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Meine erste und bis dato einzige Live-Begegnung mit dem Alternative-Country Frontman David Eugene Edwards liegt etwa 15 Jahre zurück. Damals stolperte ich des Nachts in ein Festival-Konzertzelt und mitten ins Set von Edwards‘ damaliger Band:16 Horsepower.


Der seltsame Mix aus düsteren, melancholischen Tönen und traditionellen Folk/Americana-Elementen wie Banjo und Akkordeon machte ganz schön Eindruck. Doch kurz danach löste sich die Formation auf und es sollte mehr als eine Dekade dauern, bis ich wieder auf das unverwechselbare Gesicht des Alternative-Cowboys aus Denver im Programmheft des Gebäudes 9 stieß. Die bereits seit den frühen 00er-Jahren bestehende Nachfolgeband Wovenhand sollte hier ihre Tour zum neuen Album „Star Treatment“ starten. In der Hoffnung auf einen weiteren, denkwürdigen Moment zwischen Edwards und mir, packte ich kurzerhand meine Fotografen-Freundin ein und wir machten uns trotz gefühlt 30°C Außentemperatur auf den Weg in den kleinen, dunklen Kölner Club. Die erste freudige Überraschung bereitete der Anblick des angereisten Publikums. Vom Metalhead, über Indie-Jünger bis hin zum „Hare-Krishna“-Duo, das sich noch eben das Geld für ein Ticket erspielen wollte, war alles vertreten. Als zum eigentlichen Einlass weder Kasse, noch Tickets bereitstanden, holten sich die Gäste einfach noch ein Bier vom benachbarten Kiosk und klönten auf Liegestühlen vor der spätsommerlichen Industriekulisse.

Emma Ruth RundelDer erhoffte, magische Moment kam auch diesmal, jedoch unerwartet früh – als um 20:30 Uhr eine langhaarige, in schwarz gehüllte Frau mit Akustik-Gitarre, wie eine unheimliche Waldelfe aus der Lichtung, die Bühne betrat. Emma Ruth Rundle war definitiv die Überraschung des Abends und ließ schon mit den ersten Tönen alle Gespräche verstummen. Entgegen der Vermutung, hier bekäme man wieder das typische Singer-Songwriter-Gedudel zu hören, servierte Rundle eine Art schroffen und sphärischen Gothic-Dream-Indie-Pop. Gesanglich würde hier sicherlich der eine oder andere Journalist Vergleiche zwischen PJ Harvey und Chelsea Wolfe ziehen, und sicherlich im entfernten Sinne Recht behalten. Rundle’s eigensinniger Gesang kommt mal sanft, mal heftig und unter sichtlicher, körperlicher Anstrengung. Zwar reichen ihre bisherigen Aufnahmen nicht ganz an die mystischen und sphärischen Bühnenmomente heran. Trotzdem seien an dieser Stelle unbedingt „Protection“ und „Run Forever“ als Anspieltipps genannt. Das für einen Support ungewöhnlich lange Set krönte Emma Ruth mit Thorsten, dem ebenfalls gänzlich in schwarz gekleideten Geiger.

Eigentlich müsste man dies für eine perfekte Einstimmung für den düsteren Gothic-Folk von Wovenhand halten. Doch diese haben mit dem kürzlich erschienenen Album „Star Treatment“ eine neue Ära eingeläutet. Druckvoll, stampfend und verzerrt eröffneten die Alternative-Country-Rocker ihren Gig. Die tiefe, mystische Stimme des „Bühnenpredigers“ David Eugene Edwards hallte aus dem Off, verlor sich und drang damit nicht mehr wirklich ins Hörerherz vor. Was die Erscheinung betrifft, erinnerten die beiden Vordermänner mit Gitarre und Bandana zudem leider mehr an Axl Rose und Karate Kid als an die einstigen düsteren Folkrocker. Abgesehen von diesen Äußerlichkeiten lieferten Wovenhand eine solide, energische Performance in einem vollen Laden und vor zufriedenen Gästen ab. Dabei stachen vor allem das galoppierende Schlagzeug und der satte, wuchtige Bass hervor. Der Metalhead nickte, die Gothik-Elfe schlängelte mit den Armen. Und als man fast schon die Hoffnung auf die besonderen Nuancen verlor, griff der Frontman aus Denver doch noch einmal zur Mandoline. So schloss sich der Kreis und ich konnte gut Abschied nehmen von dieser Version, die nicht mehr so meins ist. Oder sind alle guten Dinge doch 3?

Wovenhand

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