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Gestern aufgewacht und gedacht: Heute lasse ich mir schön die Fresse polieren. Von einer Post-Punk-Band. Bestehend aus Frauen. Hat gut funktioniert.

Relativ spontan durften wir von Pretty in Noise dann doch tatsächlich noch zum Savages-Konzert ins Gebäude 9. Schöner Laden. Richtig schöner Laden. So dreckig und verranzt, sieht halt aus wie eine Garage. Aber bekannt für guten Sound. Fein. Freude.

Erster verstörender Anblick: Leer. Zweiter verstörender Anblick: DJ-Pult. Und wir Idioten haben uns nichts dabei gedacht! Ein junger Mann als Vorband, so viel wusste ich. Dass er Drone macht, konnte ja keiner ahnen. Ich möchte hier auch kein Genre durch den Kaffee ziehen, aber bei einem Punkkonzert einen Ein-Mann-Drone-Act an den Supportslot zu stellen, ohne die Besucher zu warnen, ist nicht fair. Ich kenne mich schlichtweg nicht mit Drone oder Downbeat-Gothic-hier-willkürliche-Gernebezeichnung-einfügen-Musik aus, vielleicht war er auch unfassbar. Nur dann haben wir es nicht erkannt. Schade eigentlich. Und seinen Künstlernamen finde ich auch nirgendwo. Verdammt.

Dafür gibt es ja immerhin die Freiheit zum Rauchen rausgehen zu dürfen (Achtung: Versteckte Gesellschaftskritik des Artikels). Als wir wieder reinkamen, hatte sich die Halle ein wenig gefüllt und wir konnten wie Gott auf dem Thron mit unserem Fotopass am Anfang schön wieder in die erste Reihe. Nebel an, Licht aus und ab dafür.

„Don’t let the fuckers get you down!“

Man merkt von den ersten Schritten an, dass man es mit einem Künstlerkollektiv zu tun hat. Keine Begrüßung, kaum Blicke in die Zuschauermenge und eine Menge surrealer Bewegung. Ich verzeihe den Savages, denn der Bandsound ist großartig. Schöne Noise-Parts, ab und an wundervolle Melodien und ein passendes Gesamtkonzept. Die Schnittmenge aus Punk, Noise und Gothic, die hier zusammenkommt (ohne diese Band jemals als Gothic bezeichnen zu wollen!), passt perfekt. Die Show ist lang und das Set divers.

Neben den gängigen Hits des Debütalbums ‚Silence Yourself‘, wurden auch neue Songs und der Suicide-Coversong ‚Dream Baby Dream‘ gespielt. Hach, wie schön. Da geht das Punkerherz auf. Etwas störend, Teil drei: Nur tanzende Frauen um mich herum. Komisch, sollte man meinen, dass Punk eher maskulin wäre. Doch Negativum! Die erotische Weiblichkeit auf der Bühne und die ehrlichen Texte machen dieses Konzert theoretisch für jeden zu einer schönen Beleidigung des Spießbürgertums. Was mich zum nächsten verstörenden Anblick führt: Nach dringlichem Wunsch der Band sollte vom Fotografieren durch Privatpersonen abgesehen werden. Was macht der vierzigjährige Deutsche mit Brustbeutel? Er macht natürlich Fotos, vermutlich noch für seine Frau. Guck mal, Schatz, die machen Musik. Und was machst du?

„I don’t think that you’re beautiful, it’s just that i need something new – and you do, too.“

Nach gut 80 Minuten und einem zum Schluss zehnminütigen Hau-drauf-Part sind die Ohren taub und die Beine müde. Aber der Kopf ist durchgeschüttelt und man ist irgendwie zufrieden. Am liebsten würde man nach dieser Performance, die mit Licht, Sound und Songs eine gewisse Atmosphäre vermittelt hat, nur noch Punkrock hören, Wein trinken, Weltliteratur lesen und natürlich die Savages-Platte kaufen. Doch ein letzter verstörender Gedanke lässt mich noch kurz aufschauen: Wo ist uns eigentlich der Mittelfinger abhanden gekommen?

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