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Album-Veröffentlichungen von Björk sind immer etwas Besonderes. Wie kaum eine Künstlerin hat sich die Isländerin dem kontinuierlichen Bruch und der unerbittlichen Erneuerung verschrieben. Brücken lassen sich zwischen ihren Alben kaum schlagen, jedes ist sein ganz eigener Kosmos.

LP kaufen Vö: 24.11.2017 Embassy of Music

Und hier flattert nun dem winterlichen Schwermut trotzend Utopia, Album Nummer 9 herein. Mit fast 72 Minuten Spiellänge ihr bis dato längstes Werk, sind die 14 Songs fast ausnahmslos in Zusammenarbeit mit Arca, dem venezolanischen Ausnahmeproduzenten, den sie bereits zu Vorgänger Vulnicura engagierte, entstanden.

Und in ihrem Drang nach Erneuerung, nach dem künstlerischen Erforschen und kreativen Ausloten bleibt sich Björk auf Utopia treu. Wo Vulnicura voller Düsternis vor allem ihr gebrochenes Herz verdaute, ist dieses Album eine funkelnde, zwitschernde Liebeserklärung an eben diese – die Liebe – geworden. Songstrukturen sind in Björks Universum etwas für Popfetischisten, denen mit dem geschickten Aneinanderreihen von musikalischen und emotionalen Skizzen gehörig die Chorushörigkeit ausgetrieben wird. Und das Kunststück die Lieder nicht im unzugänglichen Chaos untergehen zu lassen gelingt.

Opener „Arisen My Senses“ glitzert mit aller Macht los, man kann sich das Grinsen, das Mitfreuen für Björks Euphorie kaum verkneifen. Es zwitschert elektronisch durch die Kopfhörer. Wo Fever Ray auf die Tanzfläche vorne kommt, tritt Björk zurück in ihre Feenwelt. Fast scheint es, als hatte sie sich auf diese Album offener denn je, mit einem kräftigen Augenzwinkern versehen, ihrer Feenhaftigkeit gestellt. So Björk war ein Album noch nie.

Und so strahlt und funkelt sich über die nächsten Lieder weiter. In „The Gate“ kommt zum ersten mal das Isländische Flöten-Ensemble zum Vorschein, mit dem Björk vergangenen Sommer Aufnahmen zu einigen Liedern machte. Wie die Harfe in „Blissing Me“, das wunderbar schräge Sample in „Claimstaker“ oder die zarte Orgel im Albumcloser „Future Forever“ sind die zarten Klänge der Flötistinnen nie aufgesetzt. Immer haargenau passend zur Songstimmung.

Bei aller Glückseligkeit macht Björk aber im epischen 10-Minüter „Body Memory“, dem verstörend intimen „Features Creatures“ oder auch im pulsierenden „Sue Me“ klar, dass ihr nicht vollends die Sonne aus dem Allerwertesten scheint. Wie es sich für eine ordentliche Nordländerin gehört, wird natürlich auch beklagt, beweint und bewütet in bester Novemberstimmung.

Utopia ist aber dennoch hauptsächlich eins der positivsten Björk-Alben geworden. Das Adjektiv „Schön“ ist ein vollkommen abgenutztes, andererseits in der Musik selten genutztes. Utopia ist ein schönes Album geworden. Davon braucht es mehr in diesen Zeiten.

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