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Das E-Werk in Köln lockte am Abend des 2. Julis vornehmlich junge Menschen in ihre Halle. Der Grund: Die $UICIDEBOY$.

Weite Pupillen, nassgeschwitzte Jugendliche, Selfies vor den Toilettenspiegeln, Tätowierungen in allen Farben und Formen, an sämtlichen sichtbaren Körperteilen. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Die neue Generation No-Future? Entweder das, oder aber eine Chance, dass sich die Gesellschaft zur Abwechslung etwas öffnet und die Akzeptanz für „ausgefallenen“ Körperschmuck weiter wächst. Eines steht schon mal fest, die Menschen hier lieben den selbstzerstörerisch anmutenden Lifestyle. Wie sonst ist es zu erklären, dass hunderte Besucher*innen Musik voller Selbstzweifel, Selbsthass, suizidalem Gedankengut und Drogenexzessen feiern. Umso schöner, wie gut die Stimmung innerhalb des E-Werks an diesem Abend war. Glückliche Gesichter, die jede Textzeile mitsingen und tanzen als gäbe es kein Morgen. Hedonismus, er kann so einfach sein.

Kaum ein Bein steht still, Handys schweben über den Köpfen, die Social-Media-Generation fängt jeden Moment ein. Schon in der ersten Dreiviertelstunde als nur der DJ als Einheizer fungierte, konnte man die Vorfreude spüren. Als dann gegen 21 Uhr die beiden Rapper die Bühne betraten, gab es kein Halten mehr. Eine Laserstrahl ähnliche Lichtshow bildete dreidimensionale Formen und nicht nur einmal wurden die Protagonisten von den Strahlen sinnbildlich zerteilt. Großartig und tatsächlich wenig pompös. Die Show selbst verläuft ein wenig schleppend. Selten werden zwei Songs ohne Pause gespielt, häufig passiert zwischen den Liedern einfach nichts. Das nimmt ein wenig die Dynamik raus, die aber mit jedem neuem Lied allerdings sofort wieder gefunden wird. Ein Ton ertönt, ein Raunen und Jubeln im Publikum und los geht’s. So läuft das ca. eine Stunde und dann ist auch Schluss. Zufriedene Gesichter, bleich, ausgelaugt, dehydriert. I Want To Die In New Orleans, aber doch nicht in Köln-Mülheim.

Titelbild: $UICIDEBOY$ | (c) Paul Schall

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