Dass Audiolith Records zu einem der erfolgreichsten Independent-Labels der Bundesrepublik zählt, ist sicherlich auch den drei Herren von Supershirt zu verdanken.


Nur wenige Jährchen nach Labelgründung veröffentlichte Lars Lewerenz nämlich deren erste Single „Teitmaschine“ – bis heute übrigens namensgebend für die Website der Band – und man verhalf sich gegenseitig zum raschen Aufstieg in der Electro-Szene. Acht Jahre später ist für Henry Witt, Hendrik Menzl und den 2010 zugestoßenen Marco Pilzecker jedoch Schluss; Anfang 2015 wurde die Auflösung der Band bekanntgegeben. Wie es sich nach fast einem Jahrzehnt Bandgeschichte allerdings gehört, buchten sich die drei Wahlberliner noch eine kleine, aber feine Abschiedstour zusammen – und das natürlich mit vollem Erfolg.

Als potenzieller Konzertgast hatte man sich in Hamburg schnell mit einem ausverkauften Hafenklang konfrontiert gesehen. Die Lösung war jedoch (natürlich, muss man fast schon sagen) mindestens ebenso schnell gefunden worden, sodass Supershirt am darauffolgenden Samstag einfach noch ein zweites Konzert im Molotow spielten.

Eröffnet wurde der Abend von Ashi (Captain Capa), der in bester Alleinunterhalter-Manier Geschichten aus dem Tourbus, den man in den vergangenen Jahren mehrmals geteilt hatte, erzählte. Die junge Sängerin und Rapperin Finna erinnerte anschließend daran, dass Audiolith für deutlich mehr als nur Techno und Drogen steht; trotz leichter technischer Probleme fand sie drastische Worte gegen tief in der Gesellschaft verankerte Missstände wie Homo- und Transphobie sowie den alltäglichen Sexismus.

Als es endlich Zeit für die Headliner war, explodierte das Molotow förmlich. Ab der ersten Sekunde verhielt sich das Publikum dem Anlass entsprechend und tanzte, als gäbe es kein Morgen mehr – gibt es ja, so gesehen, auch nicht. Ob „Kauf weniger ein“, „Haue“ oder natürlich „8000 Mark“, Supershirt spielten sie alle. Während des ebenfalls vom Erfolgsalbum stammenden Songs „Prinzessin Bad“ entglitt den Jungs endgültig das letzte Quäntchen Kontrolle, das sie ursprünglich über diesen Abend gehabt hatten, und sie teilten sich die Bühne plötzlich mit mindestens zwei Dutzend Feierwilligen. Dass diese sich nur durch Crowdsurfing den Weg von selbiger ebnen konnten, erklärt sich natürlich von selbst.

Und so wurde aus dem bis dato normalen Konzert ein wahres Spektakel, das selbst nach diversen Zugaben noch nicht so wirklich sein Ende finden wollte. Zu „Nachtjacke“ wurden zahlreiche Knicklichter verteilt, zu „Strawberry High“ sang schließlich der ganze Club im Chor. Das durchschwitzte Fazit des Abends fiel somit recht leicht: Supershirt und ihre Live-Shows wird man so schnell nicht vergessen. Komme, was wolle.


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