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Es war ein Gig vor Freunden, als Unknown Connection Failure / UCF am 16.06. in ihrer Heimatstadt Hamburg auftraten. In dem kleinen Laden, der Astra Stube, fanden sich an diesem Abend leider nicht viele Menschen ein; es waren alles Freunde der Musiker, doch damit hat sich ein besonders intimer Abend ergeben.


Ursprünglich hatten UCF eine Minitour über zwei Abende in Hamburg und Berlin mit der Münchner Post Rock-Band Waves geplant. Aus organisatorischen Gründen mussten Waves jedoch wenige Tage vor dem Auftritt in Hamburg absagen, doch irgend einen zweiten Act musste es geben. Also sprang Tom Prayne, Gitarrist und Synth-Spieler von UCF, mit seinem elektronischen Nebenprojekt ein. Dadurch haben sie sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Tom
Tom stand vor einem provisorisch aus Astra-Kästen zusammengebauten Mischpult, das MacBook und die sonstigen elektronischen Komponenten vor sich, die Gitarre über den Rücken geworfen. Musikalisch erinnerte mich sein Set an eine Mischung aus Tycho – wobei weniger erhebend – und Collapse Under The Empire – wobei weniger Post Rock-orientiert als mehr bezogen auf die elektronischen Parts ihrer Musik und die allgemeine Stimmung. Die wenigen Zuschauer setzten sich zum Teil vor der Bühne auf den Boden, zum Teil tanzten sie oder wiegten sich in der Musik.

Sicher wäre es schön gewesen, an diesem Abend Waves zu sehen, aber Tom Prayne wirkte als Support für seine eigene Band keinesfalls deplatziert, sondern lenkte den Abend in eine gute Richtung für UCF, indem er das Publikum weder zu stark anheizte, noch musikalisch viel zu weit abdriftete.

Tom

Von vorn herein habe ich mich gefragt, wie diese sechs Musiker von UCF, die grundsätzlich alle sitzend spielen, auf der kleinen Bühne in der Astra Stube Platz finden sollten und tatsächlich war das Bühnensetup sehr beengt. Violinist Julian saß an diesem Abend auf einem Bierkasten am vorderen Bühnenrand, wobei er seine Effektgeräte ebenfalls auf Bierkästen vor der Bühne positioniert hatte. Hinter ihm stand das Schlagzeug, alle weiteren Musiker waren rechts und links davon positioniert. Das Glockenspiel, das bei UCF gern zum Einsatz kommt, stand ungeschickt vor den Gitarristen Eddy und Tom, und dass nicht sämtliche Mikrophonständer bei der kleinsten Bewegung umgefallen sind, grenzte an ein Wunder.

Es hatte im ästhetischen Sinne vielleicht auch etwas für sich, wie alles mit den Astra-Kästen arrangiert war. Es ist schließlich die Astra Stube; und eine personenstarke Band auf einer viel zu kleinen Bühne zu sehen, intim, zum Anfassen, irgendwie improvisiert, ergibt ein viel spannenderes Konzerterlebnis als weit entfernt vor einer großen Bühne zu stehen – wenngleich ich persönlich UCF die großen Bühnen durchaus gönnen würde.

UCF

Bezüglich der Setlist sind UCF auch eine sehr spannende Band. Sie haben bislang genau vier Songs veröffentlicht, von denen drei eine Spieldauer von 10-13,5 Minuten haben und ein Track – „Arms to Work Legs to Run“ – mit über 27 Minuten Länge zu Buche schlägt. Vor Beginn des Auftritts stellt sich für mich also immer die Frage, welche Songs sie spielen: Vielleicht nur das 27 Minuten-Epos? Das wäre zu kurz. Nur die drei Songs der EP „Ships Will Sink“? Dann würde der Auftritt auch nur 35 Minuten lang dauern. Alle vier Songs? Das wäre offenbar zu viel für einen Auftritt.

UCF machen es jedoch ganz klug und spielen von „Arms to Work Legs to Run“ einfach nur die erste Hälfte. Neben diesem Titel spielten sie weiterhin ihre Songs „Dust & Wires“ sowie „Ships Will Sink“ ihrer EP. Zusätzlich spielten sie einen bisher unbetitelten und unveröffentlichten Song, was ich ganz besonders schön fand, weil es meine Hoffnung erhöht, dass wir bald eine neue Veröffentlichung zu erwarten haben.

UCF

Der Auftritt ging ziemlich ruhig vonstatten. Die Musik ist melancholisch, tiefgründig und oft schleppend, bis hin zu wenigen Passagen mit schnellen und harten Drums und Riffs. Das Publikum stand, saß und tanzte wie schon bei Tom Prayne. Wie eingangs erwähnt, war es gerade die Tatsache, dass die Location so klein und das Publikum der Band so vertraut war, dass dieser Abend etwas ganz Besonderes an sich hatte. Es war ein Wohnzimmerkonzert vor Freunden, eine familiäre Atmosphäre, die ich auf diese Weise selten erlebt habe. Es gab nichts, das den Fokus der Betrachter von der Musik hätte ablenken können und so viele Konzerte UCF auch in Zukunft auf hoffentlich größer und größer werdenden Bühnen spielen werden, so sehr hoffe ich doch auch, dass diese intimen Momente niemals gänzlich vergehen werden.

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