Selten gibt es Bands wie Christmas, die so konsequent und unaufhaltsam ihr Ding durchziehen.

Vö: 28.02.2020 Kidnap Music LP kaufen

Die Band Christmas aus St. Wendel feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Neben der Debut-EP im Jahr 2011, einem Live-Album sowie diversen Split-Veröffentlichungen mit befreundeten Bands wie Turbo AC’s, Tony Gorilla, Bronson Norris oder Bloodlights, folgt nun mit Hot Nights In Saint Vandal ihr viertes Studioalbum.

Neben insgesamt stolzen 14 Releases innerhalb einer Dekade scheint die Band um Sänger Max Motherfucker außerdem unentwegt auf Tour zu sein: von 500 Konzerten in 13 Ländern ist im Pressetext zur neuen Platte die Rede. Diese intensiven Live-Aktivitäten sind womöglich auch die Erklärung für eine weitere erstaunliche Zahl, die der Pressetext preisgibt: seit der ersten Besetzung im Jahr 2010 kam es zu einigen Besetzungswechseln, deren Ausmaß auf 14 „verschlissene Ex-Bandmitglieder“ taxiert wird. Auch wenn „verschlissen“ hier hoffentlich nicht wörtlich zu nehmen ist, scheint es einiges abzuverlangen, Teil dieser Band zu sein.

Oder: es gehört eine Menge Pragmatismus und Idealismus dazu. An diesen Eigenschaften scheint es zumindest Max Motherfucker nicht zu mangeln, da er das letzte verbleibende Gründungsmitglied der Band ist. So scheint jede Platte von Christmas auch immer eine Momentaufnahme der aktuellen Besetzung um den Sänger zu sein. Während der Sound anfangs noch deutlich von Rock’n’Roll und Hardrock geprägt war, entwickelte man sich mit der Zeit immer weiter in Richtung Hardcore-Punk, ohne aber die anfänglichen Pfade komplett aus den Augen zu verlieren. Der Umgang mit dem Rock’n’Roll-Erbe scheint auf dem vierten Album jedoch reflektierter als je zuvor. In ihrem Song Elvis is dead wird mit der Frage „Do we need a king?“ dem Anhimmeln von Star-Figuren und Szene-Autoritäten eine Absage erteilt. Gerade diese Erkenntnis scheint das Werk von Christmas von vorne bis hinten zu durchziehen: es spielt keine Rolle, was andere machen, wichtig und entscheidend sind hingegen die eigenen Handlungen und Überzeugungen. Im Grunde zeigt sich darin die ganz ursprüngliche Mittelfinger-Geste von Punk. Gerade das Reflektieren der (eigenen) Szene rückt aber die persönliche Authentizität des erzählenden Subjekts in den Vordergrund, wodurch nicht nur hinsichtlich des Sounds an frühe Hardcore-Bands wie Black Flag oder Minor Threat angeknüpft wird.

Mit dieser Überzeugung, Willen und viel Ehrgeiz haben Christmas ihren Sound über die Jahre immer weiter schärfen können und Hot Nights In Saint Vandal klingt selbstbewusster als je zuvor. Auch durch die Produktion von Michel Wern im Tonstudio 45 und das Mastering von Andy „Dog“ Young ist eine deutliche Entwicklung im Vergleich zu den Vorgängeralben zu hören: der Sound ist kompakt, kompromisslos und brutal. Am 28.02.2020 erscheint die Platte auf dem ebenfalls in St. Wendel beheimateten Label und starkem Partner Kidnap Music, dem auch Bands wie Sniffing Glue, The Baboon Show, Lygo, Decibelles oder Akne Kid Joe Vertrauen schenken.

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