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Diese Mischung aus Ambient, Post-Rock und Drone bekommen nicht viele Bands so packend hin. Für Spannung ist hier immer gesorgt. Mein Favorit dieses bombastischen Live-Dokuments ist aber eindeutig „Loreta“.

Live-Alben sind für manche Menschen (ich gehöre auch dazu) eher eine ziemlich sinnfreie Erfindung. Braucht man wirklich ein aus der Konserve kommendes Live-Erlebnis? Warum soll man sich auch eine Aufzeichnung eines Konzerts im heimischen Wohnzimmer anhören? Entweder, weil man ein Riesen-Fan ist und wirklich alles von der Band sammelt, oder aber, weil man zufällig bei der Aufzeichnung des Konzerts live dabei war. Weitere Gründe fallen mir jetzt spontan nicht ein. In diesem Fall liegt mir auch noch ein Live-Album einer mir bis dato völlig unbekannten Band vor.

Der Erstkontakt mit den Instrumental-Rockern von Cecila::Eyes aus Belgien ist also dieses Live Dokument. Nun denn, was soll ich sagen? Der erste Eindruck der sich mir bietet, ist ein verdammt guter Sound, der meilenweit von einem „Bootleg“ entfernt ist. Hab ich mich vielleicht im Info Blättchen verlesen? Ist das eventuell überhaupt kein „echtes“ Live Dokument sondern nur als solches betitelt? Jedenfalls ziehen mich die ersten Sekunden vom Opener „Default Descent“ direkt in ihren Bann. Ein Drone/Ambient artiges Intro wälzt sich zähflüssig wie ein Lavastrom voran, bevor nach einer Weile Post-Rock typische Gitarren den Song in eine neue Richtung drängen. Die darauf folgende Steigerung, ja fast Ekstase, im Songaufbau macht den Königen von This Will Destroy You alle Ehre. Und just in dem Moment, als der Song nach 7 Minuten langsam verklingt, bemerke ich, dass ich wirklich gerne bei dem Konzert dabei gewesen wäre. Ein wirklich packender Einstieg.

Das darauf folgende „Lord Howe Rise“ besticht durch seine düstere Stimmung, atmosphärischen Gitarrenläufen und interessantes Schlagzeugspiel. Eines kann man Cecilia::Eyes aus Belgien bedenkenlos attestieren: Beim Thema „Dynamik im Songwritingprozess“ haben sie sehr gut aufgepasst. Hier scheint kein Ton fehl am Platz zu sein, alles wirkt stimmig und perfekt arrangiert. Diese Mischung aus Ambient, Post-Rock und Drone bekommen nicht viele Bands so packend hin. Für Spannung ist hier immer gesorgt. Mein Favorit dieses bombastischen Live-Dokuments ist aber eindeutig „Loreta“. Dieser Song besticht durch einen unglaublichen Druck, Feedbacks und einem tollen Basslauf. Ich wette so manche Shoegaze oder Post-Rock Band würde für diesen Song töten. Für mich ist er jedenfalls zu einem modernen Klassiker mutiert. Da bekommt der Begriff „Wall-of-Sound“ eine vollkommen neue Dimension und die Repeat Taste wird zum besten Freund. Wirklich unfassbar was die Belgier hier komponiert haben. „Loreta“ brachte mich jedenfalls dazu, die normale Studioversion dieses Songs anzuhören, die natürlich ebenso umwerfend ist.

Und da wären wir dann auch wieder bei meiner Eingangs erwähnten Frage, ob Live Alben sinnvoll sind oder nicht. Ich denke, ich muss meine Aussage revidieren und zweifelsfrei eingestehen, dass solche Live Dokumente durchaus Sinn ergeben. Ohne die Live Version von „Loreta“ hätte ich mir vermutlich niemals, oder nur mit „halbem Ohr“ das Album „DISAPPEARANCE“ angehört. Besagtes Album erschien im May 2014 und wird in Kürze meine Vinylsammlung bereichern. Einen Fan haben Cecilia::Eyes jedenfalls in mir gefunden. Und ich kann jedem nur empfehlen, sich dieses schlicht und ergreifend „Live“ betitelte Album zu Gemüte zu führen. Die Setlist ist über jeden Zweifel erhaben und bietet einen gelungenen Querschnitt aus dem Schaffen der Band. Sollten die Belgier einmal in der Nähe ein Konzert geben, werde ich garantiert vor Ort sein. Wer mit den Begriffen Ambient, Drone, Post-Rock und Shoegazer etwas anfangen kann sollte hier definitiv hellhörig werden. Cecilia:Eyes sind eine Macht. Jedem, dem intensive und leicht düstere Musik am Herzen liegt, kann ich Cecilia::Eyes nur wärmstens empfehlen. Cecilia::Eyes will destroy you.

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