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Köln, Hochsommer, 20 Uhr Ortszeit: Die Lüftung im Underground gibt lautstark ihr Bestes, kann die Raumtemperatur aber doch nicht unter gefühlte 30 Grad bringen, sodass man vor Konzertbeginn entweder noch draußen im Vorhof oder drinnen mit einer kühlen Flasche Irgendwas verbringt. Auffällig ist zumindest, dass die Hitze für niemanden ein Hindernis zu sein schien: Am Eingang findet sich ein kleines „Ausverkauft“-Schild, es wird somit eng und noch viel wärmer werden an diesem Abend.

Also rein ins Geschehen, denn Dangers machen den Anfang. Eine bessere Wahl für den Opener-Posten hätte man auch nicht treffen können, denn diese vierköpfige Hardcore-Band wütet sich durch ihr Set ohne Rücksicht auf Verluste. Die Gitarre sägt sich ihre Bahnen, der Drummer knüppelt hemmungslos drauf, und die Scream-Pausen werden vom Frontmann sinnvoll genutzt, indem er wie wild die Gliedmaßen herumschleudert oder sich auch mal mit voller Wucht ins (noch) nichts ahnende Publikum wirft.

Wer bisher noch nicht geschwitzt hat, der ölt spätestens jetzt, auf jeden Fall aber bei Loma Prieta, der zweiten Band des Abends. Hier hat das Publikum bessere Chancen nicht von umherfliegenden Shoutern getroffen zu werden, denn die Band aus Kalifornien konzentriert sich voll und ganz auf ihren vertrackten Hardcore, der dann und wann auch gerne mal zum Mathcore lugt und von seinen Intensitätskontrasten lebt. Nach ihrem eher wortkargen Set füllt sich der Saal noch weiter, man kommt seinen Mitmenschen näher, als man das normalerweise will. Das ist für die nächste gute Stunde aber eher nebensächlich, denn Touché Amoré betreten die Bühne und lassen ihren fesselnden Posthardcore sofort los:

Der erste Song „Amends“ vom zweiten Album „Parting the Sea Between Brightness And Me“ schallt in die Menge, und Frontmann Jeremy Bolm kann nicht anders als über die Textsicherheit der Anwesenden zu grinsen. Oftmals hält er als Signal das Mikrofon gen Zuschauerraum, und es scheint, als ob jeder der Anwesenden ihm die Worte, die er hören will, entgegenbrüllt. In den ruhigeren Momenten gibt Bolm auch so oft es geht Wasserflaschen ins Publikum, da er weiß (und auch sicher selbst merkt), dass dies eine intensive Show ist, und dass diese bei der Hitze ziemlich an den Kräften zehren kann. Man nimmt die Geste dankend an, teilt das Wasser brüdlicherlich untereinander und belohnt ihn dafür mit weiteren Chorgesängen und unendlich vielen Stagedives, die fast die Scheinwerfer von der niedrigen Decke fegen. Das Set wird vorangetrieben, es kommen überwiegend Stücke aus den letzten beiden fantastischen Alben dran. Zwischen den ein- bis zweiminütigen Songs bringt die Band immer wieder ihre Dankbarkeit zum Ausdruck, die man ihr auch vollkommen abnimmt, denn ein solches Happening beim eigenen Konzert würde jeden Musiker berühren.

Touché Amoré kommen langsam zum Ende, Bolms „thank you so much, we really appreciate it“ klingt schon etwas heiser, und frisch aussehende Menschen sind in der Menge schon längst nicht mehr zu finden. Wer aufgepasst hat, hat gemerkt, dass das allseits beliebte Method Act fehlte: Prompt wird das aber als Zugabe nachgereicht, und das Konzert wird mit High Fives für die ersten fünf Reihen beendet. Nun heißt es: Erst einmal raus an die frische Luft und anfangen, diesen kalifornischen Hardcore-Abend zu verdauen, denn für ein paar Momente durfte man die Außenwelt vollkommen ausblenden und kollektiv den lautesten und leidenschaftlichsten Frieden der Welt zelebrieren.

Setlist:
Amends
Art Official
Steps
Just Exist
Pathfinder
Praise/Love
Anyone/Anything
And Now It’s Happening In Mine
Uppers/Downers
Adieux
Honest Sleep
Harbor
Home Away From Here
Faceghost
DNA
The Great Repetition
Condolences
Gravity
Tide
Method Act (Zugabe)

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