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25 Jahre halten die wenigsten Bands durch. Wie Boysetsfire das geschafft haben, erzählt Bassist Robert Ehrenbrand im Gespräch mit Pretty In Noise: Kein Druck, keine Verpflichtungen. Aber Family First.

Seit 2003 spielt Ehrenbrand Bass bei den US-Amerikanern. Die Band gibt es damals schon neun Jahre, gerade ist Tomorrow Come Today erschienen, Songs davon landen auf Soundtracks zu Videospielen und Kinofilmen, das Album schafft es in die deutschen und amerikanischen Charts. Trotzdem steigt Bassist Rob Avery aus, seinen Nachfolger bestimmt er selbst: Ehrenbrand und die Band kennen sich seit der Deutschlandtour 1997, der Münchner spielt zu der Zeit noch bei der Hardcore-Band My Hero Died Today.

Zwischen den BSF-Jungs und Ehrenbrand funkt es sofort: „Es hat 2,5 Minuten gedauert, bis das gepasst hat“, sagt Ehrenbrand. Aus Minuten werden Monate, fast ein ganzes Jahr tourt Ehrenbrand 2002 mit der Band – als Roadie. Dabei wächst zusammen, was zusammen gehört, und für Avery gibt es nur einen möglichen Nachfolger. Über Nacht lernt Ehrenbrand 17 Songs, am nächsten Tag steht er mit seiner neuen Band vor 60000 Leuten auf einer Festivalbühne. Es bleibt nicht einmal Zeit, seine Wohnung in Berlin aufzulösen, das übernehmen seine Freundin und seine Eltern.

Vier Jahre dauert es, dann lösen sich Boysetsfire auf. Der Albumtitel The Misery Index: Notes From The Plague Years schreit es schon heraus, die Band ist „vom Musikgeschäft genervt“, wie Ehrenbrand erzählt: „Aber wir sind immer gerade geblieben und haben unsere Egos zurückgestellt.“ Mit dem Aufhören tut sich die Band schon damals schwer. Weil sich Gitarrist Josh Latshaw bei einem Unfall auf der Baustelle verletzt, fällt die Abschiedstour durch Europa für ihn flach. Also spielen sich die Jungs im Jahr darauf erneut durch Europa.

Sänger Nathan Gray gründet im Anschluss, mit Latshaw, The Casting Out, drei Jahre später trommeln sie die alte Gang wieder zusammen. Ehrenbrand tritt 2011 aus der Band aus, merkt aber bald, dass er ohne seine Freunde nicht kann. Als er 2013 zurückkehrt, wissen Boysetsfire, wie es mit der Band weitergehen soll: „Boysetsfire ist nicht mehr die Hauptbaustelle.“ Die Mitglieder haben Familie, feste Jobs – die Musik ist nurmehr ein Hobby, wenn auch ein erfolgreiches. Den Zwängen der Industrie unterwerfen sie sich nicht mehr, auch weil sie das als Hardcore-Institution gar nicht nötig haben. Wenn sich neue Musik ergibt, wie zuletzt das selbstbetitelte Album von 2015 – gut. Wenn nicht – auch okay. Ansonsten gehen sie auf Tour, spielen ausverkaufte Albumshows oder mit dem Family First ihr eigenes kleines Festival. Für Ehrenbrand sind die Abende mit seinen Jungs Familientreffen – und zu dieser Familie gehören auch die Fans. Er selbst sei nicht wichtiger als jeder einzelne im Publikum. Und: „Die Leute sind oft textsicherer als Herr Gray“, scherzt er.

Für die anstehenden Konzerte haben sich Boysetsfire durch Songmaterial aus 25 Jahren gewühlt, neue Songs werden auf der Setlist aber nicht zu finden sein. „Die Zukunft darf danach weiter gehen“, findet Ehrenbrand. Ob und wann es neue Musik seiner Band geben wird, lässt er offen. Schließlich soll das Abenteuer Boysetsfire weiter spannend bleiben. Wer sich aber nichts mehr beweisen muss, schafft vielleicht auch das nächste Vierteljahrhundert. Ehrenbrand kann sich das gut vorstellen. Seine Frau hat ihm jedenfalls schon verboten, je wieder aus der Band auszusteigen.

Information

Zum Family First Festival haben Boysetsfire neben Norbert Buchmacher, Kmpfsprt und Raised Fist ganz besondere Weggefährten eingeladen: Thursday spielen in Köln ihre erste – und vielleicht letzte – Deutschland-Show seit 2011.

Titelbild: Boysetsfire | (c) www.facebook.com/boysetsfireofficial/

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