Von der Band Warpaint habe ich zum ersten Mal gehört, als sie ihre Single „Elephants“ herausgebracht haben. Ich war sofort gefangen in den Reverb und Delayklängen der Gitarren, dem bis zum Anschlag von Chorus vollgestopften Bass und dem wahnsinnig groovigen Schlagzeugspiel. Natürlich wurde die Debutsingle von vielen Musikmagazinen und Onlineportalen gelobt.


Warpaint haben inzwischen neben ihrer ersten EP noch drei grandiose Alben veröffentlicht, nämlich „The Fool“, „Warpaint“ und „Heads Up“. Klangen die ersten zwei Veröffentlichungen noch sehr verträumt und vom Wave und Psychedellic beeinflusst, wurde ein Element welches sich zwar schon immer in der Musik der vier finden ließ stärker ausgebaut und auf dem dritten Album zum Höhepunkt getrieben. Die Songs wurden immer tanzbarer, der Sound entfernte sich vom verhallten Dreamwave und das Endprodukt kann mit jeder aktuellen Popproduktion mithalten. Die erste Singleauskopplung von „Heads Up“, „New Song“, verunsicherte mich ein wenig, ich würde ihn sogar als Radiopopsong bezeichnen. Als das Album dann endlich den Weg aus dem Laden in mein Wohnzimmer fand, waren alle Bedenken direkt zur Seite geräumt. Das neue Album kann locker mit all den vorherigen Platten mithalten und besteht zum Großteil aus Hits. Nach oftmaligen Hören mag ich „New Song“ zwar immer noch nicht, was auf meine Meinung zu dem Album allerdings keinen Einfluss hat.

Heute werde ich Warpaint in Köln zum dritten Mal live sehen können und freue mich dieses Mal besonders auf das Konzert in der Live Music Hall.

Als ich ein wenig verspätet in die Halle schlenderte, war diese schon angenehm gut gefüllt, das Konzert wird aber auch im Laufe des Abends nicht ausverkauft sein. Meinen Orientierungsproblemen geschuldet, verpasste ich die Vorband „Aldous RH“ fast komplett und kann nur noch den letzten Song hören, welchen ich schon aus dem Internet kannte. Ziemlich funky, hoher Gesang, Slapbass und Synthesizer. Selbst beschreibt die Band ihr musikalisches Schaffen als „Smooth Music“, dem würde ich zu 100% zustimmen. Mir war das allerdings ein wenig zu smooth und nichtssagend, diente somit eher als Hintergrundbeschallung.

Die Bühne war schon bei der Supportband sehr hübsch dekoriert. Es standen ein dutzend Planzen neben den Amps und den Drums, ob echt oder nicht, konnte ich nicht erkennen. Diese waren mit Lichterketten geschmückt und verliehen der doch recht großen Live Music Hall eine angenehme Atmosphäre, welche bei vielen Konzerten in dieser Größenordnung leider oft flöten geht. In der circa 30 Minütigen Umbaupause wurden die Gäste mit einer ziemlich guten Playlist verwöhnt, wir konnten zu Viet Cong, Modern English und anderem wippen.

Als die Scheinwerfer endlich gedimmt wurden und Warpaint auf die Bühne kamen, waren meine Erwartungen sehr hoch gesetzt. Zugegebenermaßen bin ich kein Fan der Akutsikstücke der Band und habe mich schon ein wenig gefreut, als ich keine Akustikgitarren auf der Bühne entdecken konnte.

Einen Punkt möchte ich bereits jetzt vorgreifen: Die Auswahl der Stücke war nahezu perfekt, der Mix aus allen Veröffentlichungen, von der EP bis zum aktuellen Album hätte nicht besser sein können.

Ich hatte Bedenken, dass der Sound das Konzert ein wenig bremsen könnte und wurde ziemlich direkt eines Besseren gelehrt. Selten wurden meine Ohren bei einem Konzert so verwöhnt, wie es heute der Fall war. Stimmig, die Lautstärke war so angepasst, dass ich die Musik ohne Gehörschutz genießen konnte, der Bass drückte, die Drums knallten, die Gitarren waren akzentuiert. Warpaint gaben alles. Wie bereits Anfangs erwähnt, sah ich die Band heute schon zum dritten Mal und ohne auch nur eine Sekunde darüber nachdenken zu können kann ich sagen, dass das Konzert an diesem Abend das Beste von Warpaint war, das ich gesehen habe. Ebenfalls kann ich mir kaum vorstellen, dass sie einen solchen Auftritt noch toppen können. Die Band spielte in und zwischen den Songs immer wieder Livejams, die einen direkt in den Bann zogen. Die Stimmungen kippten unterdessen oftmals total beeindruckend.

Die Sängerinnen hatten ein kommunikatives Auftreten und blödelten ein wenig mit den Zuschauern, welche leider sehr verhalten im Raum standen. Oft war ein minimales Kopfnicken die einzige körperliche Huldigung an die Band. Wie soll es auch anders möglich sein, wenn von einer Person mit drei verschiedenen Handys nahezu jedes Lied im Videoformat aufgezeichnet wird. Der Bildschirm-Sternenhimmel hat mich ein wenig gestört und gleichzeitig enttäuscht, da ein solches Verhalten einfach respektlos gegenüber den Künstlerinnen ist. Vereinzelte konnte man tanzende Mitmenschen erblicken, die zum Großteil textsicher und zu laut die Songs begleitet haben. Die Mitklatscherei, die leider oft so weit vom Takt entfernt ist wie nur möglich, beschränkte sich glücklicherweise auf 3 – 5 Versuche, die ohne großen Anklang schnell wieder verhallten.

Warpaint haben heute in Köln einfach nur Spaß gemacht und beeindruckt. Ich freue mich schon jetzt darauf, diese Band irgendwann nochmal live sehen zu können.

Setlist:
Bees
Heads Up
Undertow
Hi
The Stall
No Way Out
Whiteout
Beetles
Elephants
Love is to die
New Song
Disco//Very
Intro
Keep it Healthy
So Good
Crimson

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