kopenhagen verstecken: eine nette Altstadt mit kleinen, gemütlichen Cafés auf der einen Seite und eine raue Hafengegend auf der anderen Seite, machen den besonderen Charme dieser Stadt aus. Als wir zurück zum Venue gingen, sah es noch genau so dunkel und leer aus, wie vorher. Doch plötzlich kam ein Kleinwagen mit Dänischem Kennzeichen um die Ecke – es waren Lis Er Stille, die vermutlich 18 mal fuhren, bis sie ihre komplette Backline da hatten.

Also luden auch wir ein und konnten uns – nach gefühlten 30 Stunden ohne Schlaf – auch noch ein wenig ausruhen. Dann – für die müden Körper viel zu schnell – ging es auch schon los. Den Opener stellt der Veranstalter Steffen selbst – mit seiner Band Sky Architects. Sie liefern progressiven Postrock der sich nicht verstecken muss. Den vier Dänen merkt man an, dass sie Musik lieben. Beim letzten Song dann kommen dann die Schlagzeuger der anderen Bands samt Toms dazu um gemeinsam mit den Sky Architects ein massives Finale zu kreieren. Wer die Möglichkeit hat, die Jungs in naher Zukunft live zu sehen, sollte sich dies nicht entgehen lassen.

Danach stehen Kokomo auf der Bühne, die man scheinbar nicht nur hierzulande kennt und mag. Die vier Duisburger liefern ein mitreißendes Set ab, das genau die Mitte trifft zwischen Erdrücken und Bezaubern. Die Überraschung des Abends ist ein bisher unbekannter Song, der neugierig macht auf mehr. Den Anschluss machen die Schweden von Pg.Lost. Sie nehmen das Publikum mit auf eine emotionale Reise. Mal laut, mal leise, mal traurig, mal fröhlich. Post-Rock par excellence. Dann stehen auch schon Lis Er Stille auf der Bühne, die einen schönen Kontrast zu den drei vorangegangen Bands bilden. Sie sind gewohnt wuchtig. Schwermütig und euphorisch zugleich. Ihr Auftritt bewegt sich zwischen Konzert und Varieté und Kunstprojekt. Und das überzeugend. Zuletzt betreten die Kopenhagener The Psyke Project die Bühne und geben mit ihrem metallischen Hardcore einen überraschenden, aber irgendwie passenden Abschluss für dieses Event.

Danke Steffen. Danke Postfest. Danke Aarhus. Bis nächstes Jahr.

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