„Upon Contact Reworked“ ist Pflicht für Liebhaber der Neoclassical- und Ambient-Genres. Das einzige Manko aber liegt im Konzept des Gesamtwerkes: Sechs Bearbeitungen eines Stücks sind zu viel des Guten, um über die volle Albenlänge spannend zu bleiben. Doch diese Schwäche könnte ebensogut als die größte Stärke des Albums gelten. Denn die Stücke bewahren den aufregenden Stil des Komponisten Bruno Sanfilippo und erweitern ihn lediglich um reizvolle Nuancen.

„Music that doesn’t fit between defined borders“ – Selbstbewusster könnte der aus Buenos Aires stammende Komponist Bruno Sanfilippo sein Schaffen auf der Facebook-Seite wohl nicht beschreiben. Dass er sich mit dieser Aussage etwas weit aus dem Fenster lehnt, zeigt hingegen das aktuelle Werk „Upon Contact Reworked“. Das Album besteht aus dem instrumentalen Piano-Stück „Upon Contact“ sowie sechs Bearbeitungen desselben, etwa durch den italienischen Soundscape-Künstler Francesco Giannico, den argentinischen Soundtüftler Jorge Haro oder durch das Neoclassical/Ambient Duo Olan Mill. Und mit dieser Aufzählung sind wir bereits mitten in den definierten Grenzen angelangt, die „Upon Contact Reworked“ dann und wann neu zu ziehen versucht, nie aber zu überschreiten vermag.

So beginnt das Album mit wunderschönen, in Reverb getränkten Klavierklängen, die sanft um das Grundthema tänzeln, sich in ihrem Tempo und in ihrem in Moll angelegten Wesen zaghaft weiterentwickeln. Die Zeit steht nahezu still. Die Komposition lässt unendlichen Freiraum, um in eine andere Welt abzudriften. So weit, so Film-Soundtrack, wie ihn etwa Asche und Spencer mit ihren Soundscapes perfektionieren. Die Drones und Field-Recordings der ersten Bearbeitung von Francesco Giannico schenken dem Song dann erste wahre Spannungsmomente. Sobald die Streicher deutlicher zu hören sind und ihre Melodien ausdifferenzierter werden, scheint der titelgebende Kontakt schließlich und endlich vollzogen: Mitten in die Herzen der Zuhörer, die sich nun ihren fernen Gedanken vollständig hingeben dürfen. Dementsprechend hypnotisierend, drohend und entspannend zugleich klingt da der immer wiederkehrende Grundton der Olan Mill Bearbeitung. Solch bittersüßer Piano-Melancholie kann in den weiteren Bearbeitungen nur noch wenig hinzugefügt werden. Vielmehr bleibt die Arbeit von Leonardo Rosado fast zu nahe am Original, der schwedische Künstler Quivion arbeitet ebenso mit Drones und Field-Recordings, während Jorge Haro und der griechische Ambientkünstler Hior Chronik gekonnt dezente Glitch-Sounds und sanften Noise beimengen.

Insgesamt ist „Upon Contact Reworked“ ein starkes Album und heißer Tipp für Freunde der Neoclassical- und Ambient-Genres. Doch sein größtes Manko liegt wohl im Konzept des Gesamtwerkes: Sechs Bearbeitungen eines Stücks sind zu viel des Guten, um über die volle Länge spannend zu bleiben. Mögen sie zwar grundsätzliche Unterschiede aufweisen, so drohen die Bearbeitungen aufgrund der Wiederholung von Motiven bei stets ähnlicher Atmosphäre ein wenig austauschbar zu werden. Wäre dem mit Modulationen der Tonart, auffälligen Tempo- oder drastischeren Stimmungswechseln zu Leibe gerückt worden, hätte dem Album ein deutlicher – und wohltuender – Spannungsverlauf hinzugefügt werden können. Doch die vermeintliche Schwäche könnte ebensogut als die größte Stärke des Albums gelten. Denn seine innere Dramatik ist jene der originalen Komposition, die bei mehrmaligen Hören eigentlich nicht ergreifender sein könnte. Die Bearbeitungen bewahren diesen Stil Bruno Sanfilipos und erweitern ihn lediglich um reizvolle Nuancen. Und so gelingt es, über die Variation der sieben Songs in 37 Minuten den wahren Kern von „Upon Contact“ auszumachen und zu erleben: Den Mut zur eigenen Erneuerung.

Anspieltipp: Upon Contact (Francesco Giannico Rework)

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