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“I adore Savages – do you adore Savages?” Savages Konzertbericht vom 03.03.2016 in Köln


Eins vorweg: I adore „Savages“! Denn sie liefern auf ihrer aktuellen Tour nicht nur eine so coole und intensive Live-Performance ab, wie man sie schon lange nicht mehr erlebt hat. Das britisch-französiche All-Female-Quartett erfüllt mit dem neuen Album alle schwarzen Indie-Süchte: „Adore life“ ist satt, dunkel, poetisch, wild, irgendwie Avantgarde, irgendwie britisch und vor allem ganz schön tight.

Vor circa 3 Jahren entdeckte ich ein schwarz-weißes Konzertplakat der 2011 in London gegründeten Band auf einer Kölner Litfaßsäule. Beim Suchauftrag Savages spuckte Google jedoch etwas von Post-Punk aus, was ich irgendwie mit Geschrammel verband und wieder sein ließ. Wie abgrundtief falsch ich damit lag, lernte ich kürzlich dank eines Videos der Savages live bei Jimmy Kimmel. Wie es denn war, könnte man im Prinzip mit nur einem Wort beschreiben: Eindringlich.

Abgesehen von der perfekten visuellen Darbietung der vier in schwarz gehüllten Damen, saß nicht nur jede Bewegung, sondern jeder Ton. Und wurde selten sexy, theatralisch und trotzdem „fresh“ vorgetragen.

Savages

Genauso war es auch am 3. März im Kölner Club Luxor, wo die Savages von BO NINGEN supportet wurden. Der wilde Psychedellic-Rock der langhaarigen Japaner kam bei den Kölnern gut an und überraschte nicht zuletzt mit zirkuswürdigem Gitarrenschleudern. Für einen bleibenden Eindruck reichte die knappe halbe Stunde Spielzeit vollkommen.

Die nächste halbe Stunde brauchten übrigens die Stagehands und Techniker, um die Backline für die Headliner startklar zu bekommen. Sogar die Übergangsmusik wurde nicht dem Zufall überlassen und klang exakt in dem Moment aus, als die Savages eingehüllt in schwarz und umgeben von tanzenden Lichtkegeln die angenehm niedrige Luxor-Bühne betraten: Gitarristin Gemma Thompson, deren Pedalboard schon Mars-Volta-eske Züge annahm, Ayse Hassan mit einem fetten, gefährlich verzerrtem Bass, Schlagzeugerin Fay Milton, die aussah, als würde sie ihr tiefergelegtes Kit reiten oder verdreschen und die betörend-beschwörende Jehnny Beth, die trotz des krachigen Sounds stimmlich klar und stark blieb. Eine wirklich starke Stimme, nicht im Sinne von Goldkelchen Adele, sondern einer tiefen Seele. Stark im Ausdruck, stark in den poetischen Lyrics und der wohldosierten theatralischen Mimik und Gestik.

Das dichte Set der Savages ließ an dem Abend zwar keine Atempause für Smalltalk. Deklamierte Worte gab es aber doch – wie zu Anfang von „I Need Something New“. Diese trug Madame Beth so eindringlich vor, dass man es selbst mit ganzem Herzen wollte und an diesem Abend auch bekam. Mal streckte sie ihre kämpferische, mit Silber beringte Faust zum Himmel, mal die elegante, offene Hand dem Publikum entgegen. Die versierte Frontfrau wich von ihrem Bewegungsrepertoire nicht ab und war in jeder einzelnen Sekunde präsent und fokussiert. Gespielt wurden alle Killer von beiden Alben. Das schräge „Husbands“ vom Debüt ebenso wie das für fast alle Schichten verdauliche „The Anwser“ oder „Sad Person“ vom neuen Album, das in Summe ein ziemliches Indie-Hit-Beast ist. Mein Begleiter hätte Jehnny gerne passend zur Musik auch mal brüllend oder schreiend erlebt, ich bin mir gar nicht so sicher, ob sie mir nicht einfach so gefällt, wie sie ist.

Savages sind eine Band, wie sie es sie auch im künstlerischen Berlin der 80er Jahre hätte geben können. Tür-an-Tür mit Bowie, Iggy, Patti Smith oder Joy Division. Natürlich in einer futuristischen, fetteren Version mit viel modernerem Sound und einer grandiosen Licht-Dramaturgie. Kein Wunder, dass das Konzert am 10. März im Berghain bereits ausverkauft ist. In Hamburg (09.03) oder München (11.03) könnte man noch Glück haben.

Wie spektakulär so ein Gig der Savages sein kann, beweist ein Konzertfilm, gänzlich ohne Publikum für ARTE gedreht wurde:

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