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Verflixte 13. Verflixt gut.

Vö: 14.09.2018 Heavy Psych Sounds iTunes LP kaufen

Die Asche von Kyuss ist schon seit annähernd zwei Dekaden im Wüstensand verweht. Brant Bjork stellt einen der langlebigsten und outputfreudigsten Phoenixe dar, die aus dieser Asche emporgestiegen sind.

Zu seiner Vita zählen nicht nur von ihm mitgeprägte Momente bei Szene-Veteranen Fu Manchu (1994-2001), Mondo Generator, Zwischenspiele bei Fatso Jetson und den Desert Sessions (Vol. I, II, V & VI), sondern auch unglaubliche 12 (mehr oder weniger) Solo Alben mit variierenden Backing Bands/Musikern (BB & The Operators, BB & the Bros, BB & The Low Desert Punk Band, Ché).

Hauptmerkmal dieses groovigen Dutzends ist sein Wechsel vom Schlagzeughocker zum Sechssaiter. Bei dieser stattlichen Anzahl sind etwaige Höhen und Tiefen eine zu erwartende Konsequenz. Sicherlich kam es vor, daß der Wüstenritter vermeintlich etwas an Biß verloren hatte oder es aufgrund von Experimentierfreudigkeit Einbußen im Sound gab. Sicherlich wurde auch mal auf kostengünstigere Studios gesetzt oder gleich in DIY Manier aufgenommen und produziert.

Nachdem Brant Bjork im Jahre 2014 mit der Low Desert Punk Band die „Black Power Flower“ zelebriert hat, scheint er wieder auf der Höhe zu bleiben, mit Tendenz weiter nach oben.

Zwischenzeitlich etwas ausufernder mit Tao of the Devil (und dem vermutlich schlimmsten Photoshopunfall-Cover im Hause Brant). Nun legt er mit Mankind Woman noch einen Ziegel oben drauf.

Besonders begrüßenswert fallen die angenehmen Laufzeiten der einzelnen Tracks auf. Kein Song knackt die 5-Minuten-Marke. In der Vergangenheit wurde gerne mal eine simple Riff-Idee überdimensional breitgetreten und im Namen des Groove (minimalistisch) auch länger durchexerziert als überhaupt notwendige Substanz dafür vorhanden war.

Der unverwechselbare Groove ist erhalten geblieben.

Klangtechnisch gibt es keine Spirenzchen, sondern fett warmen 70er Röhren-Sound. Aufgrund der gewählten Fuzzstufe und mit Blick auf BBs Vergangenheit mag es kaum verwundern das Nummern auftauchen, die gefühlt nach Fu Manchu im Relax-Modus klingen.

Der schon immer mehr gesprochene Jimi Hendrix/Scott Hill-Gesang unterstreicht diese Wirkung zusätzlich. Neben den straighten Nummern, die ohne viel Schnörkelei das sich im Mittelpunkt befindliche Riff zelebrieren, gesellen sich auch funkig-soulige Momente im Gesang und Gesamtbild dazu. Wer also gut abgehangenen Wüstenrock im Retro 70s-Soundgewand benötigt, der ohne Aggressionen auskommt, wird hier einwandfrei bedient.

Apropos bedient. Die neue Labelheimat holt zum Brant Bjork-Vollbedienungs-Rundumschlag aus, ganz zur Freude und Leid des geneigten Plattensammlers.

Nicht genug, daß das aktuelle Album in 6 verschiedenen Varianten veröffentlicht wird (Colour in Colour, 3 Colours, 3 Colours Segment, Splatter, Black, Test Pressing). Im gleichen Zuge bringt Heavy Psych ReIssues von Local Angel und Tres Dias auf dem Markt. In schicken überarbeiteten Coverartworks und demselben Farbwahnsinn wie auch beim aktuellen Album. Die Notwendigkeit dieser zahlreichen (natürlich streng limitierten) Variationen darf durchaus in Frage gestellt werden. Wo z.B. noch die Besonderheit einer Testpressung liegt (außer daß diese sowieso völlig langweilig verpackt sind, von Haus aus), wenn diese satte 50 Mal vorhanden ist. Häh? Hier ist der Preis auch genauso fragwürdig (35 €), wie die Preisunterschiedsspanne zwischen dem schwarzen (16,50€) und den farbigen Vinyl-Varianten (30 €/ 25 €/ 21 €).

Es ist stark damit zu rechnen, daß der gesamte Brant Bjork-Backkatalog nach und nach aufgelegt wird. Höchstwahrscheinlich in einem ähnlich gestalteten Variantenreichtum, was Farbe und Verpackung angeht. Etwas sehr positives hat das ja schon: wir bekommen alle unser Wunsch-Stück vom Brant Bjork-Kuchen. Keiner geht leer aus 😀

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