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Nach zehn Jahren veröffentlichen Caleya aus Hamburg ihr viertes Album.

Vö: 06.09.2019 Black Omega Recordings CD kaufen

Benannt nach dem Fluß in der griechischen Mythologie, auf dem die Toten zu ihrer letzten Bleibe gebracht werden und bei der Überfahrt ihre Erinnerungen an das Leben verlieren, erwartet den Hörer ein durchaus interessantes, wenn auch kurzes Werk deutschsprachiger Tonkunst.

Lawra startet recht zügig in die musikalische Welt der bereits über zehn Jahre existierenden Band. Im gemäßigten Tempo wechseln sich Melodien, die meist einen traurig-feierlichen Charme versprühen, mit walzenden Riffs ab. Der Text, passend zur Musik, hat etwas Aufforderndes, wie die Beginn eines Neuanfangs. Und zum Ende lässt einen das Stück mit Hoffnung zurück. Hoffnung auf ein besseres Leben, ein Leben, dass weniger aussichtslos erscheint.

„Stein auf Staub
wir bauen Mauern
wir reißen sie ein“

Auch Golem startet direkt in melancholische Melodien, die immer wieder kurz abgestoppt werden. In der Mitte des Songs werden die Gitarren etwas ruhiger und perkussives Drumming tritt in den Vordergrund. Langsam bäumen sich die Instrumente auf, um in ein treibendes Riff zu münden. Die Vocals überschlagen sich und eindringlich werden die letzten Zeilen vorgetragen.

„Ist es das was du wolltest
wenn du sagtest
niemals mehr Hoffnung?“

Mit dem dritten Track Trostland werden anfangs ruhige sich langsam steigende Klänge aufgebaut, die in einem Up Tempo-Part münden, der sehr verzweifelt klingt. Auch hier überschlagen sich die Vocals und brüllen gegen die finsteren Gitarren an. Zur Mitte hin wird das Tempo stark gedrosselt und man wird immer tiefer in die Dunkelheit gezogen. Es gibt kein entkommen und das unwohle Gefühl, dass der Text transportiert, bleibt.

„Ein letzter Blick durch das geschlossene Fenster
lässt dich erblicken
wie Schatten deine Scherben in ihre Arme schließen
und du die Türe zum letzten Male schließt“

Heym ist wieder ein recht typischer Song für Caleya. Melodisch-melancholisch treibt der Song voran, um zur Mitte wieder perkussiver zu werden und zum Ende erneut auszubrechen. Freilicht startet sofort durch, versprüht jedoch wieder verstärkt Hoffnung. Zum Ende wird das Tempo angezogen und hymnenhafte Melodien übernehmen das Geschehen.

„Doch all das was du liebst
vergeht, vergilbt
du singst und singst
doch nur die Nacht schreit dich an“

Den Abschluss bildet Trophäe mit einer guten Mischung aus Melodie und Groove. Caleya spielen nochmal ihr ganzes Können auf und schließen das Album mit eher düsteren Klängen.

„Denn du bist das Licht das blendet
das dich anhebt und berauscht
dich mit sich reißt
weit fort
und du kommst wieder
aber nie mehr zurück
denn du bist das Licht das blendet“

Lethe weiß durchaus zu gefallen – und gerade, wenn Caleya absolute Gegensätze ausspielen, zeigen sich die Emotionen, die hinter der Musik stecken. Die Texte spiegeln auf lyrisch sehr hohem Niveau die unterschiedlichen Stimmungen in den einzelnen Stücken wieder. Die Produktion ist sehr differenziert, bringt aber genug Dreck mit, um nicht glattgebügelt zu klingen. Auf der anderen Seite sind knapp 24 Minuten Gesamtspielzeit nach vier Jahren doch etwas wenig für mein Empfinden. Das ändert nichts an der Tatsache, dass Caleya in diesem Jahr ein Ausrufezeichen in der hiesigen Musikwelt hinterlassen haben.

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Zusammenfassung
Lethe weiß durchaus zu gefallen - und gerade, wenn Caleya absolute Gegensätze ausspielen, zeigen sich die Emotionen, die hinter der Musik stecken.
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