Black Rebel Motorcycle Club. Die Anomalie in den Strokes verseuchten 00ern. Niemand sonst schaffte es so dichte, düstere und ganz eigen klingende Songs zu schreiben und Liveshows zu spielen, die an Intensität kaum zu überbieten waren. Aber diese rotschwarze Energie schien über die letzten zwei Alben rapide abzuflachen, sich zu verlieren. Nun sind BRMC zurück. Und wie.

LP kaufen Vö: 12.01.2018 Abstract Dragon

Düster galoppierend geht es los. Ein Intro voller Schwere und Antrieb. Dann kommt „Spook“ und schleppt und trabt sich bluesig auf die Spur, in der schon das großartige Debüt-Album fuhr. BRMC sind absolute Meister in Spannungsbögen, langgezogenen Atmosphären, wenn sie zulassen, dass das Ganze im verdaulichen Songrahmen bleibt.

„King of Bones“ zeigt dann weiter, dass auch ein so geschlossenes Sounduniversum wie BRMC sich weiter entwickelt. Ein vibrierender Synthesizer-Basslauf, ein treibender Diskobeat gemischt mit der brachialen Wucht und Masse an Effekten, die Robert und Peter auf ihre Saiteninstrumente packen, erzeugen eine Mischung, der man sich schwer entziehen kann. BRMC sind tatsächlich eine der wenigen Bands, bei denen man die sonst oft so lieblos und klischhaften Gitarrensoli nicht weiterskippen möchte. Nicht, weil technisch so brillant, sondern weil sie atmosphärisch das weiter tragen, was eh schon gesponnen wurde.

„Haunt“ tritt mit aller Macht die Saloonschwingtür zum Spaghettiwestern auf. Auch hier zeigen die drei, dass sie genauso Meister im Verharren und düsteren Insichgekehrtsein sind, wie im galoppierenden Aufbau von Soundwänden. „Echo“ und „Ninth Configuration“ tragen das Country-Zepter dann weiter, zitieren ordentlich Pink Floyd-esque Atmosphären und gelegentliche Joy Division Anleihen. Letzterem Song kann man dann doch an einem Punkt der fast 7(!) Minuten Songlänge vorwerfen, zu genau diesem nicht so ganz so kommen. Es ist unglaublich schwierig, die lange und versunkene Verbundenheit eines Jams so in Songform zu packen, dass es den Zuhörer oder die Zuhörerin nicht langweilt oder überfordert. „Ninth Configuration“ schrammt an dieser Grenze entlang.

„Calling Them all away“ bleibt dann etwas zu lange in genau dieser düsteren Verhangenheit. Wird aber gerettet und rausgetreten von „Little Thing Gone Wild“. Was ein Kracher. Irgendwo zwischen Stooges und den großen Songs ihres Albums „Baby 81“ ballert der Song über radiotaugliche 3:19 alles raus, was die letzten drei Songs festgehalten wurde.

„Circus Bazooko“ lässt einen etwas ratlos zurück. Die Band scheint nicht recht zu wissen, ob sie sich mit der Spielorgel anfreunden kann oder nicht. Zwischendurch schimmern jedoch die lieblosesten Falsettos durch, die Robert Levon Been jemals gesungen hat. „Carried from the Start“ zeigt dann noch mal alles an düsterem Galopp, an eigener Soundwelt und einem Chorus, den The Verve nicht besser hinbekommen hätten, bevor das episches „All Rise“ noch mal alles an Schwere und rotem Glühen hervorzaubert, was BRMC nach diesem 12 langen Ritt noch irgendwo aus dem Ärmel schütteln konnten.

„Wrong Creatures“ macht das richtig, was beim den zwei vorherigen Platten oft zu ausufernd und unzugänglich war. Neben den oft erwähnten Schicksalsschlägen (Roberts Vater starb 2010, Gehrin-OP von Leah) scheint es auch einfach drei Alben lang gebraucht zu haben, bis man sich mit Schlagzeugerin Leah Shapiro so richtig eingegroovt hat. Dann aber eben richtig.

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  • 9/10
    Autor Julian Schmauch - 9.0/10
9/10

Kurzfassung

„Wrong Creatures“ macht das richtig, was beim den zwei vorherigen Platten oft zu ausufernd und unzugänglich war. Neben den oft erwähnten Schicksalsschlägen (Robert’s Vater starb 2010, Gehrin-OP von Leah) scheint es auch einfach drei Alben lang gebraucht zu haben, bis man sich mit Schlagzeugerin Leah Shapiro so richtig eingegroovt hat. Dann aber eben richtig.

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