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Billie Eilish ist ein paar Monate nach dem 11. September geboren.

Vö: 29.03.2019Interscope RecordsLP kaufen

Kurz danach. In ein Amerika voller Angst, voller Säbelrasseln, voller Fragezeichen. War dann zarte 7 Jahre, als die Weltwirtschaftskrise den USA die Beine wegtrat. Schon mal ein ganz ordentliches Paket – und das in Kalifornien. Ungefähr so klingt ihre Musik auch. Ganz schön ernsthaft und reflektiert. Aber irgendwo ist sie 16, ein Teenager, in Los Angeles. Auch das hört man. 

Der Billie-Zug fährt für ihr junges Alter jetzt schon ganz schön lange, ganz schön schneller und ganz schön laut. Wenn selbst einer wie Dave Grohl sie als „Rock ’n Roll“ bezeichnet, dann kann es ja nur noch nach oben gehen. Und auf ihrem Debütalbum ist sehr, sehr viel darauf angelegt, dass das funktioniert. Seit einiger Zeit geistert in den AnR-Büros der Majors ein Schreckgespenst der Streaming-Dienste umher: Die Skip-Rate. Spotify und co. werten einen Song nur als gespielt, wenn er mindestens 30 Sekunden lief. Resultat: Die AnRs rennen mit ihren Tabellen zu den Produzenten und fordern niedrige Skip-Rates. Was ist Faktor Nummer eins? Wann die erste Strophe anfängt. Und auf When We All Fall Asleep, Where Do We Go? wird in jedem Song ohne großes Intro losgestolpert. 

Einerseits macht das die Songs und Billie sehr unmittelbar. Andererseits gibt es kaum Ideen und Spannungsbögen, die eine Chance haben, sich richtig zu entwickeln. Man könnte das Album zusammen fassen mit Lana-Del-Rey-Aber-nicht-zu-Ende-gedacht. Würde aber etwas kurz greifen. Zugegeben, wo der etwas gelangweilte Gesang von Del Rey eben gerade das Anziehende und Mysteriöse ausmacht, gibt es Phasen auf diesem Album, wo Billies „No-Emo“-Stimme etwas nervt. Aber dann gibt es wieder Perlen wie bury a friend, when the party’s over oder xanny, wo sich alles in einander fügt. 

Bei anderen Songs wie dem unvermeidlichen Ukulele-Stück 8, dem 90er Girl-Pop-Song all the good girls go to hell und dem arg kitschigen i love you ist man sich nicht ganz sicher, ob sich die Plattenfirma von Billie Eilish zu viel oder zu wenig eingemischt hat.

When We All Fall Asleep, Where Do We Go? ist ein richtig gutes Album von einer jungen Künstlerin, die offenkundig vor musikalischem Talent nur so platzt, aber noch nicht so ganz weiß, wohin damit. Wie bei allen 16-jährigen. Gut so.

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Bewertung des Autors Julian Schmauch
Zusammenfassung
When We All Fall Asleep, Where Do We Go? ist ein richtig gutes Album von einer jungen Künstlerin, die offenkundig vor musikalischem Talent nur so platzt, aber noch nicht so ganz weiß, wohin damit. Wie bei allen 16-jährigen. Gut so.
3.5
Leser Bewertung 2.69 ( 5 Bewertungen)
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