Spinnup_DuWillst

Vor längerer Zeit kündigten The Cure auf Facebook und auf ihrer Webseite an, dass sie ihren vierzigsten Geburtstag am 07.07.2018 mit einem Festival im Hyde Park feiern würden und der Vorverkauf bereits am Freitag nach der Ankündigung starten sollte.


Also saß ich morgens ein paar Tage später vor dem Rechner, um zwei Tickets zu ergattern, denn neben The Cure waren noch Slowdive, Interpol und Editors angekündigt, also ein Line-up von dem manches europäische Festival träumen und jeweils eine der Bands an einem Tag als Headliner setzen würde. Nachdem ich ohne Probleme meine zwei Fanclub Presale Tickets ergattert hatte, buchte ich Flüge und eine Unterkunft, da gegen einen Kurzurlaub in London ja nichts einzuwenden ist.

Am Donnerstag flogen wir also nach London, das – wie auch im Rest von Europa – von einer ziemlichen Hitzewelle beehrt wurde. Die eineinhalb Tage vor dem Festival verbrachten wir mit ein wenig Sightseeing, im Pub abhängen und shoppen.

Am Samstag gegen 13.15 Uhr machten wir uns auf zum Hyde Park, ausgerüstet mit Sonnenschutzfaktor 50, Sonnenhüten, -mützen und -brillen. Sämtliche U-Bahnen, wir mussten drei Linien fahren, waren total überfüllt, da in London noch „Pride in London“ (Ein riesiger CSD) und Wimbledon war. Einige Englandfans machten sich auch schon auf den Weg zum Public Viewing, da England im Viertelfinale der Weltmeisterschaft in Russland spielte.

Der Securitycheck verlief problemlos, man durfte sogar eine Flasche Wasser mit rein nehmen und die Guards waren ziemlich easy und höflich drauf. Zehn Minuten bevor Slowdive anfingen waren wir vor der großen Hauptbühne. Wir wollten direkt vor die Bühne und wurden von einer ziemlich harschen Security Dame davon abgehalten auf das abgesperrte Greenfield vor die Bühne zu kommen, dabei herrschte da relative Leere. „You don´t have this wristband…“. Ich eilte über das riesige Gelände, dessen Größe irgendwo zwischen Rock am Ring und Hurricane anzusiedeln war. Der Boden des Hydeparks glich jedoch einer Savannne, es gab sehr viele Getränke- und Fressbuden, Fahrgeschäften, Entertainmentbühne und den üblichen Festivalschnickschnack. Nur Sitzmöglichkeiten waren rar gesät und Schatten so gut wie nicht vorhanden! Als ich am Infopoint ankam, sagte man mir, dass ich mit meiner Karte durchaus die Berechtigung hätte aufs Greenfield zu kommen und die Securityperson wohl pinke und grüne Zone verwechselt hat. Ich lief zurück zu meiner liebsten Begleiterin und wir versuchten es erneut. Slowdive standen schon auf der Bühne. Wieder kein Einlass direkt vor die Bühne. Also suchten wir uns eine Position direkt neben dem FOH Holzgebäude aus, relativ mittig von wo aus man Slowdive noch als Menschen, wenn auch als sehr kleine, erkennen konnte. Das Konzert fing an und der Sound war extrem verwaschen und wurde durch die leichte Brise nicht besser. Die Sonne ballerte ohne Erbarmen auf uns herab und irgendwie passten Slowdive nicht ins helle Sonnenlicht um 14.40 Uhr. Sie spielten aber ein schönes Konzert, für die Kürze des Sets mit allem was man gerne von ihnen hören möchte, nur leider kickte mich das Konzert nicht wirklich, es fehlte irgendwie an Atmosphäre. Highlights des Sets: „Star Roving“, „Catch the Breeze“ und „When the Sun Hits“. Nach Slowdive holten wir uns unser erstes Bier und waren etwas geschockt über die Bierpreise: Sechs britische Pfund für ein Pint Heineken, okay! Wasser und Softdrinks waren mit zwei Pfund für den halben Liter wesentlich günstiger. Schnell auf die APP geguckt und gesehen das auf der Summerstage seit zehn Minuten bereits Pg. lost spielten, mit denen ich sogar schon einmal als Support mit meiner eigenen Band gespielt habe. Wie ein Wunder gab es Baumschatten und wir bekamen noch drei Songs des überwiegend gut rockenden und fast instrumentalen Postrocks mit. Am Ende sprang die Hälfte der Band von der Bühne und spielte im Publikum weiter. Unser erstes Highlight, welches auch mit viel Applaus belohnt wurde.

Da der Ablauf mindestens dreimal um fünf bis zehn Minuten geschoben wurde, die APP sich nicht immer aktualisierte und die gedruckten Programme fünf Pfund kosten sollten (obwohl sie noch ungenauer waren), verpassten wir fünf Minuten von den Editors, die ich mag, aber die nicht zu meinen absoluten Lieblingsbands gehören.

Editors spielten ein gutes Set und ihr Frontmann nutze die volle Breite der Bühne aus, man merkt ihnen die Jahre auf den Hauptbühnen der großen Festivals an und sie wussten wie sie das fast schon gar gebratene Publikum doch noch in Partylaune bringen konnten. Mir gefiel das Set gut. Beste Songs: „Smokers outside the Hospital Doors“, „Munich“, „Papillon“. Der Sound war mittlerweile viel besser als bei Slowdive. Nachdem wir wieder zur Summerstage gewechselt hatten, wo um 16.35 Uhr Kælan Mikla aus Island spielen sollten, konnten wir erst einmal einige Freunde und Bekannte begrüßen, die auch im Baumschatten der Summerstage standen und Kælan Mikla gucken und hören wollten. Irgendwann standen die Isländerinnen dann auf der Bühne und fingen an. Leider waren die ersten Songs wirklich sehr leise. Aber sie ließen sich nichts anmerken und zogen ihre Introvertierte, extrovertierte, düstere, schräge und schöne Show durch. Uns gefiel das sehr gut und ich wurde von mehreren Leuten aus dem Publikum gefragt, wer das sei und man zeigte mir dann nachdem ich „Kælan Mikla from Iceland“ sagte, einen Daumen nach oben. Eine Mischung aus Cure zur Pornography Zeit, Siouxsie, Björk und modernem Cold-Wave. Da hatte sich Robert Smith etwas Feines eingeladen. Sie bedankten sich vor den beiden letzten Songs für die persönliche Einladung und waren aufgrund des frenetischen Jubels und den Umständen fast den Tränen nahe. Sehr sympathisch.

Danach erforschten wir erst einmal das Festivalgelände, außer den Bierpreisen und dem fehlenden Schatten, gab es so allerhand zu sehen. Ein Haufen Fressbuden, im karibischen und europäischen Stil, an denen man so allerhand Getränke und Essen kaufen konnte, alles ziemlich hochpreisig. Drei Merchstände, an denen es nur The Cure Merch gab, wenn ich mich nicht verguckt habe.

Pünktlich zu Interpol waren wir dann wieder vor der Big Oak Stage. Adrett gestylt, mit schnieken Anzügen und schönen Schuhen legten ein ordentliches Set hin. Einige neue Songs, einige aus den letzten Alben und ihrem ersten Überalbum, verschmolzen zu einem dreizehn Songs umfassenden Konzert. Es gefiel uns beiden ziemlich gut, wäre aber auch im Dunkeln sicher noch besser gewesen. Zu den Hits wurde von direkt vor der Bühne bis zu der zweiten LED-Monitorwand dennoch ordentlich getanzt. Well done Interpol. Die Zeit bis The Cure um 20.10 Uhr endlich auftreten sollten, verbrachten wir mit einem kurzen Abstecher zur zweiten großen Bühne, auf der für uns nur relativ uninteressante Acts liefen. The Twilight Sad hatten wir 2016 schon zwei mal vor The Cure gesehen und sie sind sicher eine gute Band, hauen mich aber nicht um. Den Rest ließen wir links liegen. Bei Ride guckten wir kurz rein, aber nach zwei Songs machten wir uns wieder auf zur Big Oak Stage, denn in fünfzehn Minuten war The Cure-Time. Mehr als pünktlich stand die Band auf der Bühne und fing mit „Plainsong“ und „Pictures of You“ an. „Ach nö, bitte nicht das gleich Set wie auf der Tour“, dachte ich mir. Der Sound stimmte auch nach dem ersten Song, Simons Bass dröhnte „Plainsong“ in Grund und Boden. Zum Glück spielten sie einen guten Mix der Toursets. Mit „A Nigth Like This“ kam einer meiner Lieblingssongs relativ früh im Set, aber auch schön und endlich mal mit fünf Beats per Minute schneller, was dem ganzen einfach mehr Power und Dynamik gab. Robert Smith war bei guter Stimme und sah insgesamt frischer aus als auf der letzten Tour. Simon wirbelte wieder wie wild über die Bühne, Reeves erledigte seinen Job als Gitarrist ohne Fehl und Tadel und bewegte sich sogar fast. Roger spielte seine Synths perfekt und machte das, was er immer macht, vor und zurück und ein wenig den Kopf schütteln. Jason spielte tight und kraftvoll. Allen die immer irgendwelche alten Drummer zurückhaben wollen, meistens Boris Williams (guter Drummer), sei gesagt: „Robert Smith und Simon Gallup haben diesen jungen Mann nicht umsonst ausgewählt, er ist ein sehr guter Schlagzeuger, der vielleicht ein paar alte Songs etwas zu präzise spielt, aber er ist der Drummer der am längsten bei The Cure auf dem Stuhl sitzt. Ich mag es wie Jason Cooper spielt.“ „Push“ war viel besser als auf der letzten Tour, präziser, akkurater, mehr am Original und Robert hörte sich einfach jung an! Der folgende Part war mein Lieblingsteil im Haupset: „If only tonight we could sleep“ (sehr schöne Version), „Play for Today“, „A Forest“ (die kurze Version), „Shake Dog Shake“ (ich liebe den Song, da ich auch das THE TOP Album liebe) und dann „Burn“ – perfekt. Dann folgten „From the Edge of the Deep Green Sea“ und „Disintegration“, in einer super Gänsehautversion. Dann war es vorbei und wir klatschen und johlten und die Leute um uns herum machten – nichts! Standen da, glotzen und klatschen vereinzelt. Zum Glück gab es vor der Bühne ordentlich Applaus und The Cure kamen zu einem zehn Songs umfassenden Zugabenblock zurück. „The Caterpillar“ hatte ich live noch nie gehört und freute mich sehr darüber. Bei „Boys don´t Cry“ dachte ich kurz „Sonst spielt Robert da doch immer Wandergitarre, nun greift er aber seine E-Gitarren…?“ Er kündigte an, dass jetzt ein paar Songs kommen würden, die sie schon länger nicht gespielt hätten und das war dann auch so. Was für ein fantastisches Finale. Nach „Boys …“ kam „Jumping Someone Elses Train“, „Grinding Halt“, „10:15 Saturday Night“ und als letzter Song „Killing an Arab“, in einer wahnsinnig knallenden Version. Bei „10:15…“ hätte ich beinahe losgeheult, da ich den Song zum letzten mal vor zehn Jahren von ihnen live gehört habe, einfach nicht damit gerechnet hatte und den Song unfassbar gerne mag. Robert Smith bedankte sich artig und sagte nur „See you very soon“. Die Tore gingen auf und 65.000 Menschen strömten aus dem Hyde Park. The Cure forever.

https://www.youtube.com/watch?v=0_Yg6vs_UA8

On Off Main Stage
13:40 – 14:10 Pale Waves
14:40 – 15:20 Slowdive
15:50 – 16:35 Editors
17:15 – 17:55 Goldfrapp
18:25 – 19:25 Interpol
20:10 – 22:20 The Cure

On Off Barclaycard Live Stage
14:10 – 14:40 Pumarosa
15:20 – 15:50 This Will Destroy You
16:35 – 17:15 The Twilight Sad
17:55 – 18:25 Lisa Hannigan
19:25 – 20:10 Ride

On Off Summer Stage
15:20 – 15:50 pg.lost
16:35 – 17:15 Kælan Mikla
17:55 – 18:25 Kathryn Joseph

Text: Mirco Rappsilber

Man of the hour. #thecure 📸 @thanco #bsthydepark

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