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Multiinstrumentalist und Bandleader Weasel Walter startete seine Flying Luttenbachers anno 1991 in Chicago, damals noch als Free-Jazz-Trio mit den beiden Saxofonisten Chad Organ und Hal Russell (geborener Luttenbacher).

Als einziges konstantes Mitglied manövrierte er die Band fortan durch eine Vielzahl unterschiedlicher Line-Ups, um sich in einer musikalischen Schnittmenge aus Free Jazz, No Wave, Death Metal und komplexem Prog auszutoben. 2007 kamen die Flying Luttenbachers dann zum Stillstand und Weasel Walter begann u.a. Kollaborationen mit Lydia Lunch, Peter Evans, Cellular Chaos und Behold the Arctopus. Dann, auf Einladung der Macher des französischen Sonic Protest, spielten die Flying Luttenbachers dann 2017 wieder ihre ersten Shows in über 10 Jahren. In Triobesetzung mit Tim Dahl (Bass) und Chris Welcome (Gitarre) und Weasel Walter (Schlagzeug) wurde klassiches Material neu interpretiert und der Luttenbachers-Sound in die Gegenwart geholt, bis Weasel Walter schließlich mit Brandon Seabrock (Gitarre), Tim Dahl und Matt Nelson (Saxofon) die Flying Luttenbachers endgültig reformierte und im Folgenden mit Shattered Dimension und Imminent Death (beide 2019) zwei bahnbrechende Alben mit neuem Material veröffentlichte. 

Die Live-Ausgabe der Flying Luttenbachers scheint hierbei wieder für verschiedene Besetzungen konzipiert zu sein. Anstelle von Brandon Seabrock ist auf dieser Tour der britische Gitarrist Alex Ward zu bestaunen, mit dem Weasel Walter auch schon in der Vergangenheit zusammen arbeitete und der bei der heutigen Show in Münster Riff-Progressionen vom Allerfeinsten zeigt, die sich wie in einem Fuchsbau verzweigen.

The Flying Luttenbachers | (c) Jens Broxtermann

Überhaupt hat jeder in dieser Besetzung eine Freikarte, sich an seinem Instrument so auszulassen, wie er möchte. Je verrückter, desto besser. Die Devise lautet, einfach jeden anderen auf der Bühne umzublasen, und sie verdeutlicht zugleich, warum es so schön ist, dass die Luttenbachers wieder da sind, denn keine andere Formation beherrscht die Mischung aus Verwirrung, Gewalt und Zerstörung besser als sie. Somit lässt der athletische Metal mit seinen brachialen Wiederholungen und den immer schneller werdenden Tempos bei Epitaph oder die Blastbeats und die verfremdeten Sax-Solos bei Mutation so manchem im Publikum die Kinnlade runter fallen. Am Ende eines solchen Klangbads aus Ornette Coleman’schen Harmolodics, No Wave-Skronk, Free Jazz-Chaos und technischer Metal-Präzision kann man nur zufrieden und befreit sein. 

Titelbilds: The Flying Luttenbachers | (c) Jens Broxtermann

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