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Unterstützt durch den stilprägenden Will Oldham aka Bonnie Prince Billy, einer ausdrucksstarken Kate Stables (This is the Kit) und Sean 0´Hagan (The High Llamas) an den Reglern hat der belgische Komponist und Fotograf Thomas Jean Henri nach fünf Jahren des Tüftelns und Experimentierens unter dem Bandnamen Cabane sein total entschleunigtes Debütalbum mit dem Titel Grande est la Maison vorgelegt.

Vö: 28.02.2020 Cabane Music LP kaufen

Die Sammlung von zehn Songs, die als eine hauchzarte Mischung aus Folk und Orchesterpop dahinfließen und in denen textlich souverän vom Englischen ins Französische gewechselt wird, sind getragen durch die tollen Stimmen von Will Oldham und Kate Stables,  einer stets präsenten akustischen Gitarre, einem filigranen Streichquartett und einem harmonischen Ensemble bestehend aus fünf Sängern, die sich Bost Gehio nennen und einen soliden Chorgesang abliefern.

Der exakte Beitrag des Künstlers Thomas Jean Henri bzw. der Musikalität Cabanes ist auf dem gesamten Album nicht konkret auszumachen aber offenbar hat er hier tatsächlich nur als Komponist, Texter und Arrangeur gewirkt.

Unverkennbar ist hingegen die Handschrift von Sean O´Hagan, der eine ganz große Watte-Klammer um das Album spannt und man fühlt sich in die wohligen 80er-Jahre-Art-Pop-Zeiten der High Llamas zurückversetzt, wenn es aus den Boxen angenehm warm und niemals disharmonisch zupft, loopt und blubbert. Hier eine Geige, da ein dumpfer Synthesizer und eine gezupfte Gitarre. Auch die zarten Instrumentalstücke sind typische High-Llamas-Stilmittel.

Angesichts der öden Trostlosigkeit des eigenen im Oktober 2019 erschienenen Albums Radum Calls, Radum Calls, fragt man sich – sicher nicht von Ungefähr – ob Mastermind Sean O´Hagan seine gesamte musikalische Kreativität in dieses außergewöhnliche Album gesteckt hat.   

Hervorzuheben aus der Ansammlung durchweg angenehm anzuhörender Gehörgang-Schmeichler sind insbesondere die drei Vorabauskopplungen, da diese Debüt-Album wunderbar repräsentieren.

Mit dem Track Sangokaku, der bereits am 22. November veröffentlicht wurde, war schon ganz früh eine exakte Duftmarke gesetzt. Ein wunderschöner, würdevoller Folksong, der an Nick Drake und Vashti Bunyan erinnert und völlig zeitlos klingt. Fast durchgehend im Chorgesang bewältigen Oldham und Staples diese luftigen und an Simon & Garfunkel erinnernde Komposition. Die Solopassagen sind Oldhams Revier, das er wunderbar beherrscht.   

Mitte Januar 2020 erschien dann als zweite Vorabauskopplung der Titel Now, Winter Comes.

Thomas Jean Henri sagt zur Entstehung des Songs:

„Über eine längere Zeit hatte ich die Wörter und die Melodie zu folgendem Satz in meinem Kopf: As far as I see our love now fades in me where we were silently agreed. Augenblicklich hörte ich dazu die Stimme von Kate Stables, welche die Melodie sang. Die erste Fassung des späteren Songs schrieb ich am Neujahrstag 2015 in New York. Ich behielt das Demo eine lange Zeit unter Verschluss bis ich im Jahr 2018 während eines Besuchs bei einer Freundin auf der Insel Comacina im Comer See wieder daran arbeitete.“

Und tatsächlich ist es die Stimme von Kate Staples, die den Song komplett mit ihrer Wärme und Intensität ausfüllt. Eine getragene und wunderbar sehnsuchtsvolle Nummer.

Die dritte Auskopplung ist das wunderschöne, nachdenkliche Take Me Home (Part 2), das wieder einmal Oldham auf dem Gipfel aus anschwellenden Harmonien, klassischer Gitarre und Vibraphon schweben lässt.

Dazu schreibt Thomas Jean Henri:

„Ich habe an Take Me Home (Part 2) gearbeitet, als ich an der belgischen Küste Musik schrieb. Es ist die Grundlage des gesamten Albums Grande Est La Maison. Ich habe die Lieder zunächst auf der Gitarre geschrieben und dann die Noten in einen Gesangspart für Bost Gehio umgesetzt. Diese Abschnitte funktionieren wie ein griechischer Chor. Ich hörte auch sofort Will Oldhams Stimme auf der Spitze des Chors singen. Dieses Lied handelt, wie die meisten Songs von Cabane, vom Meer, von Flüssen und von der Liebe.“

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Zusammenfassung
Das ganze Album ist durchdrungen vom Können insbesondere von Will Oldham und Sean O´Hagan. Ein tolles Album gerade für die kalten Wintertage. Ruhig die dicken Kerzen anstecken, die kuschelig warme Decke bis ans Kinn ziehen und zurücklehnen. Die meisten Songs pendeln angenehm zwischen Bonnie Prince Billy und den High Llamas.
4.5
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