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In dem gleichnamigen Film von Andrej Tarkowski ist Solaris ein Planet, dessen Farbe ständig wechselt, der einmal unstrukturiert erscheint und dann doch plötzlich Strukturen erzeugt. Es ist vor allem ein Meer der Gedanken, Erinnerungen, Ängste und eigenen Dämonen.

Das italienische Duo Caron Dimonio hat sich für sein neues, zweites Album „Solaris“ von dem russischen Regisseur inspirieren lassen. Das Werk hat tatsächlich einige Aspekte des Filmes: Es ist dunkel, facettenreich, teilweise sogar verwirrend. Caron Dimonio mischen Post-Punk, Coldwave und Elektro, indem sie einen sehr vollen, überladenden Sound schaffen, der reich an Synths, treibenden Bass-Lines und kleinen Details ist. Manche Songs präsentieren schneidende, präzise Strukturen, andere im Gegenteil lassen sich von einer noise-punkiger Attitüde treiben.

„Solaris“ beginnt sehr leise und edel. Ein kurzer Track mit Klavier und Synths, um einen glänzenden schwarzen Schleier auf die Realität hinzulegen. Und dann wird man überrascht, ja überrumpelt von dem, was folgt. „Imago Mortis“ ist hart, fast EBM. Das Lied steigt sehr originell mit einem Wechsel zwischen Beats und Synth ein. Starke Synths und Drum-Machines kennzeichnen auch „Siamo sassi“, das an Cold Cave erinnert oder „Salto nel buio“ mit seinem treibenden, dampfenden Intro. Über dem ganzen Album liegt eine gewisse Melancholie, die oft durch den Gesang bekräftigt wird. Schön traurig ist zum Beispiel das Indie-Wave-Lied „E‘ un mare“.

In jedem Song hört man eine große Stärke des italienischen Duos ganz deutlich heraus: der mitreißende, überbordende Bass. Dieser ist zum Beispiel sehr schön in „Dentro il buco“, einem wasserfallartigen Song, der etwa die andere Seite von Caron Dimonio zeigt: die punkigere, unmittelbare und gleichzeitig weniger kalte Seite. Man hört hier eine Direktheit wie bei A Place To Bury Strangers, und wenn auch solche Tracks etwas weniger experimentierfreudig sind, klingen sie doch am besten. Wie in „Nell’ora triste“ oder in „La noia che abbiamo noi“, einem der besten Songs von „Solaris“. Der Einstieg hier ist frenetisch, schnell, es gibt hier gar keine Spur von der Langeweile (noia) des Titels. Der Bass sprengt alles ab, wie ein Vortex fühlt sich der Song an, der einen in eine Nacht ohne Ende entführt.

Und gerade „Nuit sans Fin“ heißt der letzte Track des Albums. Ein träumerisches Elektro-Wave-Stück, das auch minimalistischer hätte sein können, denn der Gesang auf Französisch hat ein besondere melancholische Wirkung, die mehr Platz verdient hätte.
„Solaris“ ist ein sehr gut produziertes Album, das von großer Kreativität, Ehrgeiz und künstlerischem Anspruch zeugt. Manchmal kann es einem sogar überproduziert oder zu intellektuell vorkommen, es ist ein Album, das mit Ideen und Klängen geladen ist und dafür braucht es sicherlich mehr als ein einmaliges Anhören, um genossen zu werden. Man hört die Suche nach dem Besonderen, das Experimentieren mit Klängen, aber oft ist der beste Klang viel näher und nackter, als der, den Caron Dimonio in einigen Tracks der LP suchen. Ihr Stil ist mitreißend, intensiv doch auch fordernd. Ein Sound, wie eine Mauer, man kann dagegen stoßen oder hochklettern und über eine dichte Klangarchitektur schauen.

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