Vinyl immer portofrei bei jpc.de

Insgesamt 20 Geschichten hat Bill Callahan für sein neues Album Shepherd in a Sheepskin Vest zusammengetragen, die trotz ihrer aufreizenden Banalität durch die intime Ehrlichkeit von Callahans Texten ausgesprochen bedeutungsvoll sind.

Vö: 14.06.2019 Drag City LP kaufen

Mit „It’s been such a long time“ begrüßt Callahan seine HörerInnen mit sanftem Bariton im kurzen Opener Shepherd’s Welcome und meint damit offensichtlich auch die 6 Jahre seit dem letzten Album Dream River (2013).

Das neue Album, wieder bei Drag City veröffentlicht, hat Callahan als Rückblick auf diese Zeit, die durch seinen Umzug nach Kalifornien, die Heirat der langjährigen Lebensgefährtin, der Psychotherapeutin und Filmemacherin Hanly Banks, die Geburt seines Sohnes und die Rückkehr nach Austin geprägt war, konzipiert und in vielen der Songs finden sich biografische Aspekte, die den Liedern das gewisse Etwas verleihen.

Musikalisch bewegt sich Bill Callahan auf vertrautem Boden, auch wenn merkwürdige Ideen das übliche Setting aus dahin tänzelnder akustischer Gitarre, der Akzente setzenden Pedal-Steel-Gitarre, einem schleppenden und vor sich hin trottenden Schlagzeug sowie dem gezupften Bass ergänzen: Melodica, Kalimba und angedeutete Drones – Callahans Hang zur Schrulligkeiten macht so manchen Song besonders. Wenn die Songs nicht rein akustisch daherkommen, dann wird mit großem Vergnügen geschunkelt und geschrammelt. Wer alle musikalischen Freiheiten hat, der kann diese auch ausnutzen.

„It feels good to be writing again“, singt er im zentralen Stück Writing und „Clear water flows from my pen“ sowie „Music came down from the mountain“ als wäre er nur der Katalysator der in ihn reinfließenden Ideen. „Sometimes I have to wonder on, Where have all the good songs gone“ ist sein ironischer Seitenhieb auf die musikalischen Mitbewerber.

Bill Callahan weiß genau, dass er aktuell der wohl einflussreichste Künstler in der Nische zwischen Folk und Low-Fi ist und er kostet es aus.

Hervorzuheben aus der Fülle der dahinfließenden Lieder ist der Song The Ballad of the Hulk, welcher vor Veröffentlichung des Albums als Video verfügbar war. Ein absolut kompletter Song, der deutlich ausgearbeitet ist und aus der Menge der Kurzgeschichten hervorsticht. Hier zeigt Callahan seine Qualität als brillianter Storyteller. Auch 747, die Geschichte vom Einschlafen und Aufwachen auf einem Inlandsflug, zählt zu den richtig guten Songs auf dem Album.

Auch wenn 20 Lieder ziemlich viel für ein Album sind, so mag man nach dem Hören doch keinen der Songs missen.

Das als Doppel-LP konzipierte Album funktioniert in seiner Gänze als Einheit mit Höhen und Tiefen aber keinem Totalausfall. Man kann sich auf den seit über 30 Jahren musizierenden Querdenker blind verlassen.

In Confederate Jasmine singt Callahan „There’s a wolf in my house and the frightened child won’t tell the wolf to go away“. Nicht der Wolf trägt bei Bill Callahan den Schafspelz, sondern der Hirte, der seine Schäfchen eigentlich behüten sollte. „Love is a hill with a view of reality“ singt Callahan in einem anderen Song und auf dem Cover des Albums ist dieser Hügel, der die Liebe symbolisiert, zu sehen: Wer ihn besteigt, hat eine Aussicht auf die Wirklichkeit.

Am 8. Oktober spielt Bill Callahan sein einziges Deutschland-Konzert im Jahr 2019 im Admiralspalast in Berlin.

Schreibfehler gefunden? Sag uns Bescheid, indem Du den Fehler markierst und Strg+Enter drückst.

Bewertung des Autors Richard Kilian
Zusammenfassung
Ganz viele Ideen und eine traumwandlerische Umsetzung in fast allen der 20 Songs. Bill Callahan öffnet seine Seele und lässt die HörerInnen in sein Inneres blicken. Dieses Album setzt Maßstäbe.   
5
Leser Bewertung 0 Sei der erste!
  • Videopremiere: Nick Flessa – Michigan

    Nick Flessa aus Los Angeles veröffentlicht das Video und die digitale Single zu MICHIGAN a…
Lade mehr ähnliche Artikel
Lade mehr von Richard Kilian
Lade mehr in Alben

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei

Auch Interessant

Emma Elisabeth – Melancholic Milkshake

Die Schwedin Emma Elisabeth, die seit einigen Jahren in Berlin wohnt, verschreibt sich auf…