Chris Imler, das ruhelose Nachtgewächs der seit Jahren florierenden Musikszene rund um das Berliner Staatsakt-Label, hat es wieder getan.

Vö: 05.10.2018 Staatsakt iTunes LP kaufen

Nach dem tollen, aber leider viel zu wenig beachteten Debüt „Nervös“ ist nun mit „Maschinen und Tiere“ das zweite, nicht weniger tolle Album von Chris Imler erschienen.

Ähnlich wie auf dem ersten Album präsentiert Imler seinen Hörer*innen ein buntes Sammelsurium aus unterschiedlichsten Versatzstücken. Manches erinnert an NDW, bevor diese zum Massenphänomen wurde. Anderes erweckt Assoziationen an dilettantische Elektro-Musik. Und immer wieder schimmern obskure Geräusche durch, die dem Bereich der Field-Recording entlehnt sind. Mit dem hektischen Getose, das er mit einem chaotischen Potpourri aus akustischen Schlagzeugversatzstücken, Synthesizern, elektronischen Pads und allerlei Effekten zelebriert, reißt er Mauern der Gewohnheit ein, doch alles wird immer wieder zusammengehalten durch seine tiefe, sonore, gelangweilt genölte Stimme, die ein unterhaltsames Pendant zu seinen lyrischen Eskapaden bietet.

Doch auch wenn es auf den ersten Blick manchmal nahe liegt: Imler in die Dada-Tradition einzuordnen, wäre nicht nur zu einfach, sondern gänzlich falsch. Tatsächlich liebt Imler es, mit paradoxen Bildern zu arbeiten, seine Hörer damit zu verwirren, ihre Gedanken zu verknoten. Doch wer sich auf das Spiel einlässt, kann zumindest einen Teil dessen wieder entknoten, Stück für Stück. Imler liebt die Übertreibung, den Exzess, die Absurdität und das Morbide. Manchmal klingt er wie eine weniger zielstrebige, aber ähnlich maschinelle Version von DAF. Der Kosmos von Imler kennt kein von-bis, prinzipiell ist alles wert, durch den Fleischwolf gedreht und verarbeitet zu werden. Während er auf seinem Debüt noch zwei-sprachig sang, sind zum Englischen und überwiegenden Deutschen nun auch einige Zeilen italienisch dazu gekommen. Doch seine Musik funktioniert letztlich auch ohne Sprache, das zeigen nicht zuletzt seine ständigen Auftritte in Ländern wie Russland, Frankreich oder Italien, die nach eigener Aussage oftmals deutlich besser besucht und finanziell lukrativer sind als in Deutschland. Ohnehin kennt ihn hierzulande nur ein eingeschworener Zirkel an Leuten. Doch die, die ihn kennen, verehren ihn. Man könnte fast von einem Imler-Kult im Kleinen reden. Imler, der verhinderte Popstar.

Zur Musik kam Chris Imler erst über den zweiten Bildungsweg. Er fuhr Taxi im Berlin der 80er Jahre, also in einer Zeit, als das noch lukrativ war. Dass er sich dann irgendwann hauptsächlich der Musik widmete, lag hingegen wohl weniger an deren Lukrativität. Imler sagt von sich selbst, er könne letztendlich nichts anderes als Musik. Gut so.

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  • 8.5/10
    Autor Luca Glenzer - 8.5/10
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Nach dem tollen, aber leider viel zu wenig beachteten Debüt „Nervös“ ist nun mit „Maschinen und Tiere“ das zweite, nicht weniger tolle Album von Chris Imler erschienen.

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