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Auf dem Album ist Son Lux oft überbordend, verspielt, orchestral, operesk, chaotisch und dynamisch, fast bis zur Überforderung. Wie eine kleine, stampfende, pulsierende Welt, in der ständig und überall etwas passiert, durchzogen von der klaren Musikalität des großen Talents Ryan Lott.

Die spannende Frage vor dem Konzert ist also, wie das live funktionieren soll. Wie die aufeinander geschichteten Soundebenen auf die Bühne übertragen werden, mit all den flirrenden Effekten, den Chöre und Fanfaren und vor allem mit nur drei Personen?

Die Antwort liegt in der Reduktion der Songs auf das pure Gerüst. Auf ein gewaltiges, perfekt komplex gespieltes Schlagzeug, einer Gitarre, auf zwei Saiten so tief gestimmt, dass sie wie ein Synthesizer klingt und sowohl den druckvollen Bass, Effekt- und Melodieparts gleichzeitig spielen kann und das Keyboard, mit ständig wechselnden Sounds, ergänzt durch minimale vorproduzierte Spuren.

Und das funktioniert überraschend gut, jedenfalls von der musikalischen Seite her. Denn was die Bühnenrpäsenz angeht, hatte ich die ganze Zeit das Gefühl zur linken Seite gucken müssen, also zu Schlagzeuger und Gitarristen und nicht unbedingt zu Ryan Lott. Der gebierdet sich durch das Konzert, wie ein kleiner Indie-George-Michael, mit unangenehm exaltierten Posen und selbstverliebtem Keyboardgegniedel. Er singt recht konsequent on top of his voice, ein bißchen wie Connor Oberst, nur eben gerade. Und es gibt bestimmt viele, die das so wollen, aber mir ist da zuwenig Heiserkeit, zu wenig Schrägheit in der Stimme und zu wenig Bescheidenheit in der Performance. Emotionen sind sicherlich da, vielleicht sogar ein paar zuviele, aber der Funke will bei mir während der gut anderthalb Stunden kaum überspringen.

Das scheint auch beim Rest des Publikums nicht zu klappen, denn auch wenn nach jedem Song artig aplaudiert wird, die Begeisterung kennt an diesem Abend ihre Grenzen.

Und irgendwie ist das ein bißchen schade, denn sowohl von den Songs, als auch vom Sound, sind so druckvoll und dynamisch auf die Bühne gebracht und vor allem technisch so beeindruckend, dass man ab und zu die Augen schließen und sich dem hingeben will.

Einen Augenblick später wird man aber wieder rausgerissen durch einen von der Band motivierten Publikumsmitklatschpart. Und ganz ehrlich: Ich war bisher nur auf sehr wenigen sehr guten Konzerten, bei denen es Mitklatschparts gab.

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